Eine Woche nach dem spektakulären Auktionsrekord für Edvards Munch Gemälde „Der Schrei“ will das Auktionshaus Sotheby's noch einmal mit der zeitgenössischen Kunst Millionen erlösen. Höhepunkte der Frühjahrsauktion in der Nacht zu Donnerstag (MESZ) sollen Werke von Andy Warhol und Roy Lichtenstein sein. Geht die Rechnung des Auktionshauses auf, werden allein für diese beiden Bilder zusammen 90 Millionen Dollar (69 Millionen Euro) gezahlt.
Allerdings sind im Kunstmarkt immer Überraschungen möglich - nach oben wie nach unten. Munchs „Schrei“ war in der vergangenen Woche für fast 120 Millionen Dollar (90 Millionen Euro) versteigert worden, das bedeutete Weltrekord für zeitgenössische Kunst bei einer Auktion.
Allein 50 Millionen Dollar erhofft sich Sotheby's für den „Double Elvis“ von Warhol. Von einem Rekord für den 1987 gestorbenen Künstler wäre das 1963 entstandene Bild allerdings weit entfernt. Vor ein paar Jahren hatten die „Eight Elvises“ 100 Millionen Dollar eingebracht.
Eine schlafende Schönheit könnte den bisherigen Rekordpreis für einen Lichtenstein brechen. „Sleeping Girl“ von 1964 wird auf 30 bis 40 Millionen Dollar geschätzt. Das bisher teuerste Gemälde des vor 15 Jahren gestorbenen Künstlers war im November für 43,2 Millionen Dollar (etwa 31,3 Millionen Euro) versteigert worden. „Sleeping Girl“ ist auf knapp 92 Zentimetern eine blonde Schönheit, die hinreißend schlummert.
Bild: Christie's2011 erzielten viele Gemälde auf den Kunstauktionen Rekordpreise. Nachfolgend die teuersten Gemälde des Jahres 2011, gefolgt von den Auktionsrekorden 2012.
Platz Nr. 10 (2011)
Künstler: Andy Warhol
Werk: Self-Portrait (1963-1964)
Versteigert am: 11. Mai 2011, bei Christie's in New York, USA
Auktionspreis: 34.250.000 US-Dollar
Bild: Sotheby'sPlatz Nr. 9 (2011)
Künstler: Egon Schiele
Werk: Häuser mit bunter Wäsche (1914)
Versteigert am: 22. Juni 2011, bei Sotheby's in London, Großbritannien
Auktionspreis: 35.681.800 US-Dollar
Bild: Sotheby'sPlatz Nr. 8 (2011)
Künstler: Gustav Klimt
Werk: Litzlberg am Attersee (1914/1915)
Versteigert am: 02. November 2011, bei Sotheby's in New York, USA
Auktionspreis: 36.000.000 US-Dollar
Bild: Sotheby'sPlatz Nr. 7 (2011)
Künstler: Pablo Picasso
Werk: La Lecture (1932)
Versteigert am: 02. August 2011, bei Sotheby's in London, Großbritannien
Auktionspreis: 36.274.500 US-Dollar
Bild: Poly International Auction Co.Platz Nr. 6 (2011)
Künstler: Beihong Xu
Werk: Cultivation on the peaceful land (1951)
Versteigert am: 05. Dezember 2011, bei Poly International Auction Co., in Beijing, China
Auktionspreis: 36.679.200 US-Dollar
Bild: Sotheby'sPlatz Nr. 5 (2011)
Künstler: Francesco Guardi
Werk: Venedig, eine Ansicht der Rialto-Brücke, nach Norden schauend, von der Fondamenta del Carbon (1768)
Versteigert am: 06. Juli 2011, bei Sotheby's in London, Großbritannien
Auktionspreis: 38.256.120 US-Dollar
Bild: Christie'sPlatz Nr. 4 (2011)
Künstler: Roy Lichtenstein
Werk: I Can See the Whole Room!... And There´s nobody in it! (1961)
Versteigert am: 08. November 2011, bei Christie's, in New York, USA
Auktionspreis: 38.500.000 US-Dollar
Bild: Sotheby'sPlatz Nr. 3 (2011)
Künstler: Clyfford E. Still
Werk: 1949-A-No.1 (1949)
Versteigert am: 09. November 2011, bei Sotheby's, in New York, USA
Auktionspreis: 55.000.000 US-Dollar
Bild: Poly International Auction Co.Platz Nr. 2 (2011)
Künstler: Meng Wang
Werk: Ge Zhichuan Relocating (ca. 1360, im Bild ein Detail)
Versteigert am: 04. Juni 2011, bei Poly International Auction Co., Beijing, China.
Auktionspreis: 55.300.000 US-Dollar
Bild: China Guardian Auctions Co.Platz Nr. 1 (2011)
Künstler: Baishi Qi
Werk: Adler auf einer Kiefer (1946)
Versteigert am: 22.Mai 2011, bei China Guardian Auctions Co., Beijing, China.
Auktionspreis: 57.202.000 US-Dollar
Quelle: Artprice.com
2011 erzielten viele Gemälde auf den Kunstauktionen Rekordpreise. Nachfolgend die teuersten Gemälde des Jahres 2011, gefolgt von den Auktionsrekorden 2012.
Platz Nr. 10 (2011)
Künstler: Andy Warhol
Werk: Self-Portrait (1963-1964)
Versteigert am: 11. Mai 2011, bei Christie's in New York, USA
Auktionspreis: 34.250.000 US-Dollar
Selber in Kunst investieren
Der Kunstmarkt bekommt mit solch finanziell starken Auktionen wieder mehr Aufmerksamkeit. Auch bisher Unerfahrene in Sachen Kunst denken über eine Investition in der Branche nach. Dabei stellen sich viele Fragen:
1. Wie finde ich als Käufer gute Kunst?
Schauen, schauen, schauen – um herauszufinden, was gefällt und den Horizont erweitert, Vorurteile revidiert und nachhaltig fasziniert. Seh- und Verständnishilfen bieten die exzellenten Ausstellungen der Ars-viva-Preisträger. Den Preis vergibt alle zwei Jahre der Kulturkreis der Deutschen Wirtschaft. Aktuelle Preisträger sind Erik Bünger, Philipp Goldbach und Juergen Staack; ihre Werke sind momentan in Riga, ab Juni im Museum für moderne Kunst in Bremen zu sehen.
Auch regelmäßige Besuche in der Neuen Nationalgalerie in Berlin-Tiergarten, der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf, dem Museum Ludwig in Köln, dem Kunstmuseum Stuttgart, dem Museum für Moderne Kunst in Frankfurt, der Pinakothek der Moderne in München schulen den Blick.
Wohin das persönliche Interesse in der unübersichtlichen Welt der zeitgenössischen Kunst tendiert, lässt sich auch in öffentlich zugänglichen Privatsammlungen sehen – in München etwa bei Ingvild Goetz, in Berlin in den Sammlungen Boros, Haubrok und Hoffmann. Wer mehr wissen will, kann Mitglied werden in einem der 270 deutschen Kunstvereine.
2. Wie unterscheidet sich Kunst von Kitsch?
Beides ist Definitionssache und hängt stark vom Geschmack des Betrachters ab. Ein Zeichen für Qualität ist jedoch immer die Limitiertheit der Kunst. Masse widerspricht Klasse. Seit 100 Jahren sind Tabubruch und Grenzüberschreitung Prinzip der Kunst.
Für Jeff Koons’ kitschig schlichte Adaption eines Luftballons in magentafarbenem Chromstahl zahlte ein Sammler bei Christie’s 25,8 Millionen Dollar. Der Käufer mag in dem vergrößerten, banalen Luftgebilde den Einzug des Alltags in die Kunst feiern. Das, was jedermann umgibt, darf Thema der Kunst sein, darf Heiterkeit und Leichtigkeit verströmen. Das Ironische ist dabei das Künstlerische.
Wenig zu schauen, wenig zum Nachdenken – Kitsch aus der Konsumwelt. Für den inhaltlich ausgerichteten Kunstliebhaber ist der Stahlkoloss nur gedankenlose, kostspielige Handarbeit. Den Überzug von „Balloon Flower“ aber so glänzend hinzukriegen ist tatsächlich Schwerstarbeit für Koons’ Assistenten.
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