
Barron´s: Meine Damen, meine Herren, lassen Sie uns mit Europa beginnen, das aktuell sehr stark die Stimmung an den Märkten bestimmt. Was kommt auf uns zu?
Marc Faber: Das Problem ist kein wirtschaftliches, sondern ein politisches. Die schwachen Länder sollten aus der Euro-Zone ausgeschlossen und die Verluste realisiert werden. Je länger man Länder wie Griechenland unterstützt, desto länger wird sich die Krise hinziehen, und desto höher werden die Verluste. Die Griechen bekommen noch mehr Geld, dafür tun sie so, als würden sie Sparprogramme umsetzen, in Wirklichkeit kaufen sie sich ein paar weitere BMWs. Griechische Anleihen müssen um 90 Prozent abgewertet werden, und selbst dann ist noch nicht sicher, dass das Land den Rest seiner Schulden zurückzahlen wird.
Quelle: Brad TrentDie Milliardenverwalter
Marc Faber
Vermögensverwalter und Autor des Börsenbriefs „Gloom Boom & Doom Report“, Hongkong; weltberühmter Pessimist
Quelle: Brad TrentBrian Rogers
Chefstratege der Investmentfonds-Gruppe T. Rowe Price, Baltimore, die weltweit 453 Milliarden Dollar verwaltet
Quelle: Brad TrentFred Hickey
Herausgeber des Börsenbriefs „The High-Tech Strategist Newsletter“, Nashua/New Hampshire; Technologiewert-Experte
Quelle: Brad TrentFelix Zulauf
Gründer des Vermögensverwalters Zulauf Asset Management, Zug/ Schweiz; einer der klügsten Köpfe der Zunft
Quelle: Brad TrentBill Gross
Gründer und Stratege der Fondsgesellschaft Pimco (Allianz-Gruppe), Newport Beach; lenkt unfassbare 1357 Milliarden Dollar
Quelle: Brad TrentScott Black
Gründer und Präsident des Fondshauses Delphi Management, Boston; rund 1,7 Milliarden Dollar verwaltetes Vermögen
Quelle: Brad TrentMeryl Witmer
Partnerin der Investmentgesellschaft Eagle Capital, New York, managt 11 Milliarden Dollar; eine der wenigen Top-Frauen
Quelle: Brad TrentMario Gabelli
Chef des Fondsmanagerhauses Gamco Investors, New York, das rund 820 Millionen Dollar Anlegergelder verwaltet
Quelle: Brad TrentOscar S. Schafer
Gründer des Hedgefonds O. S. S. Capital, New York, zuletzt 500 Millionen Dollar Vermögen; hat diesen im November aufgelöst
Quelle: Brad TrentAbby Joseph Cohen
Strategin für den US-Markt bei der Investmentbank Goldman Sachs, New York; bekannt als notorische OptimistinLesen Sie hier mehr über die Anlagestrategie der Börsengurus und was sie jetzt kaufen würden.
Die Milliardenverwalter
Marc Faber
Vermögensverwalter und Autor des Börsenbriefs „Gloom Boom & Doom Report“, Hongkong; weltberühmter Pessimist
Sehen Sie das auch so, Bill?
Bill Gross: Die Euro-Zone ist ein dysfunktionales Familiensystem. Im Norden die Eltern, im Süden die verwöhnten Kinder. Die Kinder haben ihr Erbe durchgebracht, man bemüht sich um Einigung, aber kommt nicht zusammen. Wenn wir uns im kommenden Jahr wieder hier treffen, wird mindestens eines der derzeitigen Euro-Länder nicht mehr in der Euro-Zone sein.
Faber: Die Regierungen können Vermögenswerte verkaufen; allerdings geht das nicht über Nacht. Italien etwa verfügt über große Unternehmensbeteiligungen und Land. Sie könnten auch die Kirche ausnahmsweise besteuern, was eine schöne Summe bringen würde. Damit könnten alle Probleme der Welt gelöst werden. Ich kann mir auch ein zweigleisiges System vorstellen, in dem die Länder nationale Währungen haben, aber viele Transaktionen weiter in Euro abgewickelt werden, weil Menschen nicht genügend Vertrauen in die nationalen Währungen haben.
Felix Zulauf: Europa ist weltweit der Schlüsselfaktor. China schwächelt, das Wachstum der Schwellenländer verlangsamt sich; die USA halten sich mit ihren strukturellen Problemen gerade so über Wasser. Ich habe den Euro seit seiner Geburt als Fehlkonstruktion bezeichnet. Das Problem liegt in der unterschiedlichen Wettbewerbsfähigkeit der Euro-Länder, und das lässt sich nicht lösen, indem man den wettbewerbsschwächeren Ländern Geld leiht. Man muss die Löhne und Preise im Süden drücken und im Norden heraufsetzen. Aber angesichts der Erfahrungen Deutschlands mit Inflation wird das nie geschehen. Die Mitgliedsländer der Euro-Zone haben vereinbart, dass jedes Land ein strukturelles Defizit von nicht mehr als einem halben Prozent des Bruttoinlandsprodukts machen darf. Wenn nun ein Defizit über drei Prozent des BIPs steigt, soll das Land sanktioniert werden. Die Staaten, die mitmachen, aber nicht über die notwendige Wettbewerbsfähigkeit verfügen, müssen mit einer um 30 Prozent überbewerteten Währung fertig werden, sie können nicht abwerten, und die nominalen Zinssätze sind zu hoch. Das ist ein Rezept für eine Depression - ein Todesurteil. Mehrere Länder werden daher den Vertrag nicht ratifizieren; am nächsten Tag werden sie den Euro verlassen müssen, und die Turbulenzen werden die nächste Eskalationsstufe erreichen. Griechenland zum Beispiel ist dann in jedem Fall pleite. Wenn man aber zulässt, dass diese Länder ihre Währung um 40 bis 50 Prozent abwerten, bekommen sie zumindest noch einmal die Chance, die Sonne zu sehen und sich zu erholen.








