_

Goldman Sachs: Die Mutter aller Interessenkonflikte

von Andreas Henry

Hat die New Yorker Investmentbank Goldman Sachs nicht nur Griechenland dabei geholfen, Schulden zu verstecken sondern womöglich auch Anleger getäuscht?

Goldman Sachs - die Quelle: REUTERS
Goldman Sachs - die Schattenmänner hinter Griechenlands Bilanztricks? Quelle: REUTERS
Anzeige

Na also, jetzt ist der Sündenbock für die Euro-Krise doch gefunden. Die Investmentbank Goldman Sachs eignet sich für diese Rolle ja auch bestens. Den bösen Goldmännern trauen viele Leute mittlerweile fast alles zu, nachdem die Bank im vergangenen Jahr ein PR-Desaster nach dem anderen erlebte und sich von dem Magazin „Rolling Stone“ sogar als Vampirkrake hatte beleidigen lassen müssen, der sich um das Gesicht der Menschheit gelegt habe.

Jetzt spricht auch die Kanzlerin von einem Skandal, weil clevere Investmentbanker mit raffinierten Geschäften auf den Derivatemärkten dem Staat Griechenland dabei geholfen haben könnten, Schulden in Milliardenhöhe zu verstecken.

Banker von Goldman Sachs nur die nützlichen Handlanger

Bei allem Verständnis für die Empörung, mit der die  Investmentbanker wegen ihrer unrühmlichen Rolle beim Aufgalopp zur Finanzkrise umgehen müssen - bei der Griechenland-Euro-Krise spielten die Goldmänner nur die nützlichen Handlanger, die den Politikern die zumindest nach heutigem Kenntnisstand völlig legalen Wege aufgezeigt haben, um die EU-Kriterien zu erfüllen oder diesen zumindest näher zu kommen.

Dass dabei dann für die cleveren Investmentbanker noch andere lukrative Geschäfte mit den Griechen abfielen, etwa das Mandat für die Emission von zahlreichen Regierungsanleihen, ist nur logisch. Zu prüfen wird nun lediglich sein, ob Goldman in den Prospekten dieser Anleiheemissionen auf die fraglichen Versteckspiele hätte hinweisen müssen.

Da solche Emissionsprospekte aber in der Regel von Legionen erfahrener Anwälte abgesegnet werden, ist kaum zu erwarten, dass sich daraus etwa eine Haftung ableiten lässt. Bei den meisten Eigentümern dieser Anleihen, die wegen der  Griechenland-Krise herbe Kursverluste hinnehmen mussten, handelt es sich um professionelle Anleger. Die wissen nur zu gut, dass Investmentbanking per se die Mutter aller Interessenkonflikte ist.

Griechenlands Tricks lange bekannt

Außerdem wurde über die Fragwürdigkeit der Swapgeschäfte, mit denen Griechenland Bilanzkosmetik betrieb, bereits sehr früh berichtet. Schon im Juli 2003 zeigte eine Titelgeschichte im Fachblatt „Risk Magazine“ detailliert auf, wie die Griechen damals ihre so genannte Public Debt Agency dazu nutzten, mehrere Milliarden Euro öffentlicher Schulden aus den Büchern verschwinden zu lassen. Damals interessierte das fast niemanden.

4 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 01.03.2010, 00:31 UhrAnonymer Benutzer: Peter

    Geld kennt keine Loyalität. Finanziers sind ohne Patriotismus und ohne Anstand. ihr einziges Ziel ist der Gewinn.

    Napoleon bonaparte

    Die perverse Gewinnmaximierung der Großbanken auf Kosten der
    Gesellschaft hat schon groteske Züge angenommen und entwickelt sich zu einer ernsten bedrohung für die Frieden in unserem Vaterland. Auf ein Vorgehen unserer Politiker gegenüber den krimminellen bankstern kann man lange warten, da sich die Aristokraten und die möchtegern Vertreter des Volkes solange an der Macht halten werden bis die nächste bombe in den Staatsanleihen platzen wird. Es ist Zeit, dass die Menschen widerstand leisten, ansonsten kann man sich auf einen bürgerkrieg einstellen.

  • 22.02.2010, 18:14 UhrAnonymer Benutzer: Unerträglich

    Richtig, Heuchelei ist der begriff, der hier angebracht ist.
    Wer immer solide nur das ausgibt, was er auch heranschaffen kann, hat keine Probleme mit Finanzakrobaten. Stattdessen Wohlgefallen erschleichen mit Geld, das man nicht hat, und nebenbei ein bisschen in die eigene Tasche (wie in L und bestimmt in GR und anderswo), als gäbe es kein morgen. Und das bei Rekordsteueraufkommen.

    Und nicht nur beim Schuldenmachen und Verscheuern von Tafelsilber Spitze, sondern auch wieder bei der Aufsicht über die eigenen banken. Möchte wissen wer ausser der Depfa hier wieder die 'Risiken' versichert hat.

    Europapolitiker, Obs und andere sollen sich endlich an die eigene Nase fassen. Die reflexhafte europaweite Empörung nimmt ihnen keiner, der noch bei Verstand ist, mehr ab.

  • 21.02.2010, 12:18 UhrAnonymer Benutzer: Verwunderung

    ich würde mich nicht wundern wenn neben Griechenland auch andere Länder mit Goldmann zusammengearbeitet haben. Wenn banken Geschäfte außerhalb der bilanz machen dürfen, dann gibt es auch Länder die Schulden außerhalb der Haushalte haben oder ?

Alle Kommentare lesen

Blogs

Best of Börsen-Bibliothek in einem Buch
Best of Börsen-Bibliothek in einem Buch

Liebe Leserinnen und liebe Leser, liebe Anlegerinnen und liebe Anleger, ab sofort können Sie das Beste aus Hankes...