Investitionen häufig unwirtschaftlich: Politik treibt Hausbesitzer in Energiesparwahn

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Investitionen häufig unwirtschaftlich: Politik treibt Hausbesitzer in Energiesparwahn

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Energetisch sanieren kostet viel Geld. Nur über die Energieersparnis rechnen sich Maßnahmen häufig nicht.

von Andreas Toller

Die Energiewende im Eigenheim ist oft unwirtschaftlich. Das Mammutprojekt braucht bessere Planung und Förderung. Hauseigentümer sollten sich Ansprüche auf Schadenersatz offenhalten.

Die Meldung kam unmittelbar vor dem Energiegipfel und ging zwischen Energiewende-Gezänk der Politiker und Zypern-Krise ziemlich unter: Die staatliche Förderbank KfW hat in einer Pressemitteilung zu den volkswirtschaftlichen Konsequenzen der Energiewende eingeräumt, dass sich aus heutiger Sicht die Investitionen in energieeffizientes Bauen und Sanieren „nicht allein aus den eingesparten Energiekosten refinanzieren lassen“. Anders gesagt: Energetische Sanierung amortisiert sich nicht durch die Energieersparnis, der Hausbesitzer zahlt also drauf. Das ist ein Ergebnis einer umfangreichen Studie der Prognos AG im Auftrag der KfW Bankengruppe, die die energetische Gebäudesanierung jährlich mit 1,8 Milliarden Euro fördert.

Der Fokus der Studie lag auf den volkswirtschaftlichen Effekten, die Investitionen zur Erhöhung der Energieeffizienz in Wohngebäuden auslösen – also die Wirkung auf Wachstum, Beschäftigung und öffentliche Haushalte. Dazu konstruierte Prognos verschiedene Szenarien, die unterstellen, dass die energiepolitischen Ziele der Bundesregierung bis 2050 erreicht werden. Volkswirtschaftlich zieht die KfW ein positives Fazit für die Energiewende: Pro Jahr könnten zwischen 200.000 und 300.000 Arbeitsplätze gesichert werden, die Investitionen trügen jährlich 0,4 Prozentpunkte zum Wirtschaftswachstum bei, und die Steuereinnahmen und Sozialversicherungsbeiträge lägen im Jahr 2050 um 25 Milliarden Euro über den Ausgaben für Fördermittel. „Große Investitionen in den Klimaschutz tragen maßgeblich zu Wachstum und Beschäftigung bei“, sagt Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe.

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Wärmedämmung Deutschland im Dämmwahn

Politik und Wirtschaft tun alles, damit die Deutschen mehr in die energetische Sanierung investieren. Aber beim Einsparpotenzial kalkulieren sie falsch. Warum Wärmedämmung häufig unwirtschaftlich ist.

Quelle: dpa

Aber was die Energiewende im Gebäudebestand für die Wirtschaft und öffentliche Haushalte bringt, bleibt sie dem Hauptfinanzier der Energiewende – also dem Verbraucher und Hauseigentümer – leider schuldig. Ein erschreckendes Ergebnis der Prognos-Studie: Notwendigen Investitionen von insgesamt 838 Milliarden Euro bis 2050 stehen eingesparte Energiekosten von 372 Milliarden Euro gegenüber. Nicht einmal die Hälfte der Kosten für energieeffizientes Bauen kommt über die Ersparnis wieder rein. Bauherren und Hausbesitzer, die für einen niedrigeren Energieverbrauch ihrer Gebäude viel Geld in die Hand nehmen, werden so erst recht zum Zahlmeister: Ihre Investitionen sind ökonomisch ein Verlustgeschäft. Eine ganze Industrie wird so vom Verbraucher subventioniert.

Die spannendsten KfW-Programme

  • KfW-Wohneigentumsprogramm (124)

    Gefördert werden der Kauf oder Bau einer Immobilie mit einem Darlehen in Höhe von maximal 50.000 Euro zu Zinssätzen ab 1,97 Prozent. Kreditnehmer können bis zu hundert Prozent der Gesamtkosten finanzieren, die Zinsbindung beträgt fünf oder zehn Jahre.

  • Energieeffizient Bauen (153)

    Die Förderbank honoriert den Bau oder Kauf eines Energieeffizienz- oder Passivhauses mit günstigen Krediten und Zuschüssen. Bauherren müssen allerdings bestimmte Vorgaben erfüllen. Für einen Effektivzins ab 1,41 Prozent können Kunden bis zu 50.000 Euro leihen. Außerdem lockt ein Tilgungszuschuss von bis zu 5.000 Euro. Das Programm lässt sich mit weiteren Fördermitteln kombinieren.

  • Energieeffizient Sanieren (152)

    Dieses Programm fördert Einzelmaßnahmen mit einem Darlehen in Höhe von maximal 50.000 Euro und einem Effektivzins ab einem Prozent. Geförderte werden Eigentümer, Käufer oder Mieter. Die KfW fördert energetische Sanierungen darunter unter anderem Wärmedämmung, Erneuerung von Fenstern und Türen oder eine neue Heizung. Kreditnehmer müssen einen Energieberater hinzuziehen. Das Programm lässt sich mit weiteren Fördermitteln kombinieren.

  • Energieeffizient Sanieren (151)

    Hier profitieren Käufer oder Besitzer eines KfW-Effizienzhauses oder denkmalgeschützter Häuser. Auch Mieter können zugreifen. Die KfW vergibt Kredite bis zu 75.000 Euro zu einem Effektivzins ab einem Prozent. Zusätzlich lockt ein Tilgungszuschuss in Höhe von maximal 12,5 Prozent der Kreditsumme. Der Zuschuss steigt mit dem erreichtem Energiesparlevel.

  • Altersgerecht umbauen (159)

    Dieses Programm gilt bei umbauten, die Barrieren aufheben oder die Wohnqualität für Senioren steigern. Das Darlehen zu einem Effektivzins in Höhe von einem Prozent gilt für alle förderfähigen Kosten bis zu einer Summe von 50.000 Euro. Die Zinsbindung gilt für fünf oder zehn Jahre, die Laufzeit beträgt bis zu 30 Jahre. Es besteht außerdem die Möglichkeit, ein endfälliges Darlehen mit einer Laufzeit von maximal acht Jahren abzuschließen. Das Programm können Eigentümer, Vermieter oder Mieter nutzen.

  • Erneuerbare Energien (274)

    Wer den Einbau einer Solaranlage oder Kraft-Wärme-Kopplung plant, sollte dieses Angebot nutzen. Regenerative Energien werden mit Darlehen in zu einem Effektivzinssatz ab einem Prozent gefördert. Interessant könnte für viele auch die Option von bis zu drei tilgungsfreien Jahren zu Beginn des Darlehens sein. Die Zinsbindung beträgt zehn Jahre, die maximale Laufzeit 20 Jahre. Der maximale Kreditbetrag liegt bei mehreren Millionen Euro.

Deutschland saniert seine Häuser und will dabei möglichst viel Energie sparen. Aber die Erkenntnis reift, dass die Investitionskosten in keinem Verhältnis zu den erzielbaren Energieeinsparungen stehen. Dabei gibt es nun erstmals Belege der Deutschen Energie-Agentur (dena) darüber, wie hoch die tatsächlich realisierte Energieeinsparung bei energetisch sanierten Gebäuden ausfällt und ob sich die ehrgeizigen Prognosen aus der Planungsphase erfüllen. Die Studie, die die dena am 26. März veröffentlicht hat, kommt mit kleinen Einschränkungen zu einem positiven Ergebnis. Bei den 63 untersuchten, hocheffizient sanierten Gebäuden war im Durchschnitt einen Energieersparnis von 80 Prozent angestrebt worden. Erreicht wurde in einer mehrjährigen Auswertung im Schnitt eine Senkung des Endenergieverbrauchs von 76 Prozent. Der Energieverbrauch pro Quadratmeter und Jahr sank so von 223 Kilowattstunden (kWh) auf 54 kWh. Das ist zwar weniger als die geplanten 45 kWh, aber immer noch ein gutes Ergebnis.

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10 Kommentare zu Investitionen häufig unwirtschaftlich: Politik treibt Hausbesitzer in Energiesparwahn

  • "„Die Aussagen sollten möglichst verbindlich sein, zum Beispiel, dass eine Fassadendämmung mit beispielsweise 30 cm Dämmstoff eine Energieersparnis von soundsoviel Prozent bringt. Auch für die Kosten sollte zumindest ein Zielkorridor festgehalten werden, der nicht verlassen werden darf. Genaue Planungsvorgaben gehören schon in den schriftlichen Auftrag“, rät Anwalt Haegele. Dann haftet zum Beispiel der Energieberater, wenn die geplante Energieersparnis nicht eintritt."

    Und wie soll das praktisch aussehen? Was, wenn der Energieberater einen Nachweis will, dass man sein Heizverhalten nach der Dämmung nicht geändert hat? Motto: Jetzt sind die Verluste praktisch gleich null, da kann ich ja das komplette Eigenheim auf 24° halten? Und vor der Dämmung habe ich, um die Heizkosten nicht ausufern zu lassen, mit 18° in einem Teil der Zimmer geheizt und den Rest ungeheizt gelassen?

    Da werden sich die Anwälte (z.B. Herr Anwalt Haegele) wieder freuen, das spült Mandanten in die Kanzlei.

    Der Hauseigentümer wird außer Ärger nicht viel davon haben.

  • Da machen wir Hausbesitzer mit, damit wir von den Handwerksbetrieben richtig abgezockt werden u. nachher ein feuchtes Haus haben, das mit noch höherem finanziellen Aufwand saniert werden muß. wir sind ja lauter Deppen u. zahlen für die Vernichtung unserer Gebäude, das hat sich unser Staat(4 etablierten Parteien) u. die Handwerksbetriebe schön ausgedacht.

  • Nur mal so für die Ökosozialisten und Klimaretter:

    Zitat:
    Umweltbundesamt (Pressestelle): „Wärmedämmstoffe auf der Grundlage von Styropor (expandiertes Polystyrol, EPS-Dämmstoff) enthalten das Flammschutzmittel Hexabromcyclododecan (HBCD). Da HBCD umwelttoxisch, persistent und hochgradig bioakkumulativ ist, ist der Stoff unter der europäischen Chemikalien-Verordnung (REACH) als ‚besonders besorgniserregender Stoff‘ eingestuft und kann ab 2015 nur noch mit einer speziellen Zulassung verwendet werden."

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