_

G8-Gipfel: Warum eine neue Weltordnung nötig ist

von Dieter Schnaas (Berlin) und Stefanie Augter (Berlin)

Der G8-Gipfel hat sich überlebt, die Tage des politischen Rotary-Clubs sind gezählt. Warum jetzt eine neue Architektur der Weltwirtschaft nötig ist – und wie diese aussehen müsste.

Dean Barrow, Premier des Quelle: dpa
Dean Barrow, Premier des zentralamerikanischen Zwergstaates Belize auf der Konferenz der Vereinten Nationen: Gehör verschaffen Quelle: dpa

Dean Barrow ist gewiss niemand, zu dem US-Präsident Barack Obama oder Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einen möglichst kurzen Draht unterhalten, um sich in Sachen Finanz- und Wirtschaftspolitik auf den letzten Stand der Dinge zu bringen. Kürzlich aber konnte sich der Premier des zentralamerikanischen Zwergstaates Belize endlich mal Gehör verschaffen. Als Vertreter der Karibischen Gemeinschaft sprach Barrow auf einer Konferenz der Vereinten Nationen (UN) in New York zu den globalen Folgen der Finanzkrise. Barrow teilte mit, dass die wirtschaftlichen Bedingungen der karibischen Staaten seit ihrer Unabhängigkeit noch nie so schlecht gewesen seien wie jetzt. Die Rohstoffpreise befänden sich im Keller, die Exporteinnahmen im Sinkflug, die Auslandsinvestitionen auf Talfahrt.

Anzeige

Entwicklungsländer fordern mehr Mitsprache

Um eine Zuspitzung der Lage zu verhindern, so Barrow, müsse Geld überwiesen werden, am besten sofort und in Form von Vorzugskrediten – die 1,1 Billionen Dollar, die die G20 den Entwicklungsländern im April zugesagt hatten, reichten bei Weitem nicht aus. Vor allem machte Barrow klar, dass es ihm und Belize und allen anderen Entwicklungsländern nicht nur um Geld geht, sondern auch um Mitsprache. Der UN mit ihren 192 Mitgliedstaaten, hieß es unisono, gebühre die führende Rolle im Kampf gegen die Folgen der Finanzkrise – und nicht einem exklusiven Club von Industrienationen, die den Ausbruch der Krise nicht verhindert hätten und die sich nun herabließen, gnädig ein paar Milliarden unter die Leute zu bringen. Für Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz, der die Konferenz mit ökonomischer Expertise versorgte, ist die Sache klar: „Was wir brauchen, ist nicht die G8, nicht die G20, sondern die G192.“

Die Begeisterung der Industrienationen hält sich in Grenzen. Die USA spielten die Bedeutung der „Weltkonferenz“ bereits im Vorfeld herunter, die EU nahm in Person der tschechischen Außenministerin Helena Bambasova nur physisch teil; ein Entsandter der Briten gab kühl zu Protokoll, dass mit Hilfe für die Entwicklungsländer auf dem G8-Gipfel in dieser Woche im italienischen L’Aquila zu rechnen sei. In der Sprache der Diplomatie sind das Ohrfeigen, die sich Miguel d’Escoto Brockmann, der nicaraguanische Präsident der UN-Vollversammlung, für die umstürzlerische Rhetorik einhandelte, mit der er zur „Abschaffung des US-Dollar als globaler Leitwährung“ aufrief, das Ende der „Diktatur“ des Internationalen Währungsfonds (IWF) forderte und glühend verkündete, der „Herrschaft einiger weniger über die Gemeinschaft“ sei endlich ein Ende zu setzen.

Tage des politischen Rotary Clubs sind gezählt

Beim G8-Gipfel in L’Aquila, dem ersten unter Teilnahme des immer noch neuen US-Präsidenten Barack Obama, wird man über solche Forderungen schmunzeln – und dann nicht zur Tagesordnung übergehen. Es ist wohl das letzte Mal, dass man sich in diesem elitären Kreis in alter Form begegnen wird. Die Tage des politischen Rotary Clubs sind gezählt, irgendetwas ist passiert und ins Rollen gekommen, man weiß es, man spürt es. Und man kommt sich selbst auch schon ein wenig antiquiert vor – wie ein Veteranenzirkel von Staatschefs der ehemals führenden Industrienationen oder wie die Teilnehmer an einer königlichen Tafelrunde, die sich aus lauter Nostalgie noch einmal zuprosten, obwohl die Revolution längst begonnen hat: vor rund sieben Monaten, am 15. November 2008, mit dem Weltfinanzgipfel in Washington, dem ersten Treffen der Regierungschefs auf der Ebene der G20.

9 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 10.12.2009, 00:36 UhrAnonymer Benutzer: Dr. Helmut Goetting

    Die klammheimliche Machtergreifung durch die amerikanische CiA Spionagemafia an Universitäten und an ihren hilflosen Opfern, den Studenten und Wissenschaftlern, hat sich schon längst vollzogen. in einer auf interviews und erzählenden Elementen bestehenden Spionage- und Verschwörungsdokumentation über ein kriminelles CiA-Verlagshaus wird Zeitgeschichte lebendig. Das CiA Unternehmen bettelt nicht um Hilfe bei der amerikanischen Regierung - es ist Teil der amerikanischen Schattenregierung und unterwandert Universitäten weltweit. Für das CiA Verlagshaus besitzt die akademische Freiheit keinen Wert.

    ich habe Licht in eine dunkle Räuberhöhle gebracht. Jetzt liegt es beim Leser, das Labyrinth zu erkunden und weitere Ermittlungen an die Öffentlichkeit zu bringen. ich selbst hege an den kriminellen Auswüchsen des amerikanischen Systems keinen Zweifel mehr. ich habe nach hunderten von Gesprächen mit dem Chef eines CiA Subunternehmers und jahrelangen Recherchen zu dem buchprojekt aufgezeigt, was in Wirklichkeit passiert. ich war der Angestellte und homosexuelle Vertraute des CiA bosses in Amerika. Das wissenschaftliche Verlagshaus ist ein mächtiger Spieler in der internationalen Spionage des CiA.

    "University Spy - A True Story"

    http://www.amazon.de/University-Spy-Helmut-Richard-Goetting/dp/3000295607/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1258101736&sr=1-1

  • 11.07.2009, 09:24 UhrAnonymer Benutzer: zockerfein

    Der Einschätzung des Autors kann man folgen.

    Es wird eine Verschiebung der Koordinaten geben, der Westen wird seine Dominanz verlieren.
    Unser Sozialstaat in der bRD wird drastisch zurückgefahren werden, die politischen Verhältnisse werden sich in zwanzig Jahren total anders gestalten.
    Die Migration allein in der bRD, zusammen mit der demographischen Entwicklung, wird in absehbarer Zeit eine völlig andere politische Konstellation hervorbringen.

    in den USA heute ein schwarzer Präsident, in der bRD in dreißig Jahren ein türksichstämmiger?

  • 10.07.2009, 08:45 UhrAnonymer Benutzer: Tralala

    Ach haben wir das noch nicht eine andere Weltordnung (zumindest anders als es in unserer Verfassung steht?):
    Geld-Aristokratie und rechtlose Plebejer?

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Alternativen gesucht
Alternativen gesucht

Der Euro wird mit jedem Tag mehr zum Verhängnis für Europa, wirtschaftlich wie politisch. Wann endlich werden...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.