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Europäische Zentralbank: Gemeinsamkeiten und Gegensätze

Europäische Zentralbank: Kann Weidmann EZB-Chef Draghi noch stoppen?

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Gemeinsamkeiten und Gegensätze

„Die Rettungsschirme laufen aus. Das haben wir klar vereinbart“

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble versicherte in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im Juli 2010, dass die Rettungsschirme nicht von Dauer sein werden. Inzwischen ist klar: Der Euro-Rettungsschirm EFSF wird zwar abgelöst, aber ersetzt durch den permanenten Rettungsschirm ESM.

Bild: dpa

Auf der einen Seite: Jens Weidmann, der langjährige Wirtschaftsberater der Kanzlerin. Seit einem guten Jahr ist er Präsident der Bundesbank, jener Währungsbehörde, die wie vielleicht keine andere öffentliche Einrichtung in Deutschland für Stabilität und Solidität steht.

Wenn Weidmann in München, Düsseldorf oder Berlin unterwegs ist, dann fragen die Menschen, wann denn endlich Schluss sei mit dem ewigen Retten.

Wenn der Euro scheitern und die D-Mark wieder eingeführt werden sollte, dann wäre Weidmann noch einflussreicher als jetzt, und die Bundesbank hätte ihre alte Machtfülle zurück.

Auf der anderen Seite: Mario Draghi, ehemaliger Generaldirektor im italienischen Finanzministerium und Vizepräsident der Investmentbank Goldman Sachs, ausgebildet an amerikanischen Eliteuniversitäten, wo traditionell ein recht lockerer Umgang mit dem Geld der Zentralbanken gelehrt wird.

Wenn Mario Draghi in New York, London oder Tokio unterwegs ist, dann fragen ihn die Investoren, wann Europa endlich Ernst mache mit dem Retten.

Wenn der Euro scheitern sollte, dann wäre Draghi seinen Job los, und die Europäische Zentralbank würde abgewickelt.

Bundesbank in alter Herrlichkeit

Die Geschichte von dem sturen Deutschen und dem biegsamen Italiener ist einfach zu gut, als dass sie nicht erzählt würde. Es sei doch auffällig, dass Draghi immer dann aktiv werde, "wenn es in Italien mal wieder eng wird", sagte CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt am vergangenen Freitag. Und hat der Italiener nicht auf eine Abstimmung mit Jens Weidmann verzichtet, als er seine Rettungsabsichten vorvergangene Woche auf einer Investorenkonferenz in - ausgerechnet - London erstmals öffentlich machte?

Euro-Krise Finnland zeigt's den Deutschen

Die Wirtschaft ist robust, der Staat gering verschuldet und die Bürger sind glücklich: Finnland ist eine Stütze des Euro. Doch Helsinki weigert sich, den Süden weiter zu alimentieren. Taugt das Land als Vorbild?

Euro-Krise: Finnland zeigt's den Deutschen

Es sei doch klar, dass Weidmann der Bundesbank wieder zur "alten Herrlichkeit" verhelfen wolle, sagte dieser Tage ein europäischer Notenbanker. Hat sie nicht zwei Tage vor der Sitzung des Zentralbankrats ein Gespräch mit Helmut Schlesinger über die Rolle der Notenbanken auf ihre Website gestellt? Ausgerechnet Schlesinger, der wie kein Zweiter für monetäre Arroganz der Deutschen steht, weil er als Bundesbankchef in den neunziger Jahren ohne Rücksicht auf die wirtschaftliche Lage im Rest Europas die Zinsen in Deutschland erhöhte. In der Folge floss Kapital aus Italien und Frankreich ab, und die dortigen Währungen kamen ins Trudeln.

Aber stimmt die Geschichte von den beiden gegensätzlichen Bankern auch?

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Köln, im September 2011. Jens Weidmann steht auf einer kleinen Bühne im Barcelo-Hotel, vor sich ein 23-seitiges Redemanuskript. Der Verband der Familienunternehmer hat ihn eingeladen. Die Familienunternehmer sind die freien Radikalen der deutschen Wirtschaft. Sie haben eine Allianz gegen den Rettungsschirm ESM ins Leben gerufen und fordern eine "ordnungspolitische Weichenstellung" auf dem Kontinent. Es ist nicht der Ort, um mit Europa zu punkten. Aber genau das versucht Weidmann. Er macht sich für die "Übertragung von finanzpolitischen Kompetenzen auf die europäische Ebene" stark - und schließt in einem zweiten Schritt die "Vergemeinschaftung bestehender Schulden" nicht aus.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 19.08.2012, 11:38 UhrSiggi40

    Wie sieht ein Kompromiss aus, wenn beide Verhandlungspartner zu 100% Recht haben?
    Einfacher als man denkt!
    Weidmann: Mit sofortiger Wirkung führt Deutschland wieder die D-Mark ein.
    Draghi: Er hat jetzt freie Hand und muss nicht mehr auf die Nordstaaten Rücksicht nehmen, vor allem seitdem Finnland potwendend auch die Landeswährung eingeführt hat.

    Draghi ist der glücklichste Mensch der Welt. Vor lauter Freude werden in den PIIG(F)S an jeden Bürger unlimitierte Kreditkarten ausgegeben, damit der Aufschwung in den PIIG(F)S nicht länger von den Realisten im Norden ausgebremst wird.

    Alles paletti – alle sind zufrieden. Ich verstehe nur nicht, weshalb diese Lösung noch nicht praktiziert wurde. Nur noch glückliche Menschen, alle PIIG(F)S Bürger verfügen über eine unlimitierte Kreditkarte, für die die EZB-Süd bürgt, die problemlos in einer Nacht- und Nebelaktion erschaffen wird, weil man sich an keinerlei Gesetze halten muss.
    Europas Probleme sind gelöst. Und unser Export steht wieder auf gesunden Beinen, weil wir ihn nicht mehr selbst mit Krediten finanzieren müssen, die wir auch noch selbst zurückzahlen, mit 7,2 Mio. Bürgern, die auf staatliche Leistungen angewiesen sind und unseren Rentnern, die doch so gerne bis 70 arbeiten, um dann noch ihre Rente mit Sozialhilfe aufstocken zu müssen.

  • 19.08.2012, 10:30 UhrBlickensdoerfer

    "Draghi glaubt, dass sich politische Prozesse kontrollieren lassen. Wenn die Regierungen nicht mehr können, springt die Notenbank ein, auch wenn das eigentlich so nicht vorgesehen war. Ist das Problem gelöst, zieht sie sich wieder zurück."
    Doch mit "Glaube" ist keine "Geldpolitik" zu machen. Ebenso wenig durch "demokratische Abstimmung".
    Mit dem Verständnis, es müsse eine Kompromisslinie zwischen dem von "Geldpolitik", wie sie scheinbar einerseits Draghi und andererseits Weidmann vertreten, gefunden werden, verschleiert, dass die Geldmenge bedingt ist durch die so genannte Realwirtschaft (und nicht durch die so genannte Finanzwirtschaft) und dass dieser ökonomische Zusammenhang durch "Geldpolitik" zu wahren ist. Das erfolgt weder in den einzelnen Euro-Ländern noch für die Euro-Zone insgesamt. "Geldpolitik" muss also von "Kopf" der "Staaten" verschuldenden Finanzwirtschaft auf die "Füße" der Realwirtschaft gestellt werden. Dafür gibt es keine Kompromisslinie.

  • 19.08.2012, 00:38 UhrEinBuerger

    Warum wundert sich hier noch jemand?

    Die ganze Weltgeschichte wurde bestimmt von größenwahnsinnigen Expansionisten, denen das Wohl der kleinen Bürger völlig egal war, was zählte war "Selbstverwirklichung" und Macht.

    Und unsere "Demokratie"? Lächerlich. Echtes Mitbestimmen der Bürger in Volksabstimmungen ist Tabu, und die deutschen Parlamentarier und EU-Häuptlinge entsprechen lediglich den Provinzfürsten der Vergangenheit, die nur ihr eigenes "Machtsüppchen" kochen.

    Wobei übrigens die Landesfürsten außerhalb Deutschlands keinesfalls daran denken ihre Autonomie beschneiden zu lassen – für sie bedeutet "Groß-Europa" lediglich "reich zu heiraten".

    Also: Alles wie gehabt, von Katastrophe zu Katastrophe, von Verrat zu Verrat. Immer wieder.

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