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Markus C. Kerber: Bundesbank war immer unpolitisch

Markus C. Kerber: "Die Bundesbank muss sich gegen die EZB wehren"

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Bundesbank war immer unpolitisch

„Die Rettungsschirme laufen aus. Das haben wir klar vereinbart“

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble versicherte in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im Juli 2010, dass die Rettungsschirme nicht von Dauer sein werden. Inzwischen ist klar: Der Euro-Rettungsschirm EFSF wird zwar abgelöst, aber ersetzt durch den permanenten Rettungsschirm ESM.

Bild: dpa

Der konkreten institutionellen Unabhängigkeit liegt das von dem Staatsrechtler Carl Schmitt geprägte kontroverse Konzept der politischen Neutralität zugrunde. Die Bundesbank ist entpolitisiert, weil die Konsequenz von Geld- und Währungspolitik nur unabhängig von demokratischen Zyklen rational wahrgenommen werden kann. Praktisch folgen hieraus die Weisungsfreiheit der Währungshüter von der Bundesregierung und die Freiheit von jeglicher Rechenschaftspflicht gegenüber dem Bundestag. Indessen ging die nationale Machtstellung der Bundesbank über diese Weisungsfreiheit hinaus. Denn die Bundesbank hatte gegenüber dem Bundesfinanzminister stets eine adäquate Sanktion, auf extravagante Ausgabenpolitik zu reagieren. Sie konnte mit der Verteuerung der Fremdmittelbeschaffung durch Erhöhung des Leitzinses stets wirkungsvoll reagieren.

Nur Draghi entscheidet über Leitzinsänderungen

Mit der Reduzierung der Bundesbank auf den Status eines 27-Prozent-Gesellschafters der EZB, die dem Gouverneur jeder anderen Zentralbank genauso viele Stimmrechte gibt wie dem Präsidenten der bedeutendsten Notenbank Europas, sieht sich das Konzept der politischen Neutralität einer Bewährungsprobe ausgesetzt: EZB-Präsident Mario Draghi interpretiert noch autokratischer als sein Vorgänger das ihm anvertraute Mandat. Nur er weiß und nur er bestimmt, wann die Staatsschuldenmärkte so gestört sind, dass die Wirksamkeit der Geldpolitik gefährdet ist und ausschließlich Anleihekäufe Linderung bringen. Recht und Regeln setzen dabei keine Grenzen.

Die EZB macht – auch fiskalisch –, was sie will beziehungsweise was ihr Präsident, legitimiert durch einen entsprechenden Beschluss des Rates unter dem Druck der notleidenden Mittelmeerländer, vorhat. Sie nutzt ihre Weisungsfreiheit, um ihr Mandat eigenmächtig zu erweitern und die nationalen Zentralbanken – vor allem die Bundesbank – zu Erfüllungsgehilfen zu degradieren.

Die Bundesbank hat nicht aufgepasst

Wer hätte gedacht, dass die Bundesbank zum Opfer ihres eigenen Konzeptes werden würde. Sie war es, die im Vorfeld zum Beschluss über die Währungsunion einerseits meinte, verpflichtet zu sein, so viele Strukturelemente wie möglich aus der Bundesbank-Konstruktion auf die EZB zu übertragen, andererseits – gepackt von politischer Blindheit – nicht erkannte, wie sich diese Strukturelemente, also besonders die Stimmenparität, die Weisungsfreiheit der EZB gegenüber den EWU-Mitgliedsländern und vor allem die Weisungsgebundenheit der nationalen Zentralbanken gegenüber der EZB, in der Krise auswirken würden.

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Die Gebaren der EZB führten zum Rücktritt der immerhin demokratisch gewählten Regierung Silvio Berlusconis durch fiskalischen Druck des damaligen EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet und Mario Draghi. So unwürdig eine Figur wie Berlusconi auch gewesen sein mag, so wenig legitim waren die Umstände seiner Abberufung durch zwei Herren, die nie demokratisch in ein Amt gewählt worden waren. Demgegenüber lässt sich durch keine Macht der Welt der französische Staatspräsident daran hindern, mit Benoît Cœuré, dem französischen Mitglied im EZB-Direktorium, zu telefonieren und über die üblichen Kanäle der Pariser Diplomatie jenen Einfluss zu nehmen, den er im nationalen Interesse für geboten hält.

10 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 23.10.2012, 14:12 UhrKlarsicht

    Ja.. Das Bankensystem: Ein Schlange mit mehreren Köpfen. Es sind immer noch die gleichen, früher wie heute.. so oft wurde gewarnt, aber nein, es ist ja alles nur eine bescheuerte Verschwörungstheorie.. blabla, öffentliche Ablenkungstaktik von der Wahrheit - doch wer sich wirklich mit der Geschichte auskennt, der kennt den originären Menschenfeind.. das internat. Finanzjdtm.

  • 04.10.2012, 20:35 UhrJuergen_Gerdes

    Der verzweifelte Appell von Prof. Kerber, wohl wissend, dass er ungehört bleibt. Die Vertreter Deutschlands in der EZB sind für ihren Zweck mit Bedacht ausgewählt. Assmusen und Weidmann als Duo Infernale. Weidmann gibt den „Good Cop“, lässt auf seine Sonntagsreden jedoch keine Taten folgen, während der zweite Mann Deutschlands im EZB Direktorium alles durchwinkt.
    Politik a la Merkel – Muttis Buben, es war und ist nichts anderes zu erwarten, Prof. Kerber wird es wissen.

  • 01.10.2012, 18:31 UhrNovaris

    @berkmann, politische Alternativen, die all dem ein Ende machen ?
    Sehr unwahrscheinlich. Lt.Umfrage ist Herr Steinbrück etwas weniger beliebt in der Bevölkerung wie Frau Merkel !! die beide Deutschland zu gigantischen Garantien ohne Gegenleistungen verpflichteten.
    Das große Erwachen wird kommen, wenn wegen der hohen Verschuldung Deutschlands die Rating-Abstufung kommt und hohe Zinsen bezahlt werden müssen, die wiederum Sparprogramme mit schmerzhaften Einschnitten bei den Renten, den Sozialausgaben und Steuererhöhungen
    bringen.
    Das Ziel der Hochfinanz ist und war immer, einen großen Teil der Wirtschaftsleistung Deutschlands über hohe Zinsen abzukassieren. Dieses Ziel rückt täglich näher.

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