Schuldenkrise: Irland setzt auf seine Bauern

Schuldenkrise: Irland setzt auf seine Bauern

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Landwirt Kevin Kiersey ist Vorsitzender des Milchausschusses im irischen Bauernverband. Auf Bauern wie ihn setzt die irische Regierung, um das Land wieder nach oben zu bringen

von Yvonne Esterházy

Der Inselstaat entscheidet heute per Referendum über den Fiskalpakt. Für die Zukunft setzen die Iren auf eine traditionelle Stärke: die Landwirtschaft. Können ausgerechnet die Bauern das Land wieder nach oben bringen?

Richard Dollard errötet vor Stolz. Der 24-Jährige ist soeben zum besten Agrarwissenschafts-Studenten Irlands gekürt worden. „Ich sehe eine künftige Führungskraft“, sagt Landwirtschaftsminister Simon Coveney und überreicht dem jungen Mann schwungvoll eine Urkunde. Auch die anderen Jungbauern, die zur Preisverleihung nach Dublin gekommen sind, lobt der Minister: „Ihr werdet ein Motor für das künftige Wachstum unseres Landes sein!“ Coveneys Zukunftsvision: ein Agrarsektor mit High-Tech-Farmen und gut ausgebildeten Landwirten, die Produkte an eine moderne Nahrungsmittelindustrie liefern.

Attraktives Bauernleben

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Tatsächlich gehören Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie, die während der stürmischen Wachstumsjahre des keltischen Tigers ins Abseits gerieten, plötzlich zu den Wirtschaftssektoren, die Irland aus der Krise führen sollen. Die Regierung glaubt, sich beim Aufbau eines nachhaltigen Wirtschaftsmodells nicht allein auf ausländische Pharma-, Technologie- und Internet-Konzerne stützen zu können, die das kleine Land an der Peripherie Europas mit seiner nur 12,5-prozentigen Körperschaftsteuer gerne als Brückenkopf in die EU nutzen. Auf die Finanzwirtschaft mag in Irland erst recht keiner mehr bauen.

In den vergangenen Jahren trug die Landwirtschaft gerade mal ein Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei, lediglich 4,4 Prozent der Erwerbstätigen waren dort beschäftigt. Die Durchschnittsgröße der landwirtschaftlichen Betriebe liegt aktuell nur bei 32,7 Hektar, die meisten sind Familienunternehmen. Die Zahl der Höfe hat sich seit 1990 nahezu halbiert – auf rund 128.000.

Doch seitdem sich Irland nach dem Platzen der Immobilienblase und einem Bankencrash als erstes Land unter den EU-Rettungsschirm flüchten musste und die Arbeitslosenquote auf rund 14 Prozent hochschoss, ist es wieder attraktiv, Bauer zu werden. Die Ausbildungskurse für angehende Landwirte sind überlaufen, junge Leute, die früher in gut bezahlte Jobs in der Bauwirtschaft drängten, satteln um. „Die Zahl unser Studenten ist um 100 Prozent gestiegen, wir haben keine Kapazitäten mehr“, sagt Paddy Brown, der bei Teagasc, einem Beratungs- und Ausbildungsdienstleister für Landwirtschaft und Nahrungsmittelindustrie, den Bildungsbereich leitet.

Rekordwert bei Agrarexporten

Schon jetzt gehen 85 Prozent aller irischen Agrarprodukte ins Ausland. 2011 stiegen die Agrarexporte auf einen Rekordwert von 8,5 Milliarden Euro, rund 60 Prozent davon entfallen auf Rindfleisch und Milchprodukte. Irland ist der größte Rindfleischexporteur Europas und der viertgrößte weltweit.

Jeder fünfte Hamburger bei McDonald’s in Europa wird aus irischem Rindfleisch hergestellt. „Lange Jahre lang galt Irland als billiger Zulieferer für die Supermärkte Europas“, sagt Teagasc-Experte Tom Kelly. Nun will sich die Grüne Insel stärker als bisher als Lieferant qualitativ hochwertiger und damit teurer Lebensmittel etablieren. Ziel ist der vermehrter Export verarbeiteter Nahrungsgüter.

Unter dem Titel „Harvest 2020“ (Ernte 2020) hat die Regierung nun eine Wachstumsoffensive für die Landwirtschaft gestartet. Ziel ist es, die Agrarexporte in den nächsten acht Jahren von heute rund 8,5 Milliarden auf 12,0 Milliarden Euro zu steigern. Dafür müsste allein die irische Milchproduktion im Vergleich zu 2009 um 50 Prozent steigen – von 5,0 Milliarden auf 7,5 Milliarden Liter pro Jahr. Da kommt es den Iren mehr als gelegen, dass die EU-Milchquote, die den Landwirten Produktionsbeschränkungen auferlegt, 2015 fallen soll.

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