Depressionen: Stress am Arbeitsplatz steht ganz vorne

Depressionen: Wenn die Gedanken im Kopf unaufhörlich kreisen

Stress am Arbeitsplatz steht ganz vorne

„Mein Mann unterstützt mich ganz doll. Doch so richtig zu verstehen, ist das ja nicht“, berichtet Petra weiter. Und dann wird deutlich, dass ihre Schuldgefühle auch noch von Zukunftsängsten überlagert werden: „Das Schlimmste, was mir passieren könnte. Wenn das Umfeld zusammenbricht. Das wäre eine Katastrophe - und ich alleine dastehe.“ Das alles dauere zu lang. Seit Februar sei sie krankgeschrieben. „Man verzweifelt mit und an sich, weil man nicht rauskommt, und weil es das Umfeld belastet.“

Die Zahl der Diagnose Depression steigt seit Jahren. Von 2000 bis 2013 nahmen nach einer früheren Studie der Techniker Krankenkasse die Fehlzeiten am Arbeitsplatz deswegen um fast 70 Prozent zu. Es würden zwar wesentlich weniger Menschen wegen einer Depression krankgeschrieben als aufgrund von Erkältungen oder Rückenbeschwerden. Die es trifft, fallen aber in der Regel sehr lange aus - im Durchschnitt etwa drei Monate. Hier sei erhöhte Aufmerksamkeit von Betriebsärzten gefragt, sagt Hauth. Das mag für große Unternehmen richtig sein, für kleine und mittelständische stellt sich das Problem anders dar.

Für Iris (46) fing der Stress wieder an, als sich in ihrem kleinen Büro die beiden Chefs zerstritten und sich schließlich geschäftlich trennten. Eine Mitarbeiterin kündigte, damit wurde die Arbeit noch mehr. Iris bekam Atemprobleme. Sie lag nachts oft wach. Wenn sie den Chef sah, bekam sie schon mal „Magenprobleme“. „Da bin ich noch nicht drauf gekommen, dass es psychisch ist“, sagt sie. „Doch dann merkte ich, dass ich zu nichts mehr Lust habe. Ich konnte nicht mehr lachen, habe keine Blumen gegossen, nichts mehr sauber gemacht.“ Als sie ins Krankenhaus eingewiesen wurde, habe sie nur noch geheult. „Ich war so fertig.“ Sieben Wochen sei sie jetzt hier, über Weihnachten geht sie nach Hause. Ihr Mann stehe hinter ihr „und auch von den Freunden sagt keiner: Ach, die ist jetzt in der Klapse.“ Und nach Weihnachten? Sie weiß es noch nicht. Sie will im Januar eigentlich wieder arbeiten, aber es zeichnen sich jetzt schon wieder Probleme mit dem Chef ab.

Fünf Wege aus der Depression

  • 1. Den Sinn der Depression erkennen

    Die Therapeutin und Autorin Ursula Nuber zeigt in ihrem Buch "Wer bin ich ohne dich?" fünf Wege aus der Depression. Die 1. Strategie lautet: Den Sinn der Depression erkennen. Dabei ist es für betroffene Frauen wichtig herauszubekommen, welcher Sinn, welche Botschaft für sie in der Krankheit enthalten ist. Dazu gehört auch, dass sie nicht ausschließlich auf hormonelle Veränderungen, biochemische Ungleichgewichte im Gehirn oder Erbfaktoren zurückgeführt und damit zu einem rein medizinischen Problem reduziert werden sollte. Wenn es gelingt, die Botschaft zu entschlüsseln, kann sich die Depression als grundlegende Veränderung zum Positiven nutzen lassen.

    So wie Angst ein Signal für Gefahr ist, so ist die Depression häufig ein Signal, dass eine Frau sich vor vergeblichen Anstrengungen schützen sollte.

  • 2. Selbst aktiv werden

    In dieser Phase können Frauen viel Neues über sich lernen. Sie bekommen eine Ahnung, was genau ihnen nicht gut tut, wo sie die Weichen anders stellen müssen. Sie achten nicht nur darauf, wann sie sich besonders niedergeschlagen und ungeliebt fühlen, sie achten ebenso darauf, wer und was ihnen dabei hilft, damit die Depression weniger intensiv spürbar ist. Sie erkennen, dass sie kein passives Opfer der Krankheit sein müssen, sondern durchaus Einfluss auf sie nehmen können - zum Beispiel indem sie sich in Bewegung setzen.

  • 3. Hilfe annehmen

    Die Erfahrung, nicht auf sich allein gestellt zu sein, kann auf dem Weg aus der Depression so etwas wie ein Leitstern werden. Vor allem Freundinnen können hilfreich im Prozess der Selbstfindung sein. Es ist eine weibliche Anti-Stress-Strategie, sich in schwierigen Zeiten mit Geschlechtsgenossinnen zu verbünden und gemeinsam mit ihnen den Stürmen zu trotzen.

    Nachhaltig helfen kann auch eine rechtzeitige psychotherapeutische Behandlung, die das Risiko, an weiteren Depressionen zu erkranken, deutlich senkt. Der richtige Therapeut kann also ein äußerst wichtiger Begleiter bei der Depressionsarbeit sein. Ausschlaggebend für den Erfolg ist nicht in erster Linie die Methode, sondern die Beziehung, die zwischen dem Therapeuten und der Klientin entsteht.

  • 4. Wenn ich nicht für mich bin, wer ist es dann?

    Niemanden behandeln Frauen, ganz besonders depressive Frauen, so schlecht wie sich selbst. Depressionsgefährdete Frauen neigen dazu, mit sich selbst ungeduldig zu sein und sich selbst zu kritisieren, sie beschuldigen sich für ihr Versagen und werfen sich vor, anderen Menschen Probleme zu bereiten.

    Doch wichtig ist vor allem die Selbstfürsorge und das Mitgefühl für sich selbst. Kommt die Selbstfürsorge dauerhaft zu kurz, dann kann das auch zu einem Stressfaktor werden, der in die Depression führen kann. Frauen müssen erkennen, dass ihr Leben nicht dadurch lebenswert wird, indem sie möglichst viel für andere leisten, sondern dass es vielmehr darauf ankomme, dass sie sich möglichst viel ersparen.

  • 5. Nett war gestern

    Die reife Form der Aggressionsverarbeitung kann man nur dadurch erwerben, dass man Erfahrungen mit seiner Aggression macht. Wir alle haben das Recht auf alles, was wir fühlen. Das geringe Selbstwertgefühl Depressiver hat eine wichtige Wurzel in ihrer nicht gewagten, nicht gekonnten Aggressivität. Depressive Frauen müssen lernen, den Ton lauter zu stellen. Frauen, die ihre Depression überwinden wollen, müssen ihre Rolle als nettes Mädchen aufgeben. Denn Nettsein ist eine Einbahnstraße. Wer nett ist, ist beliebt, aber er wird ausgenutzt und bekommt nicht, was er sich wünscht, nämlich Anerkennung und eine Gegenleistung für das Nettsein.

    (Quelle: Ursula Nuber, "Wer bin ich ohne dich?", Campus-Verlag)

Stress am Arbeitsplatz steht bei den Risiken für Depressionen ganz vorne. In einem kleinen Büro kann man sich kaum aus dem Weg gehen. Den Arbeitgeber belastet ein langer Ausfall. Er wird in der Regel versuchen, den kranken Mitarbeiter los zu werden. Da das Arbeitsrecht dagegen steht, wird dies wohl auf anderem Wege laufen. Einer ist Mobben. Der Beginn eines Teufelskreises für Menschen mit Depressionen.

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Kerstin (27) erzählt, sie habe eine „endogene Depression“ - eine biologisch begründbare Schwermut. Das hänge mit Hormonen zusammen. „Vor einem Jahr ging es mir von einem Tag auf den anderen richtig, richtig schlecht, so dass ich sterben wollte.“ Sie sei im Elternhaus sehr behütet aufgewachsen. „Man denkt nicht, dass hinter einer nach außen perfekt scheinenden Familie solche Probleme stecken.“ Vor einigen Wochen sei sie auf Empfehlung des Psychiaters eingewiesen worden. Zu lange habe sie versucht, sich selbst zu therapieren. Sie habe viele Medikamente genommen, die sie dämpften.

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