Depressionen: "Man fühlt sich wie eine Untote"

Depressionen: Wenn die Gedanken im Kopf unaufhörlich kreisen

"Man fühlt sich wie eine Untote"

Ja, die „Geschlossene“ gibt es noch. Während die Gesellschaft heute offener mit psychischen Erkrankungen umgeht als noch vor 20, 30 Jahren, ist die „Geschlossene“ immer noch ein Tabu. Die Bilder von Zwangsjacke und Elektroschocks aus dem Film „Einer flog über's Kuckucksnest“ sind immer noch in den Köpfen - zu Unrecht. Manchmal muss der Patient vor sich selbst geschützt werden, manchmal müssen andere vor dem Patienten geschützt werden. Dazu sei in ganz seltenen Fällen eine „mechanische Beschränkung“ nötig. Das sei rechtlich streng geregelt. Stefan Rupprecht, Oberarzt am Alexianer St. Joseph-Krankenhaus sagt: „Die Krankheit Depression ist weitgehend akzeptiert. Wenn es weiter geht, wird es schwierig.“

Ein deutliches Zeichen dafür, dass psychische Krankheiten wie Depressionen in der Gesellschaft nicht mehr tabuisiert werden, sind Bekenntnisse von Promis wie dem Skispringer Sven Hannawald oder Fußball-Profi Sebastian Deisler und Schwergewichtsboxer Tyson Fury. Hervorzuheben ist auch die Robert-Enke-Stiftung, die dessen Frau nach der Selbsttötung des ehemaligen Profitorwarts ins Leben gerufen hat.

Man möchte fast sagen, die neue „Offenheit“ sieht man heutigen Stationen für Depressionen an. So die Schwerpunktstation Depression im Alexianer St. Joseph-Krankenhaus, die erst im November neu bezogen wurde: helle Flure, freundliche Zimmer, keine Gitter. 28 Patienten in 14 Ein- bis Dreitbett-Zimmern sind auf der Station. Ähnliches gilt für die Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik an den Ruppiner Kliniken in Neuruppin: offene freundliche, helle Häuser mit freundlichen Ein- oder Zweibettzimmern. Die Fenster haben auch hier keine Gitter, aber sind abschließbar.

Symptome einer Depression

  • Müdigkeit

    Deutliche Geschlechtsunterschiede finden sich bei der sogenannten unipolaren Depression, von der Frauen doppelt so häufig betroffen sind wie Männer. Diese Form ist gekennzeichnet durch Symptome wie verminderten Antrieb oder gesteigerte Müdigkeit, ...

  • Depressive Stimmung

    ... depressive Stimmung in einem ungewöhnlichen Ausmaß, die fast jeden Tag mindestens über zwei Wochen hinweg auftritt, ...

  • Keinerlei Freude

    ...Verlust an Interessen, keinerlei Freude mehr an Tätigkeiten, die einem früher mal Spaß und Befriedigung gebracht haben, ...

  • Selbstvertrauen

    ...Verlust des Selbstvertrauens und des Selbstwertgefühls sowie Selbstvorwürfe und Selbstzweifel,...

  • Konzentration

    ...Konzentrationsschwäche, Schlafstörungen, Appetitverlust oder gesteigerter Appetit.

    (Quelle: Ursula Nuber, "Wer bin ich ohne dich?", Campus-Verlag)

Nach der letzten manischen Phase kam bei Jasmin wieder eine Depression - bipolar nennt man diese Erkrankung, zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt, sagt der Volksmund. „Die depressiven Phasen sind die schlimmen, das sind die richtig schlimmen, die tun weh.“ Jasmin weint ein bisschen. „Man fühlt sich wie eine Untote. Ich will tot sein, aber man lässt mich nicht. Aber ich hab' ja auch ein Kind und einen Mann.“ Man verkrampft, man zittert oft vor Angst.

Jährlich versuchen schätzungsweise 100 000 Menschen in Deutschland, sich das Leben zu nehmen, 10 000 töten sich selbst. Die Suizidzahlen insgesamt sind rückläufig, doch bei über 60-Jährigen steigen sie, sagt die Deutsche Stiftung Patientenschutz. Für deren Vorstand Eugen Brysch ein deutliches Zeichen, dass Depressionen - die Hauptursache für Suizide - im Alter nicht ausreichend behandelt werden.

Auf die Frage am Ende der Visite wie es ihr gehe, sagt Urda Barowski, Oberärztin in den Ruppiner Kliniken in Neuruppin (Brandenburg): „Es geht mir gut. Das ist meine Arbeit.“ Man müsse immer schauen, welches der richtige Weg ist. Das müsse dann regelmäßig auch mit den Angehörigen besprochen werden.

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Um eine professionelle Distanz zu den „Fällen“ halten zu können, helfen regelmäßige Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen und auch der Austausch mit den Vorgesetzten. Aber, sagt Barowski: „Ohne Vertrauen geht es nicht. Psychiatrie heißt sich einbringen, auch als Arzt. Viel Kontakt, viel Zeit, viel Geduld, viel Engagement.“ Sprechende Medizin eben.

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