Medizin : Die spannendsten deutschen Biotech-Start-ups

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Medizin : Die spannendsten deutschen Biotech-Start-ups

von Susanne Kutter

Jahrelang hatten es Biotech-Start-ups in Deutschland schwer. Doch die akute Ideenlosigkeit der Pharmaindustrie macht sie nun für große Konzerne interessant. Von welchen 15 Unternehmen wir noch hören werden – und wie sie Krebs, Depressionen und Superkeime bekämpfen.

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Nur der Labordienstleister Qiagen konnte sich an die Weltspitze der Biotechnikunternehmen kämpfen geschafft. Für andere deutsche Biotech-Startups war der Weg zum marktreifen Produkt bisher zu teuer

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Es ist ein Trauerspiel: In knapp drei Jahrzehnten hat es – abgesehen vom Labordienstleister Qiagen aus Hilden bei Düsseldorf – kein einziges deutsches Biotechnikunternehmen an die Weltspitze geschafft. Zwar gelten Ideen, Techniken und Therapien vieler hiesiger Biotech-Gründer seit Jahren als hochinnovativ und zukunftsweisend. Dennoch scheiterten viele auf dem langen, kostspieligen Weg vom Labor zum marktreifen Produkt.

Nun aber ist Licht am Ende des Tunnels in Sicht. Vor allem, weil deutsche Biotech-Manager und -Finanziers auf neue Konzepte setzten, um zum Erfolg zu kommen: auf Produkte und Dienstleistungen, die schnell marktreif sind, auf Finanzierungsmodelle abseits von Venture Capital (VC) oder Börsengängen und auf sehr frühe Partnerschaften mit Pharmagrößen.

Wir stellen Ihnen auf den folgenden Seiten die 15 spannendsten Unternehmen dieses neuen Typus und deren Projekte vor – von innovativen Therapien gegen Krebs, Depressionen und Superkeime bis hin zu neuen Werkstoffen wie Spinnenseide und Insekten-Plastik.

Vor allem an der Kooperationsbereitschaft der Großunternehmen haperte es bisher oft: Sie suchten nach weit gediehenen Medikamenten kurz vor der Marktreife. Die aber konnten viele kleine Biotech-Firmen nicht bieten, weil ihnen auf dem Weg dorthin finanziell die Puste ausging.

Die Finanzkrise tat ein Übriges: Im vorigen Jahr stürzte der Kapitalzufluss in die deutsche Biotechnik laut aktuellem Biotechnologie-Report der Beratungsgesellschaft Ernst & Young nochmals ab. Die Summe sank von 441 auf 130 Millionen Euro – ein Minus von 71 Prozent.

Innovationsbedarf in der Pharma-Branche

Doch derzeit ändert sich der Innovationsbedarf der Giganten: Denn ihre Forschungs- und Entwicklungspipelines sind leer. Zugleich laufen dieses Jahr zig Patente für bestens verkaufte Medikamente aus. Pharmaanalysten von IMS Health rechnen mit Umsatzrückgängen von branchenweit mehr als 100 Milliarden Euro. Die akute Ideenlosigkeit bei Big Pharma treibt Biotech-Startups potente Partner in die Arme.

Potenzial zur Zusammenarbeit gibt es genug: Immerhin listet der Ernst & Young-Report in Deutschland 397 Biotech-Firmen auf. Doch die erwirtschafteten 2011 mit gut 10.000 Mitarbeitern nur rund eine Milliarden Euro Umsatz. Gemessen am Branchenprimus Amgen aus Kalifornien, ist das ein Witz: Der setzte mit 17.000 Mitarbeitern 12,1 Milliarden Euro um.

Experten wie Karsten Henco bauen nun auf eine neue Qualität von Kooperationen. Der Mitgründer von Qiagen setzt darauf, sehr früh passende und finanzkräftige Partner zu suchen: „So lassen sich teure Studien von Anfang an ausreichend groß anlegen.“ Bisher hätten kleine Unternehmen Untersuchungen mangels Geldes oft so klein oder in thematischen Nischen angelegt, dass die Ergebnisse später wertlos waren oder sich die Vermarktung nicht lohnte, weil es kaum Patienten gab.

Henco ist zugleich einer der Pioniere für alternative Finanzierungen. „Venture-Kapital ist nicht das Richtige für Biotechnik-Unternehmen“, sagt er. Klassische VCs dächten zu kurzfristig. In der oft 10 bis 15 Jahre dauernden Entwicklungszeit kämen deshalb viele Firmen unter Druck, weil die VCs ihr Geld abziehen wollten.

Gemeinsam mit dem ebenfalls erfahrenen Biotech-Manager Edward Stuart hat Henco daher den 70 Millionen Euro schweren Fonds QureInvest II aufgelegt, in den vermögende Privatleute wie der Pharmaspross Christoph Boehringer investierte. Bei ihren neun Beteiligungen steigen Henco und Stuart früh in die Unternehmen ein, oft in der Gründungsphase, investieren langfristig und bleiben die einzigen Geldgeber – und sie engagieren sich im Management.

Ähnlich gehen auch Andreas und Thomas Strüngmann vor. Die Zwillinge gehören neben SAP-Mitgründer Dietmar Hopp zu den wichtigsten privaten Finanziers der Biotech-Branche in Deutschland. Auch ihr Prinzip ist, alleinige Investoren zu sein und die Unternehmen über sehr lange Zeiträume zu begleiten. Die Brüder haben hoch gewettet, dass dieser neue Ansatz der deutschen Biotech-Branche endlich zum internationalen Durchbruch verhilft. Immerhin steckt inzwischen fast der komplette Erlös aus dem Verkauf ihres Generikaunternehmens Hexal in deutschen Biotechnikunternehmen: 700 Millionen Euro.

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