ADAC: Scharfe Kritik an August Markls Reformen

ADAC: Scharfe Kritik an August Markls Reformen

, aktualisiert 08. Februar 2016, 17:42 Uhr
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Ist der ADAC mit Präsident August Markl an der Spitze wieder auf dem richtigen Weg?

von Florian Zerfaß

ADAC-Präsident August Markl ist verärgert, dass Gremienmitglieder Kritik an seinem Reformplan für den Autoclub an die Öffentlichkeit spielten. Tatsächlich weckt ein Rechtsgutachten große Zweifel an Markls Vorgehen – und zeigt, wie sich der neue Boss von seinem Vorgänger Peter Meyer vorführen ließ.

August Markl hatte etwas loszuwerden. Zwei Tage vor dem Erscheinen eines WirtschaftsWoche-Artikels über den Allgemeinen Deutschen Automobil-Club (ADAC) lässt der Präsident sein Büro eine Mail an etliche Funktionäre, Angestellte und sogar einige ehemalige Mandatsträger schicken. Beigefügt: Eine Anfrage der WirtschaftsWoche.

„Damit jeder von Ihnen sehen kann, mit welcher Dreistigkeit und Unverfrorenheit die WiWo die zugespielten Dokumente nutzt, um am Ende des Tages das Image des ADAC zu diskreditieren“, schreibt der Präsident. „Woher diese Informationen zur WiWo gelangen, darüber möge sich bitte jeder seine eigenen Gedanken machen.“

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Fragwürdiger Umgang mit Gremien und Öffentlichkeit

Die vertraulichen Informationen, deren Bekanntwerden Markl wurmt, lassen sein bisheriges Vorgehen bei der Reform des Automobilclubs in einem zweifelhaften Licht erscheinen. Bei dem Umbauprogramm geht es um die Neuausrichtung des ADAC nach dem Dauerskandal, der mit aufgeflogenen Manipulationen bei der Wahl zum Autopreis „Gelber Engel“ im Januar 2014 seinen Anfang nahm, den ADAC monatelang erschütterte und zum Rücktritt von Präsident Peter Meyer führte. Seit Frühjahr 2014 steht Markl an der ADAC-Spitze.

Der große Durchbruch auf dem Weg zur Reform schien im Dezember vergangenen Jahres gelungen. Da vermeldete Präsident Markl nach einer Abstimmung im Verwaltungsrat – dort sind auch die 18 Regionalclubs vertreten – per Pressemitteilung: Der ADAC habe die „finalen Richtungsentscheidungen zur Neuausrichtung“ getroffen. Nach den Beschlüssen des Verwaltungsrats stehe „einer erfolgreichen Umsetzung im kommenden Jahr nun nichts mehr im Weg“. Doch damit lag Markl falsch. Nun muss auch noch die Hauptversammlung des ADAC im Mai über die Reformpläne beschließen, mit dem Votum des Verwaltungsrates ist es nicht getan.

ADAC in der Krise Beirat lobt Reformen des Autoclubs

Der vom ADAC eingesetzte Beirat lobt die Reformen bei Deutschlands größtem Autoclub und sieht den ADAC auf einem guten Weg. Kritik kommt jedoch vom ADAC-Ehrenpräsident, der dem Präsidium mit rechtlichen Schritten droht.

Der ADAC lobt seine Reformen – doch es gibt auch Kritik. Quelle: dpa

Nach außen behauptet Markl, dies sei „im Sinne einer neuen Kultur aus Transparenz, Offenheit und Mitgliedereinbindung“ beschlossen worden. Der ADAC sei eben „kein ,normales‘ Unternehmen, sondern eine mitgliederorientierte Wertegemeinschaft“.  Doch so schön die Worte in der Pressemitteilung auch klingen: Tatsächlich wurde Markl von seinem Vorgänger Meyer zu der Abstimmung in der Hauptversammlung gezwungen.

Ein brisantes Gutachten vor der Strategietagung

Der Beschluss zur Einbindung der Hauptversammlung fiel auf einer Strategietagung des ADAC in Mainz. Einen Tag vorher hatte Markls Vorgänger Meyer, der immer noch Chef des größten ADAC-Regionalclubs Nordrhein ist, ein Gutachten der Rechtsanwaltskanzlei CMS Hasche Sigle an die Teilnehmer verschickt. Die Juristen lassen darin kein gutes Haar an Markls Vorgehen bei der Reform.

Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club e.V.

  • Was gehört zum Unternehmen ADAC?

    Neben dem Verein hat der ADAC viele Firmen gegründet. Sie wickeln die zahlreichen Geschäfte ab. Dazu zählen etwa die Autovermietung, eigene Angebote für Versicherungen oder ein Verlag. Gebündelt sind die Firmen unter dem Dach der ADAC Beteiligungs- und Wirtschaftsdienst GmbH. Insgesamt verbuchte der ADAC dort 2012 einen Umsatz von 1,03 Milliarden Euro. Rund 8600 Menschen arbeiten beim ADAC. Damit ist der Club ein stattliches Unternehmen, auch wenn es gemessen am Umsatz bei weitem nicht für die Top 100 in Deutschland reicht.

  • Was finanziert der ADAC mit den Beiträgen?

    2012 knackte der ADAC erstmals die Milliarden-Euro-Grenze bei den Mitgliedsbeiträgen. 2012 flossen knapp 323 Millionen Euro in Hilfeleistungen wie den Pannendienst oder die Luftrettung. Für den Mitgliederservice wie etwa Geschäftsstellen flossen knapp 155 Millionen Euro, für die Mitgliederzeitschrift „Motorwelt“ 53 Millionen Euro. Gut 343 Millionen Euro gingen in die Beiträge zur Gruppenversicherung für die Mitglieder.

  • Verdient der ADAC als e.V. denn Geld?

    Das Bürgerliche Gesetzbuch schreibt vor, dass Vereine kein wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb sein dürfen. Deswegen hat sich im ADAC die Doppelstruktur aus Verein und den Tochterunternehmen entwickelt. Diese erzielen nicht alle Überschüsse, die Luftrettung etwa ist ein Zuschussgeschäft. Unter dem Strich nimmt der ADAC allerdings in der Regel mehr Geld ein als er ausgibt. Auch der Verein erzielt Überschüsse und zahlt Steuern. Die erwirtschafteten Mittel fließen in die Rücklage oder werden investiert. Die Struktur des ADAC war in den vergangenen Jahren immer wieder umstritten.

Nach Auffassung der Anwälte ist der Verwaltungsrat von Markl nicht ausreichend informiert worden, der Beschluss somit nichtig. Obendrein dürfe über Vermögensverfügungen in einer Größenordnung, wie sie die Reform vorsehe,  gar nicht der Verwaltungsrat entscheiden, sondern nur die Hauptversammlung. Markl hisste in Mainz die weiße Fahne, nun haben Anfang Mai die Delegierten bei der nächsten Hauptversammlung in Lübeck das letzte Wort. Auf Anfrage nahm Markl zur Auffassung von CMS nicht Stellung.

In der Auseinandersetzung über das Prozedere bei der ADAC-Reform treffen im Hintergrund zwei  renommierte Anwaltskanzleien aufeinander. Meyers Regionalclub Nordrhein hat für das Gutachten mit CMS Hasche Sigle eine Kanzlei in Stellung gebracht, die zu den größten in Deutschland gehört und zahlreiche Großunternehmen wie E.On, Procter&Gamble oder Thyssenkrupp zu ihren Mandanten zählt. Markl ließ sich bei der Ausarbeitung der Reformpläne von der Großkanzlei Freshfields beraten, die für zahlreiche Dax-Konzerne arbeitet.

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