Vermögensverwaltung: Banken rangeln um die Millionäre

Vermögensverwaltung: Banken rangeln um die Millionäre

von Saskia Littmann

Die Deutsche Bank will sich noch stärker auf das Geschäft mit den reichen Millionären konzentrieren und dort wachsen. Damit ist sie nicht allein, die Konkurrenz im Kampf um die vermögenden Kunden ist groß.

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Die Deutsche Bank will sich mehr auf die Superreichen konzentrieren.

Die Deutsche Bank will im Geschäft mit vermögenden Kunden noch stärker wachsen. „Wir stärken die Betreuung unserer sehr vermögenden Kunden in Deutschland, in diesem Segment sehen wir gute Wachstumschancen“, sagte Daniel Kalczynski, Ko-Geschäftsführer der inländischen Vermögensverwaltung, der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Künftig will die Bank, die in Deutschland Marktführer im Geschäft mit vermögenden Kunden ist, sich noch stärker auf die Superreichen konzentrieren, im Fachjargon Ultra High Net Worth Individuals genannt. Das sind Kunden, die über ein investierbares Vermögen von etwa 50 Millionen Euro oder mehr verfügen. Dafür will die Deutsche Bank bis 2018 noch mal 65 Millionen Euro in den Bereich Vermögensverwaltung investieren und damit vor allem die Digitalisierung vorantreiben.

Von einer Verschiebung von Kunden – die FAZ hatte berichtet, einfache Millionäre mit einem investierbaren Vermögen von unter zwei Millionen Euro sollten künftig im Massengeschäft betreut werden – will die Bank dagegen nichts wissen. Eine Grenze von zwei Millionen Euro investierbarem Vermögen habe es schon immer gegeben, heißt es seitens der Bank. Alle paar Jahre werde im Gespräch mit dem Kunden individuell entschieden, wo er besser betreut ist, in der kostenintensiven Vermögensverwaltung, oder im Private Banking, welches bei der Deutschen Bank zwischen Wealth Management und normalem Privatkundengeschäft angesiedelt ist. „Im Segment mit sehr vermögenden Kunden sehen wir höhere Wachstumschancen“, sagt ein Sprecher gegenüber WirtschaftsWoche Online.

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"Wir kommen im Wealth Management künftig mit weniger Mitarbeitern aus", erklärt ein Sprecher. Grund seien Effizienzgewinne, eine geringere Komplexität und Investitionen in digitale Angebote und Prozesse. Der Mitarbeiterabbau - es geht um etwa 140 der 800 Stellen in der privaten Vermögensverwaltung - soll weitestgehend über natürliche Fluktuation aufgefangen werden.

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Die Deutsche Bank ist nicht das einzige Geldinstitut, welches seine Fühler nach den ultra-reichen Familien ausstreckt. Auch die Commerzbank hofft in der Sparte von Bereichsvorstand Gustav Holtkemper auf das Geschäft mit den Unternehmerfamilien, international ist die Konkurrenz in der Vermögensverwaltung noch viel größer. Jedes Institut muss entsprechend sorgsam mit den margenträchtigen, aber sensiblen wohlhabenden Kunden umgehen, denn die Konkurrenz im Bereich Vermögensverwaltung ist groß, viele Banken im In- und Ausland dürften die Kundschaft mit Kusshand empfangen. Die Deutsche Bank kann davon ein Lied singen, als die Bank im vergangenen Herbst wegen der drohenden Strafe der US-Justiz unter Feuer stand und institutionelle Investoren Gelder abzogen, hat das Institut auch in der Vermögensverwaltung wichtige Kunden eingebüßt. Einen Teil davon habe man zwar wieder reingeholt, heißt es, trotzdem war der Kundenabfluss schmerzlich.

Die Schweiz liegt bei den Superreichen nach wie vor vorne

Ein Teil davon dürfte in die Schweiz gewandert sein. Das Land ist weiterhin der größte Offshore-Finanzplatz der Welt, wie eine Studie der Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group (BCG) ergab. Im vergangenen Jahr wurden im Nachbarland 2400 Milliarden Dollar verwaltet. Entsprechend erzielen Schweizer Banken mit der Beratung von wohlhabenden Kunden weiterhin rund die Hälfte ihrer Erträge, ein starker Konkurrent der Deutschen Bank ist die UBS unter ihrem Verwaltungsratspräsident Axel Weber.

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Die Schweizer haben sich schon früh nach der Finanzkrise an ihre eigentliche Stärke, die Vermögensverwaltung, erinnert und diese gestärkt. Während die Deutsche Bank weiterhin Universalbank sein wollte und von einer Klage in die andere schlitterte, dampfte die UBS das riskante Investmentbanking und ihre Bilanz auf ein Mindestmaß ein und konzentrierte sich dafür auf die wohlhabenden Kunden. Mit ihrem fokussierten Geschäftsmodell und der klaren Strategie fährt die Bank seit dem deutlich besser.

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