Kassel-Calden: Deutschlands überflüssigster Airport

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Kassel-Calden: Deutschlands überflüssigster Airport

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Ein Testpassagier im Flughafen Kassel-Calden - Selbst wenn die Planungen eintreffen, dürfte der Airport rote Zahlen schreiben

von Rüdiger Kiani-Kreß

In Nordhessen öffnete im April ein Flughafen, den kein Mensch braucht. Dennoch könnte er länger leben als gesündere Konkurrenten.

Am Donnerstag wird Thomas Schäfer oberster Lenker eines Unternehmens. Dann öffnet der Flughafen Kassel-Calden, dessen Aufsichtsrat Schäfer als hessischer Finanzminister ist. „Der Airport“, so jubelte der Christdemokrat, der zur Feier nebst buntem Rahmenprogramm mit einigen Kollegen aus der Landesregierung in einer Sondermaschine aus Frankfurt einfliegen wird, „ist ein beeindruckendes Zeugnis für den wirtschaftlichen Aufschwung in Nordhessen.“

Hoffentlich nicht.

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Denn der Landeplatz der kurhessischen Metropole ist nicht nur Deutschlands neuester Flughafen. Er ist auch Deutschlands überflüssigster Airport.

„Ich halte das für ein Investitionsgrab und eine komplette Fehlinvestition“, schimpft Ralf Teckentrup, Chef der Fluglinie Condor und Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Fluggesellschaften. Der Chef eines deutschen Flughafens sekundiert: „Es gibt bei uns grenzwertige Airports, unnötige – und dann gibt es Kassel.“

20 Millionen jährliche Last

Denn fest steht schon vor der Eröffnung: Der „Wohlfühlairport“ (Eigenwerbung) in Deutschlands dünn besiedelter Mitte dürfte den Steuerzahlern des Landes Hessen (Anteil: 68 Prozent), aus Stadt und Landkreis Kassel (je 13 Prozent) sowie der Gemeinde Calden (sechs Prozent) dauerhaft auf der Tasche liegen. Bereits der Bau verschlang mit mehr als 270 Millionen Euro fast doppelt so viel wie ursprünglich geplant.

Und im laufenden Betrieb rechnen selbst die Betreiber zumindest bis zum Jahr 2020 mit Verlusten, die laut den Schätzungen neutraler Experten bis zu zehn Millionen Euro im Jahr betragen können. Aber selbst danach wären Gewinne ein Wunder.

Denn Kassel-Calden hat hohe Kosten. Allein die Abschreibung der Aufwendungen für den Bau auf die üblichen 25 Jahre sorgt für eine Belastung von gut elf Millionen Euro im Jahr. Dazu kommen weitere geschätzte rund zehn Millionen Euro Betriebskosten für Terminal, Lotsen oder Flughafenfeuerwehr.

Diese gut 20 Millionen Euro kann der Flughafen unmöglich auf die Landegebühren umschlagen. Denn bei optimistisch geschätzten 500.000 Passagieren, die von 2015 an pro Jahr in Kassel starten und landen sollen, wären das für eine Urlaubsreise inklusive Steuern und Gebühren gut 100 Euro pro Person. „Das kann keine Fluglinie zahlen, ohne Verlust zu machen“, sagt ein führender Manager der Reisebranche.

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