Randstad-Chef Noteboom: „Missbrauch von Zeitarbeit gesetzlich verbieten“

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Ab 1. November wird der Einsatz von Zeitarbeitern in Deutschland deutlich teurer. Branchenprimus Randstad sieht dem relativ gelassen entgegen. "Die Zuschläge sind gut für den Ruf unserer Branche", sagt Randstad-Chef Noteboom.

von Harald Schumacher

Ben Noteboom, Chef des Zeitarbeit-Giganten Randstad, über den schlechten Ruf seiner Branche in Deutschland und die neuen Lohnzuschläge .

WirtschaftsWoche: Herr Noteboom, befürchten Sie wie Ihr Konkurrent Manpower einen Umsatzeinbruch, wenn nun ab November der längerfristige Einsatz von Zeitarbeitern in der deutschen Wirtschaft erheblich teurer wird?

Noteboom: Wenn unsere Dienstleistung teurer wird, wird sie weniger verkauft – klar. Und komplizierte Änderungen wie die Branchenzuschläge drücken immer das Auftragsvolumen. Aber andererseits sind die Branchenzuschläge gut für den Ruf unserer Branche in Deutschland. Wir haben ja bisher keinen so guten Job gemacht in Sachen Imagebildung und müssen das ändern. Bessere Bezahlung ist dabei ein gutes Argument.

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Aber was erwarten Sie konkret? Manpower schätzt den möglichen Umsatzeinbruch auf bis zu 20 Prozent. Randstad hat im dritten Quartal bereits sechs Prozent Umsatz und ein Fünftel des operativen Ergebnisses verloren. Wie geht es weiter?

Mir ist die Situation zu unübersichtlich, um eine Zahl zu nennen. Was wir spüren, sind ja nicht nur die Auswirkungen der Branchenzuschlags-Tarifverträge. Hinzu kommt die Veränderung des wirtschaftlichen Klimas. Ich persönlich fürchte die konjunkturelle Entwicklung weitaus mehr als die Folgen der neuen Tarifverträge.

Zeitarbeit Gefährliche Grauzone

Weil der Einsatz von Leiharbeitern schlagartig teurer wird, bleibt vielen Betrieben nur die Flexibilisierung der Stammbelegschaft oder mehr Outsourcing. Konflikte sind programmiert.

Zeitarbeitskraft Scheibell profitiert vom Metall-Lohnzuschlag Quelle: Ansgar Werrelmann für Wirtschaftswoche

Warum fürchten sie Branchenzuschläge überhaupt? Die Zeitarbeiterlöhne werden in Deutschland maximal 90 Prozent der Löhne von Stammarbeitskräften ausmachen. In den Niederlanden aber gilt ab 2014 Equal Pay, also hundertprozentig gleiche Bezahlung - nicht nach neun Monaten wie in Deutschland, sondern vom ersten Tag des Einsatzes an.

Das stimmt. Aber wir haben in den Niederlanden nur 15 Prozent unserer Beschäftigten fest unter Vertrag. 85 Prozent sind ohne Beschäftigung und ohne vertragliche Absicherung, sobald ihr Einsatz endet. In Deutschland hingegen beschäftigen die Personaldienstleister die Zeitarbeitskräfte unbefristet und müssen neue Einsatzmöglichkeiten für sie finden. Dort sind wir viel mehr richtiger Arbeitgeber als in den Niederlanden und weniger flexibel.

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