Heinrich Weiss: Der Chef der SMS Group kämpft um sein Lebenswerk

Heinrich Weiss: Der Chef der SMS Group kämpft um sein Lebenswerk

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Heinrich Weiss, Miteigner und Aufsichtsratchef der SMS Group, kämpft um die Zukunft des Hütten- und Anlagenbauers.

von Andreas Wildhagen

Der Gewinn ist im Keller, die Kunden zögern und die Konkurrenz wird aggressiver. Beim Anlagenbauer SMS Group herrscht Krisen-Stimmung. Mit einer neuen Strategie will der Aufsichtsratsvorsitzende Heinrich Weiss das Ruder rumreißen.

Mit federnden Schritten betritt er die Lobby des Negresco, Nizzas feinster Hoteladresse. Die schneeweiße Promi-Absteige an der Côte d’Azur hat Heinrich Weiss als Treffpunkt gewählt, um mit der WirtschaftsWoche über ein unbequemes Thema zu sprechen. Zum ersten Mal in seinem Leben muss der 72 Jahre alte Familienunternehmer in vierter Generation, Mehrheitsgesellschafter und Aufsichtsratsvorsitzender der Düsseldorfer SMS Group, mit schwerwiegenden Problemen kämpfen.

Der Gewinn des mehr als 140 Jahre alten Herstellers schlüsselfertiger Stahl-, Walz- und Röhrenwerke rauschte 2013 um fast ein Drittel nach unten. In Russland stocken Investitionen in Höhe von einer Milliarde Euro, weil der Westen das Putin-Regime wegen der Krise in der Ukraine isoliert. In Asien zögern Kunden oder wollen die Preise drücken. Noch verfügt SMS über Finanzpolster, aber Weiss ist alarmiert, klinkt sich wieder stärker ins Geschäft ein und will der Gruppe jetzt eine Rosskur verschreiben.

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Siemens im Visier

Seine Strategie: 250 Millionen Euro will er vor allem bei den Herstellungskosten einsparen, damit SMS günstiger anbieten kann. Auch betriebsbedingte Kündigungen werden, besonders beim Stahlwerksbau, nicht ausgeschlossen. Die Anlagen für das Kochen und Walzen von Stahl und Röhren sollen technisch einfacher ausgelegt werden, damit die Margen auch bei niedrigen Preisen wieder steigen. Dazu ruft Weiss jetzt Arbeitsgruppen ein.

Darin sollen SMS-Techniker aus dem Ausland den deutschen Ingenieuren den Weg weisen, wie man die Anlagen weniger komplex und damit billiger bauen kann. Zudem will Weiss Siemens angreifen. Früher von den Münchnern bezogene elektronische Bauteile für den Eigenbedarf stellt er schon selbst her. Künftig wird eine eigene Geschäftseinheit daraus erwachsen, die die Teile auch an andere Unternehmen verkauft.

20 Prozent Überkapazität

Noch verfügt die SMS Group mit 3,5 Milliarden Euro Umsatz und 13 600 Beschäftigten, davon 6350 in Deutschland, laut Weiss über liquide Mittel von 1,6 Milliarden Euro. Aber zu hohe Kosten und ein Gewinneinbruch sind Alarmzeichen, „bei dem ein Unternehmer handeln muss“, stellt Weiss fest und nippt an seinem Tee.

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Er hält 54 Prozent an SMS, die restlichen Anteile haben seine beiden Schwestern an ihre sieben Kinder abgegeben. Die Satzung schreibt vor, dass in der Regel nur zehn Prozent vom Gewinn an die Familie geht. Der Rest bleibt im Unternehmen. Der Gewinn lag 2013 vor Steuern bei 178 Millionen Euro, das ist eine Umsatzrendite von fünf Prozent. Die reiche aber nicht, „wir benötigen in der Regel zehn Prozent, und die fordere ich auch“, sagt Weiss, um die Abhängigkeit von Banken zu senken.

Davon ist seine SMS Group weit entfernt. Der Konkurrenzkampf auf dem Markt für Stahl- und Walzwerke ist hart, die Preise unter Druck. Die Gruppe wird von ihren Konkurrenten regelrecht gejagt. Weltweit gibt es nur noch zwei: den italienischen Familienkonzern Danieli, etwa genauso groß wie SMS, und den etwas größeren Hütten- und Großanlagenbauer VA-Tech. Der gehört zu Siemens, aber Vorstandschef Joe Kaeser will 70 Prozent der Anteile an den japanischen Konzern Hitachi Heavy Industries verkaufen, der in Sachen Großanlagenbau eine Europa-Offensive starten will.

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