Investmentbanker: Auf der Jagd nach dem nächsten Bonus

Investmentbanker: Auf der Jagd nach dem nächsten Bonus

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Die Ex-Citigroup-Bankerin Wiltrud Heiss verlor 2008 ihren Job und gründete mit drei weiteren Partnern die Private-Equity-Gesellschaft Prolimity

Viele Investmentbanker sind arbeitslos oder arbeiten als Koch oder Lehrer. Die verbliebenen Boni-Banker steigen bereits wieder in neue, riskante Geschäfte ein. Geht der Wahnsinn schon wieder los? Eine Spurensuche.

Um Mark Pohlmann ist es in den vergangenen Monaten leerer geworden. Drei Kündigungswellen hat der Chef des deutschen Investmentbankings der Schweizer UBS  mitgemacht, mehr als 8.000 Stellen hat die Bank abgebaut und auch das Frankfurter Büro nicht verschont. Die von Verlusten geschüttelte Bank spart an allen Enden. Pohlmann, der zwischen London und Frankfurt pendelt, fliegt jetzt öfter Economy. Und muss sich für seinen Job rechtfertigen: Als Investmentbanker steht er im Kreuzfeuer der öffentlichen Kritik.

„Die Aufregung ist verständlich“, sagt Pohlmann, auch wenn in Wahrheit die Zusammenhänge komplexer seien, alle von den billigen Krediten profitiert hätten und die heiß diskutierten Boni oft in Aktien ausgezahlt würden, sodass ihr Wert deutlich gefallen sei. Aber Pohlmann zeigt sich auch einsichtig, für ihn hat die Branche aus ihren Fehlern gelernt: „Die Banken werden sich wieder auf ihre ursprünglichen Kompetenzen besinnen.“

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Soll heißen: Investmentbanken sehen sich wieder stärker als Dienstleister für ihre Kunden und nicht als Zocker mit eigenem Geld. Die kommenden Jahre würden deutlich magerer: „Nun zeigt sich, wer den Job ausschließlich für Geld gemacht hat und wer aus Interesse an der eigentlichen Tätigkeit“, sagt der UBS-Mann. „Die Zeiten der Opulenz sind vorbei.“

Investmentbanker haben ihre Zukunft verzockt

Wirklich? Bis vor Kurzem schien es in der Tat so, als hätten die Investmentbanken mit abenteuerlich konstruierten Wertpapieren nicht nur Hunderte Milliarden Dollar und Euro, sondern auch ihre Zukunft verzockt.

Einst renommierte Adressen wie Lehman Brothers, Merrill Lynch und Bear Stearns kollabierten oder wurden in hektischen Notoperationen an Wettbewerber verramscht.

Der bisherige Schaden im Finanzsystem liegt bei mehr als einer Billion Euro. Viele einstige Großverdiener haben ihren Job verloren. Allein die Citigroup hat seit Beginn der Krise 75.000 Stellen abgebaut, die Bank of America 42.500, Morgan Stanley knapp 9.000. Rund zehn Prozent der Stellen dürften auch in Frankfurt weggefallen sein, schätzen Experten.

Doch inzwischen hat sich der Wind ausgerechnet am Ursprungspunkt der Krise gedreht. Im ersten Quartal 2009 verdiente die US-Investmentbank Goldman Sachs umgerechnet 1,3 Milliarden Euro, die Deutsche Bank – bei der die Investmentbanker über Jahre den Großteil des Gewinns heranschafften – 1,2 Milliarden Euro. Dafür haben die Institute auch den Eigenhandel mit Wertpapieren wieder hochgefahren und das Risiko erhöht.

Der sogenannte Value-at-Risk — also die Summe, die eine Bank an einem Tag im Handel maximal verlieren kann —  kletterte bei Goldman Sachs um 22 Prozent auf umgerechnet 178 Millionen Euro und bei der Deutschen Bank um 15 Prozent auf 141 Millionen Euro. Mit dem Risiko steigt auch der Verdienst der Finanzjongleure: 4,7 Milliarden Dollar Vergütung weist der Bericht von Goldman Sachs für das erste Quartal aus, das entspricht etwa 170.000 Dollar pro Mitarbeiter, Sekretärinnen und Assistenten eingeschlossen.

Spekulation auf Kosten der Steuerzahler

Haben die Banken nichts gelernt? Füttert der Steuerzahler sie auf der einen Seite mit Milliarden, während die Spekulation auf der anderen Seite munter weitergeht? Bleibt die Allgemeinheit auf den Verlusten sitzen, während die Gewinne schon wieder an eine kleine Elite ausgeschüttet werden?

Es mehren sich die Anzeichen dafür, dass es so kommen könnte – wenn die internationale Staatengemeinschaft es nicht schafft, die Rückkehr der ungehemmten Gier mit wirkungsvollen Regeln zu bremsen, und die Banken ihre Exzesse vergangener Jahre nicht selbst kritisch hinterfragen.

Traditionell beraten Investmentbanken Unternehmen bei Übernahmen und Börsengängen, beschaffen ihnen Geld durch die Platzierung von Anleihen, organisieren Finanzierungen und handeln für sie mit Aktien, Devisen und Derivaten. „Wir werden auch künftig weiter Risiko nehmen, um für unsere Kunden Probleme zu lösen“, sagt Christian Zorn, Co-Chef des Investment Banking bei Morgan Stanley in Frankfurt. Als Verbindung der Unternehmen zum Kapitalmarkt haben Investmentbanken in der Volkswirtschaft eine wichtige Funktion.

In den vergangenen Jahren haben die meisten zusätzlich den Handel auf eigene Rechnung extrem ausgebaut, der die Superrenditen erst möglich gemacht hat. Die jüngsten Milliardenverluste stammen vor allem aus der Abwertung extrem komplizierter Wertpapiere, in denen die Banken auch Kredite von wenig zahlungskräftigen Schuldnern gebündelt hatten. Für sie ist der Markt völlig zusammengebrochen.

Lesen Sie auf Seite zwei weiter, wie die Branche einen erfolgreichen Neustart wagt.

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