O2 schluckt E-Plus: Was die Übernahme für den Kunden bedeutet

O2 schluckt E-Plus: Was die Übernahme für den Kunden bedeutet

, aktualisiert 02. Juli 2014, 14:42 Uhr
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Mit der Übernahme von E-Plus schrumpft der deutsche Mobilfunkmarkt auf drei Anbieter.

Die EU-Kommission hat bestätigt: O2 darf E-Plus übernehmen. Die milliardenschwere Übernahme hat nicht nur Folgen für den Telekommunikationsmarkt, auch für die Kunden gibt es Änderungen. Ein Überblick.

Brüssel hat die Übernahme von E-Plus durch Telefónica Deutschland (O2) genehmigt. Mit der 8,6 Milliarden Euro schweren Fusion entsteht der nach Kunden größte Mobilfunkanbieter in Deutschland. Bedingung ist, dass Telefónica 30 Prozent seiner Netzkapazitäten abtreten und ein Radiowellenspektrum sowie andere Vermögenswerte abstoßen muss. Dadurch soll eine Beeinträchtigung des Wettbewerbs auf dem deutschen Kommunikationsmarkt vermieden werden, erklärt die EU-Kommission. In Deutschland bleiben nach der Übernahme nur noch zwei weitere Anbieter - die Deutsche Telekom und Vodafone.

Der bisherige E-Plus-Chef Thorsten Dirks wird nach der Übernahme durch Telefónica Deutschland an die Spitze des gemeinsamen Konzerns rücken. Dirks werde nach Abschluss des Geschäfts seinen Posten als Vorstandschef in München antreten, wo der Sitz des Konzerns bleibe, wie Telefónica Deutschland (O2) am Mittwoch mitteilte.

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Kunden droht eine Preissteigerung

Wettbewerbshüter hatten Mitte 2013 die Sorge geäußert, die Fusion könne die Mobilfunkpreise in Deutschland in die Höhe treiben. Mit E-Plus fällt der aktuell preisaggressivste Wettbewerber weg. Damit steigt das Risiko, das die verbleibenden drei großen Mobilfunkanbieter ihr Wettbewerbsverhalten abstimmen und die Preise erhöhen. Um dem entgegenzuwirken, muss Telefónica Teile seiner Netzkapazitäten abtreten. Die freien Frequenzen sollen dann von Neueinsteigern erworben werden können.

Der Fall Österreich zeigt, dass die Idee zwar gut ist, die Umsetzung allerdings schwierig. Dort hatte die EU-Kommission Ende 2012 die Fusion von Hutchison und Orange mit ähnlichen Auflagen gebilligt. Die Zwischenbilanz ist mager, die drei verbliebenen Mobilfunkanbieter haben ihre Preiskämpfe eingestellt, einige Tarife wurden sogar erhöht. Ein Grund: Fast alle Auflagen verpufften. Die frei gewordenen Frequenzen, die für Neueinsteiger gedacht waren, stießen auf kein Interesse.

Die zehn umsatzstärksten Telekomkonzerne der Welt

  • AT&T (USA)

    AT&T (USA)
    Der US-amerikanische Telekommunikationskonzern AT&T Inc. war aufgrund seiner Monopolstellung in den USA und Kanada lange Zeit die größte Telefongesellschaft und Kabelfernsehbetreiber der Welt.
    Umsatz: 100 Mrd. Dollar

    Umsatz 2014, Werte gerundet; Quelle: Bloomberg

  • Verizon (USA)

    Verizon (USA)
    Das US-amerikanisches Telekommunikationsunternehmen Verizon Communications mit Hauptsitz in New York landet mit 96 Milliarden Dollar Umsatz im Geschäftsjahr 2014 auf Platz 2.
    Umsatz: 96 Mrd. Dollar

  • NTT (Japan)

    NTT (Japan)
    Die Nippon Telegraph and Telefone Corporation (NTT) ist in Japan der Marktführer unter den Telekommunikationsunternehmen. Mit 81 Milliarden Dollar im Geschäftsjahr 2014 ist das Unternehmen der drittumsatzstärkste Telekommunikationskonzern der Welt.
    Umsatz: 81 Mrd. Dollar

  • China Mobile (China)

    China Mobile (China)
    Nach Kundenzahl ist China Mobile Ltd. ist mit mehr als 815 Millionen Kunden (Stand: erstes Quartal 2015, eigene Angaben) der weltweit größte Mobilfunkanbieter der Welt. Im Geschäftsjahr 2014 erwirtschaftete das chinesische Unternehmen rund 79 Milliarden Dollar und landet damit auf Platz 4.
    Umsatz: 79 Mrd. Dollar

  • Deutsche Telekom (Deutschland)

    Deutsche Telekom (Deutschland)
    Die Deutsche Telekom AG ist eines der größten europäischen Telekommunikationsunternehmen. Mit über 150,5 Millionen Kunden (Stand: 2014, eigene Angaben) ist der Mobilfunk der größte Unternehmensbereich. Außerhalb Deutschlands bietet der Konzern Mobilfunkdienste in den USA, Großbritannien, den Niederlanden, Österreich, Tschechien, Ungarn, der Slowakei, Kroatien, Mazedonien, Montenegro, Griechenland, Rumänien und Polen an.
    Umsatz: 63 Mrd. Dollar

  • Telefónica (Spanien)

    Telefónica (Spanien)
    Das global agierende Telekommunikationsunternehmen Telefónica S.A. ist vorwiegend in Europa und Lateinamerika tätig, wo der Konzern vorwiegend unter der Marke Movistar auftritt. In Europa (außerhalb Spaniens) agiert Telefónica vor allem als O2. Auf dem spanischen Heimatmarkt und in Lateinamerika ist der Konzern Marktführer.
    Umsatz: 50 Mrd. Dollar

  • Softbank

    Softbank
    Die Softbank K.K. ist ein führender japanischer Telekommunikations- und Medienkonzern. Das Unternehmen ist vor allem im Bereich Telekommunikation tätig und verkauft damit einhergehend auch Mobilfunkgeräte und –Zubehör. Zum breiten Portfolio zählen aber auch die Entwicklung und Vermarktung von Online-Spielen, verschiedenen Internetdienstleistungen sowie Breitband-Technologien oder E-Commerce.
    Umsatz: 50 Mrd. Euro

  • Vodafone (Großbritannien)

    Vodafone (Großbritannien)
    Die Vodafone Group (ein Akronym aus voice, data und fone) ist ein international agierendes, britisches Mobilfunkunternehmen mit Hauptsitz in Newbury (Berkshire). Der Konzern ist auf fast allen europäischen Märkten präsent und erzielte einen Umsatz von 45 Milliarden Dollar im Geschäftsjahr 2014.
    Umsatz: 45 Mrd. Dollar

  • América Móvil (Mexiko)

    América Móvil (Mexiko)
    Das mexikanische Unternehmen mit Firmensitz in Mexiko-City ist mit 289 Millionen Kunden (Stand: viertes Quartal 2014, eigene Angaben) der größte Mobilfunkanbieter in Lateinamerika. Mit insgesamt 48 Milliarden Dollar Umsatz landet es weltweit auf Platz 8.
    Umsatz: 48 Mrd. Dollar

  • China Telecom

    China Telecom
    China Telecom Corp. Ltd. war einst ein staatseigener Monopolbetrieb und ist heute der größte Telekommunikationsanbieter in China. Mit 40 Milliarden Euro Umsatz im Geschäftsjahr 2014 landet die China Telecom auf Platz 10.
    Umsatz: 40 Mrd. Euro

Virtuelle Anbieter bleiben bestehen

Trotz der Sorge um Preissteigerungen, gibt es einen positiven Aspekt. Weit mehr als 50 Mobilfunk-Discounter wie Aldi nutzen als virtuelle Anbieter ohne eigenes Netz die Infrastruktur von E-Plus. Brüssel will diese Form des Wettbewerbs erhalten. Die EU-Kommission verweist in ihrer Entscheidung ausdrücklich darauf, dass es neben den bislang vier Anbietern noch virtuelle Netzbetreiber und Dienstanbieter wie Freenet, 1&1 oder Drillisch gibt. EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia sagte: „Verbraucher werden weiter in den Genuss der Vorteile eines wettbewerbsorientierten Marktes kommen.“

Läden werden geschlossen

Anfang des Jahres wurde bekannt, dass die Übernahme Auswirkungen auf die Vertriebsshops haben soll. Während in jeder Einkaufsstraße Base-Läden und E-Plus-Service-Stellen zu finden sind, sollen laut einem Zeitungsbericht von Februar rund 600 Läden geschlossen werden. Das Unternehmen wolle Millionen einsparen und verkündete Anfang des Jahres, dass "nach der Integration die Anzahl der Verkaufsshops beider Unternehmen um ein Drittel reduziert werden kann".

Weitere Artikel

E-Plus verschwindet, Base soll bleiben

Im Mai wurde bekannt, dass Telefónica Deutschland im Sortiment des Rivalen aufräumen will: Der Markenname "E-Plus" soll verschwinden. "Base" soll keinen neuen Namen bekommen, meldete das Magazin "Focus".

Prepaid-Angebote

Vergangenen Monat wurde diskutiert, ob die Prepaid-Angebote der beiden Mobilfunkanbieter zusammengelegt werden sollen. Ein Sprecher von Telefónica Deutschland sprach von Spekulationen, es seien aber noch keine Entscheidungen für die Zeit nach dem Zusammenschluss gefallen.

Mit Material von dpa

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