Champions des deutschen Mittelstands: Die neuen Strategien der Weltmarktführer

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Champions des deutschen Mittelstands: Die neuen Strategien der Weltmarktführer

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Christoph Beumer (Förderbandhersteller Beumer Maschinenfrabrik), Hans Beckhoff (Beckhoff Automation, Automatisierungstechnik) und Dieter Manz (Manz AG, Display- & Solarindustrie) (vl)

Nach zehn goldenen Jahren, in denen die Champions des deutschen Mittelstands prächtig an der Globalisierung verdienten, brechen für viele härtere Zeiten an. Politische Krisen, verteilte Märkte und neue Konkurrenten verlangen andere Strategien, um auch künftig vorne mitzuspielen. Welche erprobten Unternehmensstrategien haben künftig ausgedient?

Anke Henrich, Franz Hubik, Hermann J. Olbermann, Jaqueline Goebel, Mario Brück

Hans Beckhoff schätzt klare Ansagen. „Ich will eine bis zwei evolutionäre Neuentwicklungen pro Jahr und alle fünf Jahre eine Revolution in meinem Unternehmen“, fordert der Chef von Beckhoff Automation von seinen Mitarbeitern im westfälischen Verl. Und der Spezialist für Automatisierungs- und Steuerungstechnik erklärt auch, warum: „Die nächste Krise erwarte ich spätestens in drei Jahren.“

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Dabei ist Beckhoff kein Pessimist, sondern dank Wagemut äußerst erfolgreich. Sein Unternehmen knackte 2014 erstmals die 500-Millionen-Euro-Umsatzgrenze. Der steile Anstieg weckt den Neid der Konkurrenz und bescherte dem Unternehmen einen Platz unter den ersten zehn im neuen WirtschaftsWoche-Ranking der wachstumsstärksten deutschen mittelständischen Weltmarktführer.

Der gelernte Physiker ist vielmehr Realist. Deshalb treibt den 60-Jährigen die Frage um, wie er die Erfolgsgeschichte des Familienunternehmens aus den zurückliegenden Jahren weiterschreiben kann. Seine Kinder klopfen schon an die Tür.

Viel Bewegung im Ranking

Der Westfale teilt die Sorgen der deutschen Mittelständler. Immer mehr Absatzmärkte, die eben noch glänzende Geschäfte ermöglichten, vermelden sinkendes Wachstum bis hin zur Stagnation, gelten als politisch instabil oder bringen ernst zu nehmende Mitbewerber mit eigenem Know-how und gut ausgebildeten Mitarbeitern hervor.

Das ist eines der Hauptthemen des jährlichen Gipfels der Weltmarktführer, den die WirtschaftsWoche in dieser Woche in Schwäbisch Hall in Baden-Württemberg veranstaltet. Redner wie Telekom-Chef Tim Höttges, Porsche-Vorstand Matthias Müller, DM-Gründer Götz Werner oder Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer versuchen, Antworten auf die Frage zu geben: Wie können die Champions des deutschen Mittelstands ihre führende Position halten oder sogar ausbauen, wenn das wirtschaftliche Umfeld schwieriger wird? Wie da schöpferisch reagieren und weiter vorne mitspielen?

Die zehn besten deutschen Mittelständler

  • So wurde bewertet

    Um die Wachstumsstärke der mittelständischen deutschen Weltmarktführer zu vergleichen, bedient sich die WirtschaftsWoche eines Indexes des Ökonomen David L. Birch vom Massachusetts Institut of Technology in der Nähe von Boston. Dieser nach ihm benannte Index multipliziert den absoluten Umsatzzuwachs mit dem prozentualen. Das relativiert sowohl das prozentuale Wachstum junger Betriebe als auch das absolute Wachstum bereits großer Unternehmen.

    Basis des Indexes waren im Ranking die Jahre 2002 bis 2012.

  • Platz 10: Brückner Technology Holding

    Branche: Maschinenbau
    Mitarbeiter 2012: 1676

    Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 225,20/682,40
    Durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 11,72 Prozent
    Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1385,4

    Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

  • Platz 9: Sirona Dental Systems

    Branche: Dentalindustrie
    Mitarbeiter 2012: 2979

    Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 284,00/814,56
    durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 11,11 Prozent
    Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1521,7

    Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

  • Platz 8: Realtime Technology

    Branche: IT/ Software
    Mitarbeiter 2012: 689

    Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 3,35/73,70
    durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 36,22 Prozent
    Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1547,7

    Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

  • Platz 7: JF Hillebrand Group

    Branche: Logistik
    Mitarbeiter 2012: 2000

    Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 335,24/934,70
    durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 10,8 Prozent
    Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1671,4

    Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

  • Platz 6: Beckhoff Automation

    Branche: Automatisierungstechnik
    Mitarbeiter 2012: 2200

    Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 78,00/408,00
    durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 17,95 Prozent
    Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1712,0

    Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

  • Platz 5: Beumer Maschinenfabrik

    Branche: Maschinenbau
    Mitarbeiter 2012: 3700

    Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 104,04511,70
    durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 17,27 Prozent
    Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 1996,3

    Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

  • Platz 4: Big Dutchman

    Branche: Agrartechnik
    Mitarbeiter 2012: 2432

    Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 250,00/858,00
    durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 13,12 Prozent
    Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 2083,9

    Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

  • Platz 3: Mobotix

    Branche: Sicherheitskameras
    Mitarbeiter 2012: 336

    Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 3,00/81,60
    durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 39,14 Prozent
    Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 2137,9

    Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

  • Platz 2: Lürssen

    Branche: Schiffbau
    Mitarbeiter 2012: 1400

    Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 300,00/984,90
    durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 12,6 Prozent
    Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 2248,5

    Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

  • Platz 1: Hirschvogel Holding

    Branche: Automobilzulieferer
    Mitarbeiter 2012: 4000

    Umsatz im Geschäftsjahr 2002/2012 (in Mio. Euro): 179,90/780,00
    durchschnittliches jährliches Wachstum über zehn Jahre: 15,80 Prozent
    Birch-Index² (prozentuales mal absolutes Wachstum): 2601,9

    Quellen: Bundesanzeiger, eigene Schätzungen, Datenbank Weltmarktführer

Denn Bewegung deutet sich an unter den bisherigen Stars. Das zeigen die aktuellen Top 100, die die WirtschaftsWoche zusammen mit dem Münchner Unternehmensberater Bernd Venohr erstellte und in Schwäbisch Hall präsentieren wird. Es gibt Aufsteiger wie die Bremer Werftengruppe Lürssen (von Platz 24 auf Platz 2) oder den Kofferhersteller Rimowa (von 87 auf 16), Absteiger wie den Vorjahressieger und Sicherheitsspezialisten Mobotix (von 1 auf 3) oder den Sanitärfachmann Viega (von 8 auf 18). Oder gar Aussteiger wie der Tunneltechniker Herrenknecht – er reißt die Mittelstandsgrenze nach oben. Der beste von allen ist der Automobilzulieferer Hirschvogel.

Bisher haben deutsche Mittelständler von der Globalisierung profitiert

Bislang galten die hiesigen Mittelständler als die großen Gewinner der Globalisierung. Nach Finnland, Dänemark und Japan hat Deutschland in den vergangenen 30 Jahren am stärksten von der Internationalisierung der Wirtschaft profitiert, sagt das Wirtschaftsforschungsinstitut Prognos. Insgesamt liege der Globalisierungsgewinn der deutschen Volkswirtschaft bei 2000 Milliarden Euro. Ihre Unternehmen exportierten erfolgreich in die neuen Märkte, verlegten Produktion oder einzelne Fertigungsschritte dorthin und profitierten von neuen Zulieferern.

Doch die Belle Époque neigt sich dem Ende zu. Allein die wachsende Zahl politischer Brennpunkte von Griechenland, Russland und der Ukraine über Nordafrika und die arabischen Staaten bis Thailand und Venezuela ruinieren Businesspläne.

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