Unternehmensnachfolge: "Fairness bedeutet nicht, alle gleich zu behandeln"

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InterviewUnternehmensnachfolge: "Fairness bedeutet nicht, alle gleich zu behandeln"

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Wolfgang Galonska ist Anwalt und Mediator.

von Anke Henrich

Wenn ein Unternehmer seine Nachfolge innerhalb der Familie regeln will, kommt es oft zu Konflikten. Ein neutraler Mediator kann helfen, wenn Abstand und Feinfühligkeit gefragt sind. Wie das Coaching funktioniert.

WirtschaftsWoche: Herr Galonska, viele Unternehmer drücken sich über Jahre beim Thema Nachfolgeplanung. Sie ahnen: Das gibt Ärger in der Familie. Wie groß ist das Schweigen in deutschen Unternehmerfamilien?
Wolfgang Galonska: Mich überrascht immer wieder, wie wenig selbst in sogenannten Harmoniefamilien ohne erkennbare Konflikte aus Sorge um Unstimmigkeiten so wichtige Dinge wie das eigene Vermögen und die Nachfolge nicht angesprochen werden. Aber ausgesessene Konflikte wachsen und bei der Nachfolgeplanung kommen plötzlich viele unausgesprochene Themen auf den Tisch. Das betrifft vor allem Familien, bei denen es ein dominanter Part, meistens der Vater, beruflich gewohnt ist, Entscheidungen im Wesentlichen allein zu treffen und durchzusetzen. Die Vorstellung, gemeinsam etwas zu entwickeln, liegt solchen Menschen häufig fern.

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Zur Person

  • Wolfgang Galonska

    Der promovierte Jurist Galonska, 58, startete als Rechtsanwalt und ist heute Partner bei der Großkanzlei Taylor Wessing in Düsseldorf. Er ist Mitglied in der Deutsche Vereinigung für Erbrecht sowie der Arbeitsgemeinschaft Mediation im Deutschen Anwaltsverein.

Müssen die an einer Mediation Beteiligten erstmal „Hausaufgaben“ machen, bevor Sie sie an einen Tisch bitten?
Es mag verwunderlich klingen, aber so viel kläre ich vor einer Mediation überhaupt nicht. Mir ist sehr wichtig, möglichst unbefangen und offen in ein Mediationsverfahren einzutreten. Nichts verstört Familienmitglieder mehr, als wenn der Mediator Details kennt, die nach Auffassung eines anderen beteiligten Familienmitglieds so nicht zutreffend sind.
Im Vorfeld ist es für den Mediator viel wichtiger, dass die Beteiligten über die „Spielregeln“ und Chancen des Verfahrens informiert werden. Jeder muss wissen, dass alles, aber auch wirklich alles, zur Sprache gebracht werden darf, was jeden Einzelnen bewegt.

Konflikte beenden – vier Tipps des Mediators Wolfgang Galonska

  • 1. Respekt und Empathie

    Die wichtigste Regel ist, den Beteiligten zu vermitteln, dass Respekt und Empathie in den Gesprächen zu wahren sind, auch wenn es manchmal schwer fällt. In der Mediation wird nicht geschrien, auch nicht mit den Fäusten auf dem Tisch herumgetrommelt.

  • 2. Auch schwache unterstützen

    Vermeintlich Schwache und Stille gilt es zu schützen und ihnen ausreichend Raum zu bieten, auch eigene Wünsche und Ängste vollständig vortragen zu können. Da kann es schon ausreichen, wenn einem Beteiligten die sprachlichen Fähigkeiten fehlen, während andere in der Runde druckreif zu sprechen in der Lage sind, zu paraphrasieren. Ich greife eine Antwort eines der Beteiligten auf, wiederhole sie, aber versuche gleichzeitig eine bestimmte subjektive Vorstellung, die ich meine herausgehört zu haben, einfließen zu lassen. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder habe ich den Betreffenden richtig verstanden oder eben gerade nicht. Habe ich ihn falsch verstanden, hat er durch meine Wiederholung die Gelegenheit, das richtigzustellen. Das ist mühselig und zeitaufwendig, führt aber zum Ergebnis. Und der Betreffende ist glücklich, dass am Ende offen das ausgesprochen wurde, was ihm wichtig war.

  • 3. Jedes Thema ist wichtig

    Schließlich ist es wichtig, sich mit den Wünschen und Ängsten eines jeden Beteiligten zu befassen und dieser Diskussion Raum einzuräumen, auch wenn dem einen oder anderen persönlich das Thema völlig irrelevant ist. Wenn ich zum Beispiel eine konkrete Angst schlichtweg ignoriere, kann eine Mediation nicht zum Erfolg führen.

  • 4. Nachfragen

    Die Aufgabe eines Mediators ist, zu fragen, warum eine bestimmte Vorstellung eines der Beteiligten diesem so wichtig ist. Häufig kommt heraus, dass eigentlich nur deshalb etwas Bestimmtes erreicht werden sollte, weil derjenige gar nicht wusste, dass es auch andere Lösungsmöglichkeiten gibt. Eine faire Lösung für alle ist dann erreicht, wenn jeder am Ende offen und klar und ohne Rückhalt bescheinigt, dass er mit dem Ergebnis zufrieden ist. Solange  geheime Vorbehalte vorhanden sein könnten, wird nachgefragt.

Muss ein Mediator allen Beteiligten im Vorfeld klar machen, dass auch lange verdrängte Probleme auf den Tisch kommen, damit sich eine gute Regelung für alle finden lässt?
Ich mache das nicht. Es sei denn, es steht von vornherein fest, dass wir es mit einer Familie zu tun haben, in der ein Konflikt bereits ausgebrochen ist. Dient die Mediation weniger der Projektbegleitung als mehr der Streitschlichtung, muss man natürlich ansprechen, dass nicht nur sämtliche Konflikte Thema sind, sondern auch möglicherweise deren Ursachen. Aber auch in harmonischen Familien stößt man auf solche Themen. Die werden dann aufgegriffen und intensiver behandelt.

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Der Umgang mit Konflikten muss gelernt sein, was zum Beispiel der langjährige Steuerberater, der für solche Projekte gerne genommen wird, in der Regel nicht kann. Im letzteren Fall kommt hinzu, dass er meist der Elterngeneration verbunden ist, mit der er schon lange Jahre zusammengearbeitet hat. Den Kindern ist es dagegen wichtig, Vertrauen entwickeln zu können zu jemandem, der im Grunde außerhalb der Familie und des Unternehmens steht.

Wie nordet man ein Alphatier auf Konsens ein?
Gerade bei Konflikten droht gerne einer der Beteiligten mit dem Gang vor Gericht. Ein Mediator spielt dann zum Beispiel fiktiv ein solches Gerichtsverfahren durch. In Anbetracht der Verfahrensdauer vergeht den meisten schnell die Lust. Gerade in komplexen Fällen nehmen Gerichtsverfahren überproportional an Dauer zu. Die Erkenntnis, dass es keine bessere Lösung gibt, schleust dann meist auch den „Türenknaller“ wieder an den Tisch zurück.

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Mit dem sogenannten Alphatier verhält sich das etwas anders. Es ist doch ganz klar, dass ich jemanden, der immer allein die Verantwortung in einem Unternehmen getragen und das vielleicht auch im Familienleben so fortgesetzt hat, nur schrittweise zum Umdenken bewegen kann, damit er auf die Kindergeneration zugeht.

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