Hochfrequenzhandel: Blitztrader zocken mit dem Geld normaler Sparer

Hochfrequenzhandel: Blitztrader zocken mit dem Geld normaler Sparer

Ultraschnelle Computerhändler sind in Verruf geraten. Der Verdacht: Die Flash Boys machen ihre Milliardengewinne auf Kosten aller Anleger. Wer ihnen hilft - und wer sie bekämpft.

Ein Blick durch die Scheibe genügt, und der hinter vier Monitoren verschanzte Chefhändler des großen Fondshauses sieht, was seine Aktienhändler so treiben. In letzter Zeit fühlt er sich ein Stück in die Vergangenheit versetzt: Statt Handelsaufträge in den Computer zu hacken, telefonieren seine Leute immer öfter.

Wie in den Achtzigerjahren kauft sein Haus, eines der größten in der Frankfurter City, wieder verstärkt bei Brokern, die wissen, welcher Investor welche Aktien hält. „Wenn wir einen großen Block kaufen wollen, rufen wir wieder verstärkt Sales Trader der Broker an. Die greifen zum Telefon und fragen bei ihren Kunden nach, ob einer Aktien verkaufen will“, sagt der Milliardenmanager, der anonym bleiben will. Die Börsen bleiben bei solchen Geschäften außen vor.

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In deren elektronischen Systemen, sagt der Manager, seien ihm zu viele Hochfrequenzhändler unterwegs. Diese „Jungs“ mit ihren superschnellen Computern können seine großen Orders aufspüren, ihm Aktien vor der Nase wegschnappen und dann teurer verkaufen.

iChart: Zehn Sekunden Handel mit Apple-Aktien am 25. Juli 2012, visualisiert von Nanex. Linien in Rot-Tönen = Verkaufsangebot an einer von elf Börsen, in Blau = Kaufangebote, Kreise = abgeschlossene Geschäfte. Quelle: Nanex

iChart: Zehn Sekunden Handel mit Apple-Aktien am 25. Juli 2012, visualisiert von Nanex. Linien in Rot-Tönen = Verkaufsangebot an einer von elf Börsen, in Blau = Kaufangebote, Kreise = abgeschlossene Geschäfte.

Bild: Nanex

Hochfrequenzhändler, unter ihnen Banker, Informatiker, promovierte Physiker haben den Börsenhandel revolutioniert. Sie programmieren ihre Rechner mit Handlungsanweisungen. Dank dieser Algorithmen feuern sie automatisch in Bruchteilen von Sekunden Unmengen von Aufträgen an die Börsen, schneller, als jeder Mensch es könnte. In den USA sind die Blitztrader durch den Bestseller „Flash Boys: Revolte an der Wall Street“ in Misskredit geraten. Autor Michael Lewis wirft ihnen vor, die Märkte zu manipulieren.

Auch in Deutschland aktiv

Auch in Deutschland, im Handelssystem Xetra und an der Terminbörse Eurex, sind die Flash Boys aktiv. Laut deren Betreiberin Deutsche Börse sind sie allein für 20 bis 25 Prozent der Aktienumsätze verantwortlich. Viele von ihnen verdienen sich eine goldene Nase – auf Kosten all derjenigen, die zwar viel, aber langfristig investieren: Vermögensverwalter, Lebensversicherer, Pensionskassen und Investmentfonds, die für die Altersvorsorge der Deutschen anlegen.

Bundesbank-Vorstand Joachim Nagel warnte bereits vor zwei Jahren, Fondssparer könnten „finanzielle Einbußen erleiden“, etwa wenn Hochfrequenzhändler Orders entdecken und vor den Fonds kaufen. Auch die Finanzaufsicht BaFin hat die Trader im Visier: „Bei uns laufen mehrere Untersuchungen gegen Hochfrequenzhändler“, sagt deren oberster Wertpapieraufseher Karl-Burkhard Caspari.

Deutsche Fondsmanager oder Versicherer reden – wenn überhaupt – nur hinter vorgehaltener Hand über das heikle Thema. Klar: Ihre Anleger dürften es nicht gern hören, wenn beim Kauf und Verkauf von Aktien immer wieder Geld auf das Konto von Hochfrequenzhändlern wandert. Geschätzt maximal wenige Cent pro Aktie – aber auch hier macht es die Masse.

Der weltgrößte Vermögensverwalter, BlackRock aus New York, warnte erst kürzlich vor den „räuberisch-hochfrequenten Handelsstrategien“, die versuchten, den Markt zu manipulieren und Investoren zu benachteiligen. „Diese Praktiken stellen einen Marktmissbrauch dar und sollten vom Gesetz verfolgt werden.“ Der Ruf nach gesetzlichen Regelungen ist das eine. Was aber tun die Fonds sonst noch, um das Geld ihrer Anleger zu schützen?

Bert Flossbach "Die Börsensteuer ist blanker Zynismus"

Bert Flossbach hält die Finanztransaktionssteuer für nutzlos - und warnt vor dem Einfluss superschneller Handelscomputer. Seinen Börsenhandel hat der renommierte Vermögensverwalter zum Schutz umgestellt.

Quelle: Laif

Die Spurensuche beginnt beim Vermögensverwalter Flossbach von Storch in Köln. Co-Gründer Bert Flossbach ist unabhängig, an keine Bank gebunden, die auch an den superschnellen Tradern verdienen könnte, bekannt für klare Worte, mit mehr als 15 Milliarden Euro Kundengeldern im Rücken. Dass etwas in den Märkten „nicht mit rechten Dingen zugeht“, hat Flossbach schon vor einiger Zeit bemerkt: „Egal, wo ich eine Order platziere, computergetriebene Händler sind mit im System und können meine Order ausspähen“, moniert er.

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