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Schiffsfonds: Die Altersversorge wird verschrottet

von Florian Zerfaß und Mark Fehr

Zahlreiche Schiffsfonds wurden als Vorsorgeprodukte verkauft. Nun bleibt den Anlegern nur die Hoffnung auf den kärglichen Verschrottungserlös ihrer Ozeanriesen. Welche Hebel Anwälte jetzt ansetzen, um Geld zurückzuholen.

Luftaufnahme der MSC Flaminia Quelle: dpa
Für viele durch Fonds finanzierte Containerschiffe bleibt nur noch der Schrottplatz. Quelle: dpa

Endstation für die "Saar N" könnte irgendein Strand sein, in Indien oder Bangladesch. Eigentlich sollte der Erzfrachter noch mehr als zwei Jahre über die Weltmeere schippern, um Rendite für die von der Commerzbank-Tochter Commerz Real angeworbenen 400 Privatanleger einzufahren. Doch er tritt wohl bald seine letzte Fahrt an – zum Schiffsfriedhof, wo billige Arbeiter ihn mit primitivem Werkzeug filetieren werden.

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Weil die Preise für Schiffstransporte am Boden liegen (siehe Grafik), bringt der Betrieb der Saar nichts als Verluste. Nun soll wenigstens der schnöde Materialwert von etwa 300 Dollar pro Tonne den Anlegern eine kärgliche Restzahlung von rund fünf Millionen Dollar bescheren. Selbst wenn sich in letzter Minute ein griechischer oder asiatischer Reeder den Kahn, der einmal rund 44 Millionen Euro gekostet hat, zum Notverkaufspreis unter den Nagel reißen würde – für die Anleger bliebe wenig übrig.

Altervorsorge wird verschrottet

Einnahmen weggebrochen
Einnahmen weggebrochen. Der Baltic-Dry-Preisindex für Schiffstransporte

So hatten sich viele, die ihr Geld in Schiffe gesteckt haben, die Globalisierung nicht vorgestellt: Der Traum von üppigen Renditen dank wachsendem Welthandel endet im Extremfall an einem Gestade der Dritten Welt, an dem unrentable Schiffe zwecks späterer Entsorgung mit Bug voraus sprichwörtlich in den Sand gesetzt werden. Die Altersvorsorge deutscher Unternehmer, Zahnärzte und Architekten wird verschrottet. "In diesem und im kommenden Jahr sind Insolvenzen von etwa 400 deutschen Schiffsgesellschaften zu erwarten", sagt Claus Brandt, Leiter des Maritimen Kompetenzzentrums bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC).

Die nächsten, denen dieses Schicksal blüht, dürften die Anleger der Embdena-Schiffsfonds sein. Das Emdener Emissionshaus ging 2005 mit vier Fonds auf Geldsammeltour für gebrauchte Schiffe. Doch über zehn Millionen Euro, die Embdena für die "MS Eaststar" sowie drei Schwesterschiffe eingeworben hatte, scheinen verloren zu sein. Im August teilte die GFI Treuhand, die die Rechte vieler Kommanditisten wahrnimmt, den Eaststar-Anlegern mit, dass sie von ihrem Geld nicht mehr viel sehen werden: "Die Geschäftsführung der Gesellschaft wird nunmehr den Insolvenzantrag beim zuständigen Amtsgericht stellen." Schlimmer noch: Anlegern drohen Nachzahlungen, um Schulden des Fonds – unter anderem bei der Commerzbank – zu begleichen.

MS Eaststar war von Anfang an Schrott

"Lukrativ war diese Anlage allenfalls für die Initiatoren", sagt Rechtsanwalt Martin Seidel von der Düsseldorfer Kanzlei Baum, Reiter & Collegen. Er führt für rund 40 Anleger Schadensersatzklagen gegen das Emissionshaus Embdena. Dessen MS Eaststar war vermutlich von Anfang an Schrott. Den Anlegern sei ein Schiffsrumpf aus Rumänien angedreht worden, der erst mehrere Jahre vor sich hin gerostet hatte und dann in der Türkei aufgemotzt und fertig gebaut wurde. Eine auf Malta sitzende Firma des Reeders kaufte den Kahn und veräußerte ihn 2005 für 9,5 Millionen Euro an den Fonds weiter – möglicherweise mit Zwischenhandelsgewinn, wie Anlegeranwälte vermuten. Embdena blockt Nachfragen zu den Fonds ab.

Das Schrott-Schiff machte Anlegern wenig Freude, aber jede Menge Probleme. In einem Schadensbericht von 2010 ist festgehalten, dass der Hauptmotor kaputt und das Schiff nur mit einem Hilfsdiesel unterwegs sei – und auch der sei bereits in einem "äußerst schlechten Zustand". Der Kahn müsse "schnellstmöglich" repariert werden, "da momentan die Schiffssicherheit gefährdet ist".

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 06.09.2012, 12:33 UhrHschneider

    Das ist ernüchternd. Und fast noch schlimmer ist, dass sich jetzt die Abzocker-Anwälte wie Parasiten auf die geschädigten Anleger stürzen um diese ein zweites Mal vorzuführen. Denn zu holen ist in den meisten Fällen wenig bis nichts.
    Aber was wird mit den gäubigen Immo- und Solar-Anlegern geschehen? Genau das gleiche. Wo zuviel Geld zur Verfügung steht oder Panik oder andere Emotionen treibende Kraft sind, gehen die Einkaufspreise hoch - viel zu hoch. Das ist für den Selbstnutzer schade, aber fast egal. Wer jedoch mittelfristig wie ein Fonds wieder verkaufen will, und neben den hohen Weichkosten (z.T. über 20%) plus eine jährliche Rendite von 5 bis 15% einspielen soll, der hat wahrscheinlich schlechte Karten. Aber das sieht man erst in ein paar Jahren. Wo Licht ist, zieht es Ungeziefer an ...

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