Spitze-Spritze: Mit Botox gegen Heuschnupfen und Migräne

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Spitze-Spritze: Mit Botox gegen Heuschnupfen und Migräne

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"Was hilft gegen die Kopfschmerz-Attacken?" Über Migränebehandlungen mit Botox berichten immer mehr Medien - kürzlich auch der SWR. Was ist dran an der Methode?

von Susanne Kutter

Falten wegspritzen – dafür ist Botox bisher bekannt. Doch der Wirkstoff kann noch mehr: schwere Migräne lindern, Heuschnupfen bekämpfen, vor Erblindung schützen.

Christian Maihöfner setzt kurze, kleine Stiche: an Stirn, Schläfen, Hinterkopf, Nacken, Halsmuskulatur. 44 Mal spritzt der Migräneexperte und Chefarzt der Neurologie am Klinikum Fürth in die Muskulatur der Patientin, dann ist die Behandlung abgeschlossen. Die Prozedur beschert der 46-Jährigen einige schmerzfreie Tage im Monat. Sie leidet seit Jahren unter Migräne. Pulsierende Kopfschmerzen, Übelkeit und Lichtempfindlichkeit machten ihr bisher das Leben zur Qual.

Das Medikament, das ihre Beschwerden deutlich lindert, ist Botulinumtoxin, besser bekannt unter dem Markennamen Botox. Maihöfner setzt es schon seit Langem erfolgreich gegen Migräne ein.

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Der Wirkstoff macht gerade einen echten Imagewechsel durch. Bisher kannten ihn die meisten als Lifestyle-Mittel gegen Falten und denken an aufgetakelte Hollywood-Stars, wenn von Botox die Rede ist. Das Nervengift lähmt Muskeln und glättet so auch Lach-, Schmunzel- oder Zornesfalten, die mit dem Alter immer tiefer werden. Was 1989 bei der kalifornischen Pharmafirma Allergan als winziges Nischenprodukt begann, avancierte schnell zu einem heißen Geschäft. Heute setzt damit allein der Marktführer knapp zwei Milliarden Dollar jährlich um. Der Gesamtmarkt wird auf über fünf Milliarden Dollar geschätzt.

Doch allmählich besinnen sich die Hersteller wieder auf die medizinischen Anwendungen. „2013 hat es 300 Studien zu Botulinumtoxin gegeben – zwei Drittel davon hatten nichts mit Kosmetik zu tun“, erklärt Botox-Experte David Bergvall, bis Anfang des Jahres Geschäftsführer bei Galderma, einem der Anbieter des Nervengifts.

So habe etwa Allergan „ziemlich viel Geld in die Hand genommen“, um die Zulassung für Harninkontinenz zu bekommen, weiß Ricarda Bauer, Oberärztin und Urologin am Münchner Klinikum Großhadern. Nicht ohne Grund: Denn bei solchen weitverbreiteten Krankheiten lockt ein Milliardenmarkt: Allein in Deutschland gibt es etwa sechs bis acht Millionen Patienten mit Blasenschwäche – der Harninkontinenz. Auch das Frankfurter Pharmaunternehmen Merz und der französische Hersteller Ipsen untersuchen weitere Einsatzmöglichkeiten. So testet Merz, wie gut Botox Verkrampfungen – sogenannte Spasmen – von Schlaganfallpatienten lindert.

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Das Spektrum der Erkrankungen, das potenziell in Betracht kommt, ist enorm groß. So zählen weitverbreitete Leiden wie Migräne, Heuschnupfen und vorzeitiger Samenerguss dazu; sogar Wunden heilen schneller und glatter mithilfe einer Botox-Spritze. In all diesen Feldern wird der Wirkstoff bereits testweise eingesetzt. Selbst wenn nur ein Teil der betroffenen Patienten erfolgreich mit dem Toxin behandelt werden könnte, würden enorme Umsätze winken.

Ursprünglich hatten Forscher genau solche medizinischen Anwendungen im Auge, als sie erstmals mit Botox experimentierten. Die Substanz ist einer der wirksamsten Giftstoffe, den die Natur hervorgebracht hat. Das Bakterium Clostridium botulinum, das sich gerne in Fleischkonserven und Wurstwaren vermehrt, produziert ihn. Das Gift verursacht meist tödlich endende Symptome, denn es blockiert die Signalübertragung der Nerven und lähmt Muskeln, etwa die der Atemmuskulatur.

Genau diese Lähmungen interessierten Mediziner seit Ende der Sechzigerjahre. Sie verdünnten den Giftstoff und konnten bei schielenden Menschen die Augenmuskulatur so beeinflussen, dass diese wieder geradeaus schauten. Auch Krämpfe am Hals oder an den Füßen, die zum Schiefhals oder Spitzfuß führen, lassen sich damit beheben. Und Menschen mit einem Blinzelkrampf können so wieder sehen: Sie waren zuvor praktisch blind, weil sie das Augenlid unwillkürlich zukniffen.

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