Innovativer Baustoff: Australischer Forscher will Straßen mit Kaffeesatz bauen

Innovativer Baustoff: Australischer Forscher will Straßen mit Kaffeesatz bauen

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Egal ob Filter oder die ökologisch wenig sinnvollen Kapseln: Aus dem Kaffeepulver lässt sich später noch einiges machen.

von Robyn Schmidt

Ein Forscher bastelt in Australien an Bodenbelag aus Kaffeesatz. Das dürfte zwar nur für ein paar Kilometer reichen, aber trotzdem eine Straße aus Abfällen ermöglichen.

Bekanntermaßen ist Kaffee mit Abstand das Lieblingsgetränk der Deutschen. Und im Rest der Welt sieht das nicht viel anders aus. Die Popularität des Getränks bringt einige Fragen mit sich. In den vergangenen Jahren gerieten vor allem die nicht gerade umweltfreundlichen aber dafür umso weiter verbreiteten Kaffeekapseln in die Kritik. Doch eine andere Frage wird weniger diskutiert: Was passiert mit den geschätzt mehr als sieben Millionen Tonnen Kaffeesatz, die jedes Jahr weltweit beim Zubereiten entstehen?

Einige kreative Vorschläge gab es schon. Beispielsweise kann man den organischen Kaffeesatz als Biotreibstoff nutzen, einen Lampenschirm daraus machen oder ihn als Schuh am Fuß tragen. Arul Arulrajah von der Swinburne University of Technology in Melbourne hat eine andere Idee: Er arbeitet daran, dass bald Autos über das eigentlich ungewollte Beiprodukt rollen.

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Zusammen mit Kollegen der Suranaree University of Technology in Thailand und der Southeast University und Shanghai Jiao Tong University in China hat er ein Konzept entwickelt, mit dem man alten Kaffeesatz als Baumaterial für Straßen nutzen kann.

Eine Mischung aus organischen und industriellen Abfällen

Arulrajah und seine Kollegen haben den Kaffeesatz von einem Café in Melbourne gesammelt und bei 50°C für fünf Tage in einem Ofen getrocknet. Danach haben sie noch die Klumpen ausgesiebt. Als nächstes haben die Wissenschaftler mit unterschiedlichen Mischungen experimentiert: Den Kaffeesatz haben sie in unterschiedlichen Verhältnissen mit Schlacke aus der Stahlproduktion gemixt, um zu sehen, welches Verhältnis am das beste Resultat liefert. Am Ende kam heraus, dass die beste Mischung aus sieben Teilen Kaffeesatz und drei Teilen Schlacke besteht.

Zu der Mischung aus organischen und industriellen Abfällen mischt man eine alkalische Lösung aus Natriumsilikat und Natriumhydroxid, die das Gemisch bindet. Zum Schluss wird es noch in zylindrische Blöcke gepresst. Das Ganze soll dann stabil genug sein, um als eine Art Fundament unter der Oberfläche die Straße zu stärken.

Noch muss die Mischung einige Tests bestehen

Noch ist das Projekt aber in der Entwicklungsphase und in der nahen Zukunft wird es wohl nicht großflächig zum Einsatz kommen. Erstmal muss das Gemisch im Labor zeigen, ob es dauerhaften Verkehr tatsächlich aushält. Danach geht es ins Freie um zu testen, wie es auf unterschiedliche Wetterbedingungen wie Regen und Trockenheit reagiert. Besteht es diese Tests, könnte es tatsächlich auf, beziehungsweise unter der Straße landen. Wohl aber erstmal in geringem Ausmaß: "Wir schätzen, dass der Kaffeesatz von den Cafés aus Melbourne reicht, um fünf Kilometer Straße pro Jahr zu bauen", sagt Arulrajah.

Ungewöhnlich: Das Projekt finanzieren Arulrajah und seine Kollegen derzeit komplett selbst. Es ist das erste Mal, dass der Forscher mit Nahrungsmitteln arbeitet. Zuvor hat er an Glas und Klärschlamm als potenziellen Baumaterialien für Straßen geforscht. "Eines meiner Hobbys ist Kaffeetrinken", erklärt Arulrajah, wie er auf die neue Idee kam. "Dann sah ich, wie ein Barista den Rest an Kaffeesatz in den Mülleimer warf. Ich dachte mir, warum schaut man sich das Material nicht mal aus Ingenieurssicht an?" Und bald laufen Kaffeetrinker auf dem Weg zum Café vielleicht über eine Straße, an der sie durch ihre letzte Kaffeepause mitgewirkt haben.

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