Abgang von Hohmann-Dennhardt: VW wird zum Inbegriff einer Skandal-Firma

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KommentarAbgang von Hohmann-Dennhardt: VW wird zum Inbegriff einer Skandal-Firma

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Christine Hohmann-Dennhardt.

von Martin Seiwert

Nach nur einem Jahr wirft Christine Hohmann-Dennhardt bei VW hin. Wenn es ganz schlecht läuft für VW, heizt ihr Ausscheiden Dieselgate weiter an. Es droht ein Skandal nach dem Skandal, und es wäre nicht der erste.

Nach gerade mal einem Jahr schmeißt Christine Hohmann-Dennhardt bei Volkswagen das Handtuch. Die Compliance-Koryphäe, die die Antwort des Konzerns auf den Dieselskandal sein sollte, geht – der Skandal bleibt. Wenn es dumm läuft für VW, heizt ihr Ausscheiden Dieselgate sogar weiter an, statt, wie ursprünglich geplant, dessen Schäden wenigstens einzudämmen.

Der Grund ist simpel und fast schon langweilig, weil schon so oft vorgetragen: VW ist kein normales Unternehmen. Das ist nicht despektierlich gemeint, sondern eine ganz neutrale Feststellung – und eine, die in Wolfsburg in der Regel auch nicht bestritten wird. Der Konzern ist zur einen Hälfte eine gewerkschafts- und politikregierte Arbeitsplatzmaschine. Je mehr Jobs, umso besser.

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Zur anderen Hälfte ist es ein Familienunternehmen der Porsches und Piëchs, mit all den damit verbundenen Stärken und Schwächen. Die Eigenheiten von VW werden für alles mögliche verantwortlich gemacht, in Krisenzeiten für die Krise, in Jubeljahren für Rekordzahlen.

Gerade ist dieser unvergleichliche Konzern wieder mal in der Krise, wahrscheinlich in der schwersten der Unternehmensgeschichte. Die 99,99 Prozent der rund 600.000 Mitarbeiter, die sich im Dieselskandal nichts zuschulden kommen ließen, sehnen nichts mehr herbei als ein Ende des konzernweiten Ausnahmezustands. Recht haben sie! Das Spektakel dürfte nun auch mal wieder ein Ende haben. Dass die Medien da nicht mitspielen, liegt aber nicht an deren Blutdurst, sondern an einer VW-Führung, die alles tut, damit der Skandal in den Redaktionen nicht zu den Akten gelegt werden kann. Wirklich alles.

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Der jüngste Beleg dafür: Der Abgang von Hohmann-Dennhardt. In einem normalen Unternehmen wäre der undenkbar gewesen. Ein Unternehmen, das eine Expertin mit solcher Reputation in einer derart existenziellen Compliance-Krise an Bord holt, kann alles tun, bloß eines nicht: Sie nach einem Jahr im Streit – vor allem mit Vertrauten der Familien Porsche und Piëch – ziehen lassen. Denn die Botschaft, die das aussendet, lautet: Die Aufräumerin ist am Wolfsburger Filz gescheitert.

Das Unternehmen hat sich für Betrügerei und Mauschelei und gegen Rechtschaffenheit entschieden. Das muss in dieser Form noch nicht mal wahr sein. Aber wahr oder nicht, spielt hier keine Rolle. Denn für VW-Kunden, Anleger, US-Behörden hört es sich so an.

Manche im Konzern versuchen nun, den Schaden zu begrenzen, indem sie raunen, die frühere Verfassungsrichterin und Daimler-Vorständin sei der Aufgabe bei VW nicht gewachsen gewesen. Das ist angesichts ihrer unbestreitbaren Erfahrung und Expertise erstens kaum glaubwürdig und zweitens ziemlich dumm.

Denn das wird Hohmann-Dennhardt auf Dauer kaum auf sich sitzen lassen. Wenn sie, mit allem, was sie in Wolfsburg über den Skandal und den bis heute skandalösen Umgang des Konzerns mit selbigem gelernt hat, auf Rache oder zumindest Richtigstellung sinnt, dann muss sich VW warm anziehen.

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Es droht ein Skandal nach dem Skandal, und es wäre nicht der erste. In einem normalen Unternehmen wird ein Skandal erst gar nicht so monströs, weil die Verantwortlichen wissen, wie teuer es werden kann US-Behörden über Monate nach Strich und Faden zu belügen und Straftaten zu vertuschen. In einem normalen Unternehmen kommt nach einem Skandal mit der Tragweite von Dieselgate von außen ein neuer, unbelasteter Aufsichtsratschef als oberster Aufräumer und schmeißt erst mal mindestens die Hälfte der Vorstände raus.

Bei VW regiert auf ganzer Linie die alte Garde der möglichen Mittäter und Mitwisser. In einem normalen Unternehmen gibt der Vorstandschef kein von Presseverantwortlichen ausdrücklich autorisiertes Interview, in dem er als Reaktion auf einen selbst eingebrockten Skandal seine Kunden beschimpft. In einem normalen Unternehmen wird auch nicht über ein Jahr lang der Öffentlichkeit ein großer interner Untersuchungsbericht über einen Skandal versprochen, der tatsächlich aber nie kommen wird.

Aber VW ist eben nicht normal und wird deshalb immer mehr zum Inbegriff einer Skandal-Firma. Man fragt sich, wie lange die 99,99 Prozent Rechtschaffenen das mit sich machen lassen.

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