Opel: Mäßig erfolgreich umgeparkt

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Opel: Welche Einschnitte der neue Eigentümer PSA plant

Mäßig erfolgreich umgeparkt

Weitere Personalien lassen zumindest erahnen, wohin die Fahrt künftig gehen soll. Der intern beliebte Chef Karl-Thomas Neumann hat Opel mit Vollzug der Übernahme verlassen. In vier Jahren Amtszeit war es auch ihm nicht gelungen, den Autobauer in die schwarzen Zahlen zu führen. Und die bekannte Marketingchefin Tina Müller startet am ersten November auf dem Chefposten der Kosmetikkette Douglas. Sie hat das Image von Opel mit Fußballtrainer Jürgen Klopp als Markenbotschafter und der aufwendigen Kampagne „Umparken im Kopf“ aufgemotzt. Der zählbare Erfolg ist überschaubar. „Die Marketingkampagnen waren eher für Deutschland ausgelegt und haben im Ausland deutlich weniger Resonanz erzielt“, sagt Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Center Automotive Research.

Der europäische Marktanteil von Opel und seiner britischen Schwestermarke Vauxhall stagniert laut Dudenhöffer zwischen sechs und sieben Prozent – stützend wirken steigende Eigenzulassungen in Deutschland. Dabei melden Hersteller oder Händler Neuwagen kurz selbst an und drücken sie anschließend mit Rabatt in den Markt. Trotz dieser Nachhilfe verkaufte Opel weniger Autos. Wenn er die Zulassungszahlen von Opel ansehe, dann sei „das gerade die größte Not“, sagt IG-Metall-Chef Jörg Hofmann.

PSA hat selbst den Turnaround geschafft

Neu in der Geschäftsführung sind zwei PSA-Manager, die der Portugiese Tavares auf Schlüsselpositionen gesetzt hat. Rémi Girardon leitet die Produktion. Wie man Werke auf Gewinn trimmt, weiß der 44-Jährige, der zuletzt für die Industriestrategie von PSA zuständig war. Er leitete unter anderem das Werk im slowakischen Trnava, das heute das produktivste im Konzern ist. Der gleichaltrige Philippe de Rovira ist Finanzchef. Er hat entscheidend am damaligen PSA-Sanierungsplan „Back in the Race“ mitgewirkt, mit dem der Pleitekandidat PSA innerhalb von nur zwei Jahren aus der Krise fuhr. 2012 hatte das Unternehmen fünf Milliarden Euro Verlust gemacht. Heute liegt die operative Marge bei 7,3 Prozent.

Hintergründe zur PSA Group

  • Absatz

    Der vom Staat gestützte französische Autobauer PSA Peugeot Citroën hat im vergangenen Jahr weltweit über 3,1 Millionen Fahrzeuge abgesetzt. Der französische VW-Konkurrent mit den Marken „Peugeot“, „Citroën“ und „DS“ sieht sich in Europa schon länger als Branchenzweiter.

  • Sanierung

    Konzernchef Carlos Tavares fuhr in den vergangenen Jahren einen harten Sanierungskurs unter anderem mit Werkschließungen und Jobabbau. Um das vor drei Jahren stark angeschlagene Unternehmen zu retten, schoss unter anderem der französische Staat Geld zu und hielt zuletzt rund 14 Prozent der Anteile.

  • Chinesischer Investor

    Auch der staatlich kontrollierte chinesische Hersteller Dongfeng stieg 2014 bei dem Traditionsunternehmen mit 14 Prozent ein. Der Einfluss der Peugeot-Familie sank im Zuge der Sanierung hingegen beträchtlich.

  • Umsatz

    Der Umsatz betrug im vorvergangenen Jahr 54,7 Milliarden Euro; neuere Jahreszahlen liegen nicht vor. Der Konzern beschäftigte 184.000 Mitarbeiter.

  • Diesel-Untersuchung

    Unlängst schaltete die französische Antibetrugsbehörde nach Untersuchungen zu Diesel-Abgasen bei PSA die Justiz ein. Ein entsprechendes Dossier ging an die Staatsanwaltschaft. Es liegt nun an der Justiz, über eventuelle Folgen zu entscheiden. Der Konzern betonte, er habe seine Fahrzeuge niemals mit Betrugs-Software ausgestattet.

Damals sparte PSA im Einkauf und zunächst auch bei Investitionen in alternative Antriebe, löste sich aus der Abhängigkeit vom südeuropäischen Markt und verschob den Schwerpunkt von Mittelklasse- und Kleinwagen zu teureren Fahrzeugen. Die Produktpalette schrumpfte von 45 auf 26 Modelle. Allein das hat die Entwicklungskosten laut PSA um 20 Prozent gesenkt. Das Programm hat sich Tavares, der 2014 von Renault zu PSA kam, ausgedacht.

Und so könne das Konzept für Opel ähnlich aussehen, meint Jean-François Kondratiuk, Mitarbeitervertreter im PSA-Verwaltungsrat. „Wir haben uns die Modelle bei Opel angesehen, es sind zu viele“, berichtet er von einem Treffen des Kontrollgremiums mit dem Vorstand. Unrentable Varianten dürften ausgemustert werden. Cabrios etwa gebe es bei PSA heute keine mehr. Auch Patrick Michel, Sekretär des Globalen Betriebsrats von PSA, meint, dass die beiden Franzosen in der Opel-Führung „zweifellos die Methoden von Tavares verkörpern, um wieder rentabel zu werden“.

Dass der PSA-Chef die erprobten Rezepte bei der deutschen Neuerwerbung für wirksam hält, deutete er selbst auf der Automesse IAA an. Wenn er Opel-Chef „Michael“ (Lohscheller) und anderen Führungskräften die Leistungsindikatoren beider Marken im Vergleich zeige, sei deren Reaktion: „Wow! Das ist unmöglich.“ Aber das stimme nicht. „Wenn ich das kann, können sie es auch“, sagt Tavares. Auch für seine Pläne bei PSA sei er zunächst ausgelacht worden. „Viele sagten, das werde nicht funktionieren. Wir haben es gemacht. Das ist es. Wir haben es einfach gemacht“, sagt er. Wenn Opel in einigen Jahren das Niveau von PSA erreicht habe, werde der Autobauer aus Rüsselsheim eine „great, great company“ sein.

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In Frankreich hat PSA zwischen Ende 2012 und Ende 2015 fast 13.000 Stellen abgebaut. Dabei setzte der Konzern vor allem auf Vorruhestandsregelungen und Abfindungen. Zudem verzichteten die verbleibenden Mitarbeiter in Betriebsvereinbarungen auf Lohnerhöhungen und starre Arbeitszeiten. „Angesichts der fatalen Lage hätte die PSA-Führung gute Gründe gehabt, auf Entlassungen zu setzen. Aber genau das hat sie vermieden, und der Erfolg stellte sich trotzdem ein“, sagt Gewerkschafter Michel.

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