Opel: Karl-Thomas Neumann tritt zurück

Opel-Chef: Karl-Thomas Neumann tritt zurück

, aktualisiert 12. Juni 2017, 15:21 Uhr

Es hatte sich bereits angedeutet, jetzt ist klar: Opel-Chef Karl-Thomas Neumann wird den Autobauer bald verlassen. Was bedeutet das für die Übernahme durch PSA? Wer wird sein Nachfolger? Und was könnte Neumann machen?

Die Tage von Karl-Thomas Neumann bei Opel schienen bereits am Wochenende gezählt: Die „Frankfurter Allgemeiner Sonntagszeitung“ berichtete, er wolle das Unternehmen verlassen, sobald der Verkauf von General Motors an die französische Peugeot-Mutter PSA vollzogen sei.

Am Montag trat Neumann als Vorsitzender der Geschäftsführung des Autobauers zurück. Wie vermutet will er als Mitglied der Geschäftsführung an Bord bleiben, bis der Verkauf der GM-Tochter an Peugeot abgeschlossen sei – das teilte er zumindest über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

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Warum will Neumann Opel verlassen?

Seit den ersten Nachrichten über den Deal gab es Spekulationen über einen Abschied des 56 Jahre alten Neumann, dem eine Unterordnung unter PSA-Chef Carlos Tavares nicht zugetraut wurde. Schließlich hat Neumann den traditionsreichen Autobauer, der seit 1929 zum US-Konzern General Motors (GM) gehört, seit 2013 weitgehend eigenständig gelenkt. Diese Eigenständigkeit hätte Neumann eingebüßt, Paris wird Opel wohl an eine deutlich kürzere Leine nehmen als das die GM-Führung in Detroit gemacht hat. „Ich persönlich habe schon lange mit Neumanns baldigem Abschied gerechnet, denn eine Persönlichkeit wie er kann schlicht und einfach nicht unter einem PSA-Chef Carlos Tavares arbeiten“, sagte der frühere Opel-Betriebsratschef Klaus Franz im Gespräch mit der „Automobilwoche“.



Zudem wird ein Dissens über die künftige Strategie von Opel vermutet. Neumann wollte Berichten zufolge die Rüsselsheimer – innerhalb von General Motors – zu einer reinen Elektromarke umbauen. Das sollte bis 2030 geschehen, wie das „Manager Magazin“ im Frühjahr berichtet hatte. An dem Fokus auf die Elektromobilität soll Neumann auch nach dem sich anbahnenden Eigentümerwechsel festgehalten haben. Er habe Sorge, ob die Franzosen die einschneidende Wirkung der Elektromobilität richtig erkennen.

Der Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer erklärte jedoch, die Komplett-Umstellung von Opel bis 2030 sei unrealistisch. Man dürfe bei einer Volumen-Marke wie Opel die konventionellen Antriebe nicht so stark vernachlässigen, weil sie zu dem Zeitpunkt noch das weitaus größere Geschäftsfeld sein könnten. Das sieht die PSA-Spitze offenbar ganz ähnlich.

Was bedeutet das für Opel?

Obwohl Neumann sich in seinen vier Jahren in Rüsselsheim bei vielen Respekt verschafft hat – selbst Kritiker loben die griffige Werbung, das frische Image und die technisch stark verbesserte Produktpalette –, könnte es für das Unternehmen besser sein, wenn er Opel verlässt. PSA-Chef Tavares hat für Opel ambitionierte Pläne – regelmäßige Streitigkeiten zwischen den Managern würden das ganze Unterfangen lähmen. Und wenn PSA die Geduld verliert, stünde Opel wieder einmal vor einer ungewissen Zukunft.

Die Opel-Produktionsstandorte in Europa

  • Rüsselsheim

    Am Opel-Hauptstandort arbeiten 15.040 Beschäftigte, davon gut die Hälfte im Entwicklungszentrum. Die Produktion hat rund 4000 Arbeitnehmer. Sie bauen den Mittelklassewagen Insignia in mehreren Varianten, den Zafira sowie Getriebe und Komponenten.

    Quelle: rtr

  • Kaiserslautern

    Der Standort in Rheinland-Pfalz hat 2140 Beschäftigte. Sie produzieren Motoren und Fahrwerkskomponenten.

  • Eisenach

    In Thüringen laufen die Kleinwagen Corsa und Adam vom Band. Im Werk Eisenach arbeiten 1850 Menschen.

  • Polen

    Im polnischen Gliwice sind knapp 3270 Mitarbeiter beschäftigt. Sie bauen den Kompaktwagen Astra und das Cabrio Cascada und den Sportwagen Opel GTC. In Tychy stellen 410 Beschäftigte Motoren her.

  • Spanien

    In Figueruelas bei Saragossa laufen Corsa, der SUV Mokka und bald auch der Stadt-SUV Crossland X vom Band. Der Standort hat 5080 Arbeitsplätze.

  • Großbritannien

    Im Werk Ellesmere Port arbeiten 1830 Beschäftigte. Hier werden ebenfalls Astra-Modelle produziert.
    Der Standort Luton nördlich von London hat 1530 Arbeitnehmer und baut den Kleintransporter Vivaro.

  • Österreich

    Im Werk Aspern nahe Wien arbeiten 1390 Menschen. Dort werden Motoren und Getriebe hergestellt.

  • Ungarn

    Motoren und Komponenten produziert auch die Fabrik in Szentgotthard mit 1210 Arbeitnehmern.

  • Italien

    In Turin gibt es noch ein Zentrum zur Entwicklung von Dieselmotoren mit 700 Mitarbeitern.

Dass Opel nun wohl ohne seinen technik-affinen Leitwolf nach Paris umparken muss, schwächt die Position des Unternehmens im neuen Konzern, glaubt Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer vom Car-Institut der Universität Duisburg-Essen. Schon während der Übergangsarbeiten konnte Neumann seine neue Machtlosigkeit erleben, wenn Betriebsräte und IG Metall die vereinbarten Produktions- und Entwicklungsvolumina in einem Tarifvertrag festschreiben wollten. Ihre Verhandlungspartner dafür kamen vom Mutterkonzern GM, der ein Übergangsteam nach Rüsselsheim entsandt hat.

Wer wird auf Neumann folgen?

Finanzchef Michael Lohscheller (48) übernimmt den Vorsitz der Geschäftsführung. „Glückwunsch, Michael Lohscheller! Mit Ihnen bekommt #Opel einen CEO, der das Unternehmen genau kennt. Das ist die gute Nachricht des Tages!“, schrieb Neumann bei Twitter.

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Michael Lohscheller, der neue Opel-Chef.

Lohscheller ist seit September 2012 Chief Financial Officer und Geschäftsführer Finanzen und wechselte von VW nach Rüsselsheim. Bei den Wolfsburgern war er von 2004 bis 2007 Leiter Konzernmarketing und Vertriebssteuerung, danach leitete er bis zu seinem Wechsel das Finanzressort der Volkswagen Group of America. „Ich danke dem Aufsichtsrat für das Vertrauen. Wir werden den eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen und als Teil der PSA-Gruppe weiter an Schlagkraft gewinnen“, sagte Lohscheller laut einer Opel-Mitteilung. „Denn hier entsteht nach dem erwarteten Closing des Vertrags ein neuer europäischer Champion. “

Bereits zuvor war spekuliert worden, dass PSA auf eine interne Nachfolge setzt. Neben Lohscheller wurde auch Vertriebschef Peter Küspert für den Chefposten gehandelt, zudem wurden Marketing-Chefin Tina Müller in dem FAS-Bericht Chancen eingeräumt. Doch wie bei Neumann gab es auch um die Zukunft von Müller Gerüchte, seitdem der Verkauf an PSA bekannt wurde. Die von Müller ersonnene Kampagne „Umparken im Kopf“ war zwar unbestritten erfolgreich – doch ob es aus Paris künftig solche Freiheiten geben wird wie einst aus Detroit, ist unklar.

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