Energieversorgung: Die Angst vor dem Stromausfall

ThemaEnergiewende

Energieversorgung: Die Angst vor dem Stromausfall

von Henning Krumrey, Jürgen Salz, Harald Schumacher und Florian Willershausen

Die ersten Wochen seit dem Ausstieg aus der Atomkraft zeigen: Die Sicherheitsreserven schmelzen, Unternehmen drohen Lieferengpässe bei Gas und Strom.

Die Warnung war unmissverständlich: Man bitte die Kunden „dringend“, hieß es schriftlich, „alle zur Reduzierung Ihres Bezugs aus dem Netz zur Verfügung stehenden Maßnahmen anzuwenden“. Der Absender: die Gasversorgung Süddeutschland (GVS), der Grund: Den Schwaben wird ihr Rohstoff knapp. Für einige Abnehmer – Stadtwerke und regionale Gasverteiler – hat das Stuttgarter Unternehmen die Lieferungen bereits reduziert. Auch in Kreisen der bayrischen Wirtschaft heißt es, „mit der Einschränkung der Belieferung der Industrie in den nächsten zwei Wochen muss gerechnet werden“. Zitieren lassen will sich damit niemand – jetzt bloß keine Panikmache.

Standorte von Gaskraftwerken in Deutschland Quelle: Umweltbundesamt

Standorte von Gaskraftwerken in Deutschland

Bild: Umweltbundesamt

Im größten Industrieland des Kontinents wird die Energie knapp. Vergangene Woche, der ersten seit der Energiewende mit knackig frostigen Tagen, häuften sich die Risikofaktoren: Der russische Lieferant Gazprom schickte weniger Erdgas durch die Röhren nach Deutschland; die Kältewelle erfordert nicht nur mehr Gas für die Hausheizung, auch der Stromverbrauch steigt an und damit der Rohstoffbedarf der Gaskraftwerke, die in solchen Fällen zugeschaltet werden.

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Denn um die Wohnung aufzuwärmen, holen die Deutschen den alten Ölradiator aus dem Keller oder werfen den Heizlüfter an. Zusätzlich zapft Frankreich Strom aus Deutschland ab – die Nachbarn jenseits des Rheins heizen traditionell mit billiger Elektrizität aus ihren Atommeilern, doch die reicht in der aktuellen Kälteperiode nicht aus. In Frankreich baten die Stromversorger ihre Kunden bereits, die Waschmaschine besser nicht am Abend anzuschalten, die italienische Regierung setzte den Notstandsplan für die Gasversorgung in Kraft.

Gas fehlt, Spannung steigt

Auch hierzulande wächst die Anspannung bei Gasverteilern und Stromversorgern. Zum zweiten Mal in diesem Winter aktivierten die großen Elektrizitätskonzerne die sogenannte Kaltreserve: Bei plötzlich auftretenden Lücken fahren sie alte, eigentlich längst ausgemusterte Anlagen hoch. Auch ein Ölkraftwerk in Österreich musste erneut einspringen. Wettervorhersage paradox: Je tiefer Seen und Bäche einfrieren, desto dünner das Eis, auf dem sich die Energieversorgung der deutschen Unternehmen bewegt.

Seit der Energiewende „ist der Blick aus dem Fenster schon etwas intensiver geworden“, sagt Jörg Rothermel, Geschäftsführer des Unternehmensverbandes Energieintensive Industrien in Deutschland. Denn stärker als früher hängt die Versorgung an den erneuerbaren Energien. Wer seine Produktion für den nächsten Tag plant und keine langfristigen Stromverträge abgeschlossen hat, blickt nicht nur auf die Notierungen an der Strombörse EEX, sondern besser auch auf den Wetterbericht. Denn gerade bei Gasknappheit schauen die Unternehmen in die Röhre: Per Gesetz hat die Versorgung der Haushalte mit Wärme Vorrang vor der Belieferung der Industrie. „Was wir uns als Industriestandort hier leisten, ist schon bemerkenswert“, stöhnt Rothermel. „Von der Politik hört man nur, dass man sich über Kompetenzen streitet, wer was regeln darf.“

„Die einsetzbare Kraftwerksleistung ist infolge der im vergangenen Jahr außer Betrieb genommenen Kernkraftwerke deutlich reduziert, und der gegenwärtige Gasengpass vergrößert dieses Dilemma zudem noch“, analysiert Hans-Peter Villis, der Vorstandsvorsitzende der Energieversorgung Baden-Württemberg (EnBW). Die Versorger müssten mächtig eingreifen, um Engpässe auszugleichen. „Dank vieler gerade in den letzten Tagen durchgeführter Maßnahmen ist die Versorgung noch sicher und stabil, auch wenn die Sicherheitsreserven sich dem Ende zuneigen.“

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