Aktivistische Aktionäre machen Druck: Angriff der Fondskrieger

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Aktivistische Aktionäre machen Druck: Angriff der Fondskrieger

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Carl Icahn, Icahn Enterprises: Der Altmeister der Attacke macht seit 50 Jahren die Wall Street unsicher. Er mischte bei Texaco, Time Warner und Motorola mit, zuletzt legte er sich mit Dell, Netflix, Apple und Ebay an. Der Krieg hat sich ausgezahlt: Icahns Privatvermögen wird auf 20 Milliarden Dollar geschätzt.

von Cornelius Welp und Martin Seiwert

Aggressive Investoren wie Carl Icahn und der Elliott-Fonds aus den USA oder Cevian aus Schweden mischen weltweit Unternehmen mit Forderungen nach Chefwechseln oder Aufspaltung auf. Auch Deutschland nehmen sie jetzt stärker ins Visier. Nutzen oder schaden sie den Unternehmen?

Mit den korinthischen Säulen und der hohen Kuppel bietet die New Yorker Gotham Hall ein standesgemäßes Ambiente für den Auftritt eines treuen Förderers der Republikaner. Der Milliardär Paul Singer ist das seit vielen Jahren, was ihn nicht davon abhält, eine ausgeprägte Neigung zu eigenen Ansichten zu pflegen. So lobt er die Familie pflichtschuldig als „Fundament der Gesellschaft“, ergänzt aber unmittelbar, dass es „die Gesellschaft stärker macht, wenn auch Schwule und Lesben heiraten können“.

Singers Lust an Provokation und Einmischung hat den 69-Jährigen zum Schrecken börsennotierter Unternehmen gemacht. Und zu einer Legende, von der selbst ihre Opfer mit Respekt reden. Sein Hedgefonds Elliott sucht weltweit nach Unterbewertungen und Gesetzeslücken, seine Agenda verfolgt Singer ebenso rücksichtslos wie rational.

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Mal fällt er bei Konzernen ein und piesackt das Management mit besserwisserischen Ideen, mal kauft er Anleihen von Pleitestaaten wie Argentinien oder Kongo und verklagt die auf vollständige Rückzahlung. In Deutschland klinkt er sich gerne in Übernahmen ein, um höhere Preise durchzuboxen. Fast immer heißt der Gewinner der Kämpfe Singer. Seit der Gründung 1977 hat sein Fonds im Durchschnitt eine jährliche Rendite von 14 Prozent erzielt.

Massiver Druck

Mit einem verwalteten Vermögen von 23 Milliarden Dollar ist Elliott einer der größten „aktivistischen Aktionäre“. Diese kaufen sich mit Minderheitsanteilen bei Unternehmen ein und setzen das Management gehörig unter Druck. Ihr Ziel: Große strategische Änderungen sollen den Wert des Unternehmens in kurzer Zeit deutlich steigern. Wenn es gut läuft, können sich die Hedgefonds schon nach Monaten mit sattem Gewinn verabschieden.

Grafik "Geld für Geier"

Für eine größere Ansicht bitte auf die Grafik klicken.

Das Geschäft boomt. Aktivisten haben weltweit so viel Geld eingesammelt wie nie (siehe Grafik). Mit den frisch ergatterten Milliarden werden in den USA ansässige Fonds auch deutsche Unternehmen stärker ins Visier nehmen, bei denen sie verborgenes Potenzial wittern. Das erwarten Banker und Anwälte, die von deutschen Unternehmen Mandate für den Umgang mit den unwillkommenen Eindringlingen gewinnen wollen.

Deren Forderungen scheren sich wenig um gepflegte Tabus. So verlangen sie häufig, Unternehmensteile abzuspalten, Barmittel als Sonderdividende auszuschütten, dem Management weniger zu bezahlen oder es gleich ganz abzusetzen. Kurzfristig gehen die Aktienkurse bei ihrem Auftauchen nach oben. Ob der Angriff der Fondskrieger dem Unternehmen auch auf längere Sicht nützt, ist eine andere Frage.

Deutlich populärer als die Einmischung in Fragen der Unternehmensführung ist in Deutschland seit Jahren eine zweite Art des Aktivismus. Das hiesige Übernahmerecht mit seinem ausgeprägten Minderheitenschutz ist eine Art Einladung, erst mal ordentlich Krawall zu machen und dann abzukassieren. Einzelne Fonds haben sich darauf spezialisiert, so lange und so viel Ärger zu machen, bis der Käufer einknickt und einen höheren als den ursprünglich gebotenen Preis zahlt.

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