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Elektronikhersteller: Kreativität genauso wichtig wie unbedingter Gehorsam

Elektronikhersteller: Mit welchen Methoden Samsung die Welt erobert

Kreativität genauso wichtig wie unbedingter Gehorsam

Doch wie der Taylorismus an wirtschaftliche Grenzen stieß, weil er die Arbeit bis zur Unkenntlichkeit zerhackte und die Fähigkeiten der Beschäftigten verstümmelte, so wird nun für Samsung die diktatorische Ausrichtung auf Nachahmen und Masse langsam zur Fessel. Gegen Konzerne wie Apple können die Koreaner, so die wachsende Einsicht im Unternehmen, in dieser Verfassung nicht gewinnen. Für eine dauerhafte Weltmarktführung reichen weder der alte Umgang mit dem Personal noch die bisherigen Strategien. Samsung darf nicht mehr nur billiger sein als die Rivalen, sondern muss auch kreativer und innovativer werden.

Und tatsächlich beginnt sich im Unternehmen etwas zu ändern. „Entdeckung beginnt hier“ steht in riesigen Lettern auf Englisch an einer Hochhausfassade in der südkoreanischen Provinzhauptstadt Suwon rund 50 Kilometer von Seoul. Das Gebäude beherbergt die Zentrale von Samsung Electronics und markiert zugleich den Eingang zur „Samsung Digital City“. Dort arbeiten 30.000 Designer, Ingenieure und Werbeleute auf einem Gelände so groß wie 200 Fußballplätze. Die Anlage enthält Parks, Fitnessstätten und Kantinen. Für diejenigen, die hier etwas erfinden und entwickeln, sind alle Wohltaten kostenlos.

„Hier bereiten wir unsere Organisation auf die nächste Generation vor“, kündigte Choi Gee-sung, heute die Nummer zwei des Konglomerats, vor zwei Jahren an. Wie, das können Besucher heute besichtigen.

Übersicht zu Smartphone-Auslieferungen von Samsung und Co. (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)
Übersicht zu Smartphone-Auslieferungen von Samsung und Co. (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)

In „Samsung Digital City“ ist inzwischen der Nachweis der Kreativität eine wichtige Einstellungsvoraussetzung, nicht mehr nur unbedingter Gehorsam. Früher mussten die 3.000 Schlüsselangestellten, die für höhere Aufgaben vorgesehen waren, 27 Tage lang eine Erziehung zu bedingungsloser Loyalität über sich ergehen lassen, die Teilnehmer als „Gehirnwäsche“ beschrieben. Heute reichen fünf Tage. Samsung heuert mittlerweile gezielt Ausländer an und vergibt Führungsjobs auch an Frauen und Jüngere. Seit 2008 ist legere Kleidung erlaubt und gleitende Arbeitszeit möglich.

Auch die Zentralisierung ist gelockert. Bis vor vier Jahren fällte ein zentrales Planungsbüro mit 100 Managern unter der Devise „Single Samsung“ alle wichtigen Entscheidungen für jede Tochterfirma – von den Beförderungen bis zu den Investitionen. Seit der Auflösung dieses Kontrollturms dürfen die einzelnen Firmen des Konglomerats viel mehr selbst bestimmen. Die sechs Teams im verkleinerten „Strategiebüro“, das direkt bei Chairman Lee angesiedelt ist, entwickeln im Wesentlichen nur noch die generellen Linien.

Zum Fantasietanken ins Kino

Doch die von Lee Kun-hee verordnete Perestroika trägt bislang nicht die erhofften Früchte, mit denen Samsung Apple-Niveau erreichen kann. Vom gewohnten Blitztempo in der Halbleiter- und Hardwareproduktion ist im Softwarebereich wenig zu spüren. Die Samsung-Welt zum Beispiel aus Smartphones, Tablets und internetfähigen Fernsehgeräten sowie Online-Shops für Inhalte ist lange nicht so attraktiv wie bei den Wettbewerbern Apple, Google und Sony.

Vor allem der Samsung-App-Store mit den Anwendungen für Smartphones und Tablets sowie der Werbedienst Adhub Market hinken der Konkurrenz bis heute hinterher. Zwar hob Samsung Anfang November zusammen mit dem US-Internet-Pionier Yahoo eine Internet-Plattform für interaktives Fernsehen aus der Taufe. Und auch Geräte mit Google-TV wurden angekündigt. Doch laufen all diese Dienste anders als bei Apple nicht exklusiv auf Samsung-Geräten – und tragen so nichts zur Nachfrage ausschließlich nach ihnen bei. Der Nachfolger Tizen für das eigene Handybetriebssystem Bada kommt erst 2013. Samsung bleibt deshalb nur, Handys und Smartphones mit dem Google-Betriebssystem Android und dem Gegenstück von Microsoft, Windows 8, zu bauen.

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Kommentare | 5Alle Kommentare
  • 22.12.2012, 12:05 UhrKenaj

    "So kann nur einer mit Leuten umgehen, wenn er Koreaner ist, tief in der militärischen und konfuzianischen Tradition seines Landes von Zucht und Ordnung steht" (Zitat aus diesem Artikel!)

    So kann nur einer schreiben, wenn er ein chauvinistischer Journalist ist, tief in der militärischen und nationalistischen Tradition seines Landes von Vorurteilen und Halbwissen steht....

    Mal ernsthaft, wie kann es sein, dass ein Journalist einen so dermaßen einseitigen und vor allem unqualifizierten Artikel schreibt? Nicht nur, dass der Konzern hier als Aushängeschild Koreas dargestellt und gleichzeitig das ganze Land diffamiert wird. Gleichzeitig werden die Konkurrenten Apple (!) und Google (!) als Musterknaben dargestellt. Gerade wenn man so wenig Ahnung von Korea hat, sollte man doch zumindest etwas Objektivität besitzen und nicht die Konkurrenz, die keinen Sold besser ist in den Himmel loben.

    Dazu noch diese völlig wahrlosen Vergleiche mit dem Buhmann "Nordkorea". Ich glaube nicht, dass der Autor solch einen banalen Vergleich auch bei Nestle anstellen würde. Wie wäre es denn, wenn ein koreanischer Autor schreiben würde, dass es in deutschen Unternehmen, wie in der Wolfsschanze zugeht?

    Der Journalist muss auch wirklich ziemlich unbedarft sein, wenn er solche Autoren, wie den mit der Moon-Sekte paktierenden Michael Breen, zitiert und ihn als Koreaexperten darstellt.

    Wenn der Journalist, möchte kann er sich ja mal für seinen nächsten Artikel an eine auf Korea spezialisierte Forschungseinrichtung wenden, eventuell wird es dann nicht so ein Unfug.

  • 21.12.2012, 12:03 UhrRespekt

    Der Glaube an die Zukunft der Nation, der tiefe Respekt vor den wirklichen Leistungsträgern (nämlich den Ingenieuren) und die Anwendung preußischer Tugenden: Das ist ganz grob das Erfolgsrezept in Südkorea.

    Wie ist es bei uns? Glaube an die Nation? Wir dürfen an die EU glauben.

    Respekt vor den - bei uns ebenfalls - sehr guten Ingenieuren? Fehlanzeige. Der BWLer mit seiner universellen Inkompetenz in technischen Zukunftsfragen gibt hier überall lautstark den Ton an. Hinzu kommen in den Personalabteilungen Psychologen und in noch schlimmeren Fällen sogar Theologen. Niemals kann dabei etwas herauskommen.

    Preußische Tugenden? Man pfelgt sie nciht, sondern diffamiert sie anstatt stolz darauf zu sein, daß die Preußen als erste in der Welt die Schulpflicht und somit das zentrale Menschenrecht, in der Schule etwas lernen zu dürfen, eingeführt haben und daß sie vor allem als erste in der Welt die menschenverachtende Folter verboten haben. Im übrigen: Disziplin ist nichts Schlechtes, sondern etwas Gutes.

    Erfolgreiche wissen, daß sie von den Erfolglosen diffamiert werden. Deshalb rückt man hier auch Südkorea in die Nähe von Nordkorea. Aber das nutzt nichts: Die Großprobleme bei uns gehen davon nicht weg: Totalverschuldung und Kinderlosigkeit.

  • 20.12.2012, 12:02 UhrEuroTanic

    "Die harschen Zustände in den Fabriken sind wohl nötig, um solche Produkte herstellen zu können."
    Mit dem Argument kann man aja auch Kinderarbeit und sonstige unmenschliche Arbeitsbedigungen verteidigen. Hauptsache man hat selber das neuste und tollste Gerät? Gib's bei Ihnen noch mehr als das Streben nach Materie?

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