VW-Dieselgate: Angriffsfläche verringert

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VW-Dieselgate: Volkswagen steckt im Wirtschaftskrieg

Angriffsfläche verringert

Es fällt schwer, zum jetzigen Zeitpunkt ein Fazit zu ziehen, da der Angriff erkennbar anhält und da sich die Hintermänner noch nicht ausreichend geoutet haben. Festzuhalten ist jedoch, dass Volkswagen mehrere Möglichkeiten hat, die aktuelle Situation intelligent zu managen und sogar in seinem Sinne zu drehen:

Zum einen kann es in Bezug auf weitere Enthüllungen unserer Meinung nach nicht mehr schlimmer kommen. Die eigentliche Täuschungshandlung liegt klar und erkennbar offen und wird von Wolfsburg auch nicht angezweifelt oder schöngeredet. Allein dadurch ist die Angriffsfläche für den Autobauer massiv verringert worden. Sollte es nunmehr zu weiteren Enthüllungen kommen, dann nur noch dadurch, dass Volkswagen aktiv aufklärt und somit Teil der Lösung und nicht mehr des Problems ist.

Im Strafrecht wie in der Krisenkommunikation gilt, dass Geständnisse strafmildernd wirken. Zudem kann Volkswagen in Zukunft jede weitere Anstrengung – wie auch unangenehme Entdeckungen – mit positivem Vorzeichen versehen.

Des Weiteren ist damit zu rechnen, dass weitere Unternehmen vergleichbare Handlungen begangen haben. Tatsächlich steht die gesamte Automobilbranche aktuell unter Schockstarre. Im Grunde wäre es jetzt der ideale Zeitpunkt, den Finger in die Wunde zu legen... wäre da nicht die Gefahr, dass die eigenen Aussagen sehr bald zum Bumerang werden könnten. Volkswagen sollte hier genau beobachten, wer sich wie und in welcher Form äußert. Die Behörden werden das auf jeden Fall tun. Und was liegt näher für ein Unternehmen, das sich vorbildlich an der Aufklärung einer – dann branchenweiten – Praktik beteiligt, die hierfür zuständigen Institutionen mit Rat und Tat unterstützt.

Der Verbrennungsmotor stößt an seine Grenzen

Schließlich bietet die aktuelle Auseinandersetzung die Gelegenheit die Zukunftsfähigkeit der Volkswagengruppe langfristig zu sichern. Das mag auf den ersten Blick erstaunen, ergibt aber nahezu zwangsläufig, wenn man die Stoßrichtung des aktuellen Angriffs aus einem anderen Blickwinkel betrachtet und sich eine simple Frage stellt: Was wäre wenn, wenn die Attacke nicht der Marke Volkswagen sondern dem Konzept Verbrennungsmotor an sich gelten würde?

Die aktuelle Generation der Verbrennungsmotoren ist zwar leistungsfähiger und sauberer als je zuvor. Angesichts der sich weltweit ständig verschärfenden gesetzlichen Vorgaben – bei gleichzeitig steigenden Ansprüchen der Verbraucher an Komfort und Leistung – ist dennoch absehbar, dass das System Verbrennungsmotor als Antrieb für die Massenmotorisierung an seine Grenzen stößt. Die Revolution in diesem Bereich scheint überfällig. Dennoch herrscht in der Industrie die Tendenz vor, durch Größe, Luxus und Komfort den Verbraucher so lange wie möglich an eingeführte Systeme zu binden und notwendige Investitionen zu scheuen. Solange nicht mehrere große Akteure am Markt gleichzeitig den entscheidenden Schritt tun, wird sich hieran nichts ändern. Kein Unternehmen wird bereit sein, die technische Kompetenz von Jahrzehnten sowie den hier erreichten technischen Vorsprung ohne Not aufzugeben und den Konkurrenzkampf bei Null anzufangen.

Die unangenehme Wahrheit ist, dass die Industrie in den kommenden zehn Jahren genau vor diesem Problem stehen wird. Vor diesem Hintergrund bietet es sich an, genau jetzt die Flucht nach vorne zu ergreifen und als erster einen ernsthaften Schwerpunkt auf Hybrid-Fahrzeuge, Elektromobilität und verwandte Technologien zu setzen.

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Kriege werden durch Initiative und Offensiven gewonnen. Es ist an der Zeit, sich dies zu vergegenwärtigen und hieraus die notwendigen Schlüsse zu ziehen. Volkswagen hat heute gerade wegen der verfahrenen Situation die Chance, eine abgestimmte Strategie zu fahren, die öffentliche Diskussion und die weitere Entwicklung in seinem Sinne zu beeinflussen und seine Zukunftsfähigkeit zu erhalten. Wolfsburg kann diesen Konflikt somit gewinnen, und das ohne sich auf das geschmacklose Niveau und die indiskutablen Mittel seiner Angreifer herabzubegeben. Und dabei gleichzeitig die Möglichkeit, die bekannten Schlagworte „Das Auto.“ und „Vorsprung durch Technik“ mit neuer Bedeutung und neuem Glanz zu versehen.

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