Studie sieht Pleiten bei Versicherungs-Start-ups

Insurtechs: Auslese bei den Versicherungs-Apps

, aktualisiert 08. Dezember 2017, 10:53 Uhr
von Niklas Hoyer

Start-Ups aus dem Versicherungsbereich („Insurtechs“) erleben in Deutschland einen Boom, zeigt eine exklusive Marktstudie. Doch nun droht dem jungen Markt eine erste Auslese.

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Insurtechs rollen den Versicherungsmarkt auf

Wer als Versicherer etwas auf sich hält, veranstaltet einen Hackathon. Da treffen sich dann Programmierer und Versicherungsexperten und ersinnen neue, digitale Anwendungen oder gar Geschäftsmodelle. Das zeigt: Die Branche hat verstanden, dass neue Konkurrenz droht. Während in der breiten Öffentlichkeit bislang allenfalls auf Start-ups aus dem Finanzbereich geschaut wird, sogenannte Fintechs, erlebt Deutschland auch bei Start-ups im Versicherungsbereich einen Boom.

Gab es Mitte 2016 noch 53 davon sind es aktuell 109, mehr als doppelt so viele. Das zeigt die exklusive Marktstudie „Insurtech-Radar 2017“, die die Unternehmensberatung Oliver Wyman und der Lebensversicherungsaufkäufer Policen Direkt gemeinsam erstellt haben und deren Ergebnisse der WirtschaftsWoche vorab vorliegen.

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Mit 41 Prozent Anteil gibt es dabei eine Häufung von Start-ups aus dem Vertriebs-Bereich. „Wir erwarten hier weitere Marktaustritte“, sagt Nikolai Dördrechter, Geschäftsführer von Policen Direkt. Dabei müssten die Geschäftsmodelle nicht einmal schlecht sein. „In der Versicherungswelt setzt sich nicht zwingend das beste Produkt durch, sondern meistens das mit der besten Kundenansprache“, sagt Dördrechter. Je nach Versicherungstyp gibt es dabei große Unterschiede. „Bei der Kfz-Versicherung funktionieren digitale Vertriebsmodelle gut, weil solche Policen aktiv online gesucht und abgeschlossen werden“, sagt Dietmar Kottmann, Partner bei Oliver Wyman. „Viele Versicherungen werden aber vom Kunden weniger oder gar nicht aktiv nachgefragt. Da haben es die digitalen Vertriebsmodelle sehr viel schwerer.“

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Police via künstliche Intelligenz: Verkaufen uns bald Roboter Versicherungen? Quelle: Getty Images

Während es in anderen Ländern teils spektakuläre Insolvenzen gegeben habe, etwa in Großbritannien beim einst gehypten Peer-to-Peer-Insurtech Guevara, verlaufen die Marktaustritte in Deutschland laut Studie vergleichsweise still. Ein Grund: Bislang steckt noch relativ wenig Geld in Insurtechs. Das Zusammengehen des digitalen Versicherungsmaklers Knip mit dem niederländischen Software-Unternehmen Komparu werten die Studienautoren als wohl größten Exit der vergangenen Monate. Das Unternehmen wolle sich nun unter dem Namen Digital Insurance Group auf Versicherungssoftware konzentrieren.

Vor allem die direkte Endkundenansprache, also das klassische Maklergeschäft, mit dem Knip punkten wollte, ist extrem wettbewerbsintensiv. Auch die Website des Onlinemaklers Safe.me ist aus dem Internet verschwunden. Anfang 2015 hatte er den Versicherungsmarkt noch mit Flatrate-Versicherungen und provisionsfreien Produkten aufmischen wollen.

Insurtechs auf Geldsuche

Ausbleibende Finanzierungen könnten die weitere Marktbereinigung befeuern. Über 70 Prozent aller Insurtechs sind laut Studie auf Geldsuche – entweder suchen sie akut oder bereiten eine Finanzierungsrunde vor. Während Gründer noch einfach an Startkapital kämen, seien spätere Anschlussfinanzierungen schwer zu bekommen. Summen ab zwei Millionen Euro aufzubringen, stufen 65 Prozent der für die Studie befragten Insurtech-Unternehmer als schwierig oder sehr schwierig ein. 36 Insurtechs beteiligten sich an der Befragung.

Noch sind die Unternehmer trotzdem wählerisch: So halten 47 Prozent zum Beispiel ein finanzielles Engagement klassischer Versicherer für schädlich, etwa wegen Interessenskonflikten. Gleichzeitig hält jeder zweite das branchenspezifische Wissen der Investoren für nicht ausreichend. Rückversicherer als Geldgeber könnten hier ein Kompromiss sein: Zwei von drei Insurtech-Unternehmern sehen deren Beteiligung als optimal oder zumindest positiv an.

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