Geldanlage 2017: Beim Anleger-Smalltalk mitreden

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Geldanlage 2017: Beim Anleger-Smalltalk mitreden

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Zum Jahreswechsel nehmen sich viele Anleger vor, noch besser zu werden - damit das Sparschwein besser gefüllt ist.

von Heike Schwerdtfeger

Mancher schnappt im Laufe des Jahres nur ein paar Schlagworte zur Geldanlage, Versicherung und Rente auf. Was davon auch 2017 aktuell bleibt und in Diskussionen eine Rolle spielen wird, wie man den Niedrigzinsen entkommt und Freude am Vermögen haben kann.

Inflation kehrt zurück

Es fühlte sich eigentlich für die Verbraucher stets so an, als würden die Preise anziehen, im Supermarkt in der Fleisch-, Käse- oder Gemüseabteilung und zuletzt wieder an den Tankstellen. Aktien und Anleihen sind teuer geworden, von Immobilien in Metropolen ganz zu schweigen. Aber nach den offiziellen Statistiken sind die Preise im Euroland jahrelang maximal um ein Prozent gestiegen, deshalb sind die Zinsen rekordniedrig und das wird sich in 2017 kaum ändern. Hier ist auch ein stärkerer Preisauftrieb noch immer kein großes Thema, doch in den USA wird es brisanter. Dort läuft die Wirtschaft gut, der Arbeitsmarkt ist nahezu ausgelastet und die Löhne steigen bereits. Im kommenden Jahr werden die USA um über zwei Prozent wachsen nach Prognosen. Die Arbeitslosenquote liegt bei 4,6 Prozent, die Löhne steigen um über drei Prozent und auch die Inflation nähert sich der Zielmarke von zwei Prozent.

Rentenlücke und notwendige Sparraten Szenario I: zwei Prozent Inflation

  • Berufseinsteiger

    benötigtes Monatseinkommen, Nominalwert bei Renteneintritt: 4416 Euro

    anfängliche monatliche Rentenlücke: 2846 Euro

    benötigter Kapitalstock zum Ausgleich der Rentenlücke, bei Renteneintritt⁵: 693.092 Euro

    dafür benötigte monatliche Ansparraten⁶: 744 Euro

    ⁵ Anlagenzins nach Steuern wird mit drei Prozent angenommen. Erspartes reicht bis zu einem Lebensalter von 93 Jahren

    ⁶ Ansparraten, um auf den entsprechenden Kapitalstock bei Renteneintritt zu kommen; Anlagenzins nach Steuern von drei Prozent unterstellt (ohne unterjährige Verzinsung)

  • 40-Jähriger ohne Kinder

    benötigtes Monatseinkommen, Nominalwert bei Renteneintritt: 3414 Euro

    anfängliche monatliche Rentenlücke: 1296 Euro

    benötigter Kapitalstock zum Ausgleich der Rentenlücke, bei Renteneintritt: 315.617 Euro

    dafür benötigte monatliche Ansparraten: 627 Euro

  • Familie mit zwei Kindern

    benötigtes Monatseinkommen, Nominalwert bei Renteneintritt: 6828 Euro

    anfängliche monatliche Rentenlücke: 3847 Euro

    benötigter Kapitalstock zum Ausgleich der Rentenlücke, bei Renteneintritt: 936.868 Euro

    dafür benötigte monatliche Ansparraten: 1862 Euro

Deshalb ist die US-Geldpolitik auch restriktiver und die US-Notenbank hat bereits die Zinsen angehoben, um den Preisauftrieb zu bremsen. Aber Ökonomen fürchten, dass Donald Trump mit seinem geplanten Ausbau der Infrastruktur in den USA die schon jetzt gute Wirtschaftslage zusätzlich anheizt. Die Preise könnten stärker steigen, wenn er auch noch die Einfuhren durch Zölle verteuern sollte. Nach seiner Wahl reagierten die fünfjährigen Zinsen am Finanzmarkt sofort und stiegen sprunghaft an von knapp über zwei Prozent auf 2,85 Prozent.

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Wer von der Mini-Inflation profitiert - und wer nicht

  • Kaufkraft der Verbraucher

    Wer längerfristig gleichbleibende Einkommen wie Tarifgehälter, Renten oder Sozialleistungen bezieht, kann sich mehr für sein Geld leisten, wenn Preise kaum noch oder gar nicht mehr steigen. Das gilt auch für Menschen, die viel Geld auf der hohen Kante haben. Gleichzeitig bleibt bei Einkommens- und Lohnerhöhungen real - also nach Abzug der Teuerung - deutlich mehr Geld in den Taschen der Verbraucher, wenn die Inflation wie derzeit nahe null ist.

  • Unternehmen

    Wenn die Verbraucher mehr Geld zur Verfügung haben, etwa weil die Sprit- und Heizölpreise fallen, können sie sich mehr andere Waren leisten. Gleichzeitig profitieren Unternehmen von niedrigeren Einkaufspreisen wichtige Rohstoffe wie Öl: Ihre Kosten sinken.

  • Kreditaufnahme

    Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins im Kampf gegen den mickrigen Preisauftrieb auf fast null Prozent gesenkt. Das drückt die Zinsen, die Banken von Privatleuten und Unternehmen für Kredite verlangen. So kommen etwa Immobilienkäufer derzeit so günstig wie nie an Geld. Nach Zahlen der FMH Finanzberatung sind Hypotheken mit zehn Jahren Laufzeit aktuell im Schnitt für 1,6 Prozent Zinsen zu haben. Vor einem Jahr lag das Niveau demnach noch bei 2,67 Prozent, vor fünf Jahren bei 4,19 Prozent. Auch Staaten können sich am Markt günstiger frisches Geld besorgen, das entlastet indirekt die Steuerzahler.

  • Konjunktur

    Vor allem die rasante Talfahrt der Ölpreise schiebt die deutsche Wirtschaft an. Nach Einschätzung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) werden Unternehmen und Verbraucher in diesem Jahr um 20 Milliarden Euro entlastet, wenn die Preise auf dem aktuellen Niveau verharren. Auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hat betont: „Diese Entwicklung wirkt ähnlich wie ein kleines Konjunkturprogramm.“

  • Sparer

    Verbraucher sind nicht nur Kreditnehmer, sondern auch Sparer. Durch das magere Zinsniveau ist mit Tagesgeld oder Sparkonto fast nichts mehr zu verdienen. Immerhin: Weil die Preise kaum steigen, unterscheiden sich nominale Renditen kaum noch von den realen. Wer fürs Alter vorsorgen will, muss entweder mehr Geld zurücklegen oder größere Risiken eingehen.

  • Schuldner

    Was für die Kreditaufnahme gut ist, ist für ältere Verbindlichkeiten schlecht: Derzeit knabbert die Inflation die ausstehenden Schulden nämlich nicht weg. Das erschwert den Schuldenabbau und hemmt die wirtschaftliche Erholung, wie EZB-Vizepräsident Vítor Constâncio betont: „Wenn die Inflation sehr niedrig ist und das Wachstum ebenfalls, dann wird es immer schwieriger, diese Schulden zu bedienen.“

  • Deflationsgefahr

    Die EZB sieht Preisstabilität bei einer Inflationsrate von knapp unter 2,0 Prozent. Davon abrücken will die Notenbank nicht, wie Constâncio sagte: „Bei einem Inflationsziel von null Prozent ist die Gefahr hoch, dass die Wirtschaft in eine Deflation rutscht.“ Unter einer Deflation verstehen Ökonomen einen Teufelskreis aus sinkenden Preisen, steigenden Reallöhnen, niedrigeren Gewinnen und schrumpfender Nachfrage, weil Verbraucher und Unternehmen Anschaffungen und Investitionen aufschieben. Denn es könnte ja bald noch billiger werden. Die geringe Nachfrage kann weitere Preissenkungen zur Folge haben: Die Wirtschaft friert ein.

Investoren sind jetzt nicht mehr bereit, den USA für wenig Zinsen langfristig Geld zu leihen, wenn sie damit rechnen müssen, dass die Preissteigerungen den Zinsertrag auffressen. Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem Inflations- und Zinsschock kommen könnte, beurteilt Luca Paolini, Chefstratege im Asset Management der Schweizer Bank Pictet, als hoch. Die Zinssätze, zu denen die amerikanische Notenbank Fed die Banken mit Geld versorgt, müssten seiner Meinung nach noch deutlich höher liegen als bei den maximal 0,75 Prozent derzeit. Für wahrscheinlich hält Paolini auch eine Wachstumsbeschleunigung weltweit. Die weltweit aber noch im Vergleich zu den USA niedrigen Zinsen und starkes Wachstum könnten nach Ansicht von Paolini 2017 durchaus zu einem Zinsschock führen.

Die wichtigsten Fakten zur niedrigen Inflation

  • Was bedeutet das niedrige Preisniveau für Verbraucher?

    Autofahrer können sich ebenso freuen wie alle, die Haus oder Wohnung heizen müssen: Die Sprit- und Energiepreise liegen seit Monaten unter dem Vorjahresniveau. Auch der starke Euro trägt dazu bei, dass Tanken und Heizen günstiger wird: Die Euro-Stärke verbilligt die in Dollar abgerechneten Rohölimporte. Niedrige Inflation ist also in diesem Fall gut fürs Portemonnaie: Verbraucher bekommen mehr für ihr Geld. Allerdings liegt selbst die derzeit sehr niedrige Inflationsrate in Deutschland noch über den Zinsen, die aktuell auf den meisten Sparbüchern oder Tagesgeldkonten zu verdienen sind. Ersparnisse verlieren also unter dem Strich an Wert. Allerdings wären die Einbußen für Sparer noch größer, wenn die Inflation höher läge.

  • Was ist schlecht an sinkenden Preisen?

    Das Problem ist, wie Verbraucher und Unternehmen die künftige Entwicklung des Preisniveaus einschätzen. Wer weiter sinkende Preise erwartet, verschiebt vielleicht den Kauf der neuen Waschmaschine oder die Investition in die neue Fabrikhalle - denn es kann ja eigentlich nur günstiger werden. Das könnte eine gefährliche Abwärtsspirale in Gang setzen: Unternehmen machen weniger Gewinn, Mitarbeiter werden entlassen. Diese können sich dann weniger leisten und der Druck, Preise weiter zu senken, nimmt zu. Diese Verkettung lähmt die Konjunktur. In der Folge sinken auch die Steuereinnahmen und die Belastungen durch Schulden und Sozialleistungen nehmen zu.

  • Warum ist die Inflationsrate derzeit so niedrig?

    70 Prozent des Inflationsrückgangs im Euroraum, so hat es kürzlich EZB-Präsident Mario Draghi vorgerechnet, gehen auf das Konto gesunkener Energie- und Lebensmittelpreise. Dass das Preisniveau in Deutschland noch höher ist als in vielen anderen Eurostaaten liegt daran, dass in Ländern wie Griechenland, Spanien und Co. Unternehmen Preise senken müssen, um wettbewerbsfähiger zu werden. Zudem müssen Regierungen sparen, um hohe Schuldenberge abzutragen. In Deutschland ist die Konjunktur hingegen relativ robust. Das schafft Raum für Investitionen und Lohnerhöhungen.

  • Droht eine für die Konjunktur gefährliche Deflation?

    Darüber gehen die Meinungen auseinander. So warnt das DIW vor der Gefahr „einer sich selbst verstärkenden Deflationsspirale“ bei langanhaltend niedrigen Inflationsraten. DIW-Präsident Marcel Fratzscher fordert ein Eingreifen der Europäischen Zentralbank. Im „Focus“ schreibt er: „Ohne ein beherztes Eingreifen der EZB sehe ich schwarz.“ Europas Währungshüter rechnen zwar mit einer niedrigen Inflationsrate in diesem und im kommenden Jahr, Deflationsrisiken sehen sie aber nicht.

  • Was kann die Europäische Zentralbank tun?

    Draghi hat klargestellt, dass die EZB bereit ist, alles zu tun, sollte die Teuerungsrate überraschenderweise weiter sinken. Die Notenbank prüfe auch weitere unkonventionelle Maßnahmen, darunter ein Programm zum Anleihekauf („Quantitative Lockerung/QE). „Ob die EZB noch einmal die Zinsen senkt, oder gleich ein breit angelegtes Anleihenkaufprogramm beschließt, würde wohl davon abhängen, wie stark sie ihren mittelfristigen Inflationsausblick nach unten korrigiert“, glaubt Commerzbank-Ökonom Christoph Weil.

  • Wie werden sich die Verbraucherpreise weiter entwickeln?

    Die EZB erwartet, dass die Inflationsrate schon im April wieder etwas anziehen wird. Volkswirt Weil erklärt, warum: Der übliche Anstieg der Preise für Reisen und Hotelübernachtungen rund um Ostern fällt in diesem Jahr in den April und nicht wie 2013 in den März. Zudem dürften die Energiepreise im April anders als im Vorjahr nicht sinken. Hierfür sprechen nach Weils Einschätzung etwa die tendenziell höheren Benzinpreise während der Osterferien. Insgesamt erwartet die Commerzbank, dass die Inflation im Euroraum in den kommenden Monaten um 0,8 Prozent pendeln wird.

  • Müssen Verbraucher für Nahrungsmittel weiterhin mehr zahlen als 2013?

    Vorerst ja, allerdings stiegen die Preise für Nahrungsmittel in Deutschland zuletzt nicht mehr so rasant wie in den vergangenen Monaten. Da wegen des milden Wetters früher frisches Obst und Gemüse zu haben ist, dürfte der saisonübliche Preisrückgang für diese Waren in diesem Jahr früher einsetzen. 2013 hatte das kalte Frühjahr die Ernte verzögert. Sinkende Preise für Lebensmittel freuen die Verbraucher, sie können allerdings die Inflation insgesamt wieder etwas drücken.

In einem solchen Szenario wären für die Strategen von Pictet Rohstoffe und Liquidität die besten Anlageklassen. Bei Anleihen hingegen müssten die Anleger mit hohen Verlusten rechnen. Von einem starken Wirtschaftswachstum hingegen könnten Rohstoffe profitieren, aber auch Aktien, während Gold und Anleihen zu den Verlierern gehören könnten.
Im Euroland versucht die Zentralbank noch immer mit Nullzinsen und Wertpapierkäufen das Wirtschaftswachstum und die Inflation zu stimulieren. Hochverschuldete südeuropäische Länder wie Portugal, Spanien und Italien machen zaghafte wirtschaftliche Fortschritte, konnten aber ihre Verschuldung kaum verringern. Höhere Zinsen in den USA ziehen Investoren an, die dann weniger Geld im Euroland investieren. Die Refinanzierung der Schuldenländer könnte schwieriger werden. Im Zusammenhang mit Inflation könnten dann auch Schlagzeilen wie „Die Eurokrise kehrt zurück“ 2017 den Kapitalmarkt erneut beunruhigen.

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