Geschäftsmodell der Deutschen Umwelthilfe: Der Schreck der Autobosse

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Geschäftsmodell der Deutschen Umwelthilfe: Der Schreck der Autobosse

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DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch.

von Simon Book

Jürgen Resch jagt mit der Deutschen Umwelthilfe die Autokonzerne in Sachen Abgaswerte vor sich her. Dabei geht der Öko-Kämpfer nicht immer zimperlich vor. So funktioniert seine Kampagnen-Maschine.

Als es im Saal 2709 des Landgerichts Berlin spannend wird, lehnt sich Jürgen Resch leicht nach vorne. Der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH) sitzt an der Seite der Richterbank, neben ihm seine beiden Anwälte in schwarzen Roben. Er hat Angst von ihnen verdeckt zu werden, also hebt er seine Hand. „Frau Vorsitzende...“ beginnt Resch. Doch Richterin Klinger hört ihn nicht. Dann etwas lauter: „Frau Vorsitzende, darf ich dazu.“ Kopfnicken auf der Richterbank.

Resch hat das Wort. Seit Jahren, sagt er, werde er jetzt verklagt. Ein Plastiktütenhersteller etwa fordere 2,7 Millionen Euro von ihm persönlich für entgangene Gewinne. „Ich habe schon einige Bedrohungen erlebt. Aber wenn Daimler in dieser Klage siegen würde, hätte dies weitreichende negative Folgen für die Arbeit von Umwelt- und Verbraucherschutzverbänden.“

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Eigentlich sollte an diesem Tag nur über eine Einstweilige Verfügung entschieden werden, mit der ein Anwalt des Autobauers verhindern wollte, dass Resch ein Schreiben des Konzerns öffentlich macht.

DUH: Reschs größte Kampagnen

  • 1982

    Verbot des Pestizids Endrin.

  • 2001

    Einführung schwefelfreier Kraftstoffe.

  • 2002

    Dosenpfand

  • 2005

    Dieselpartikelfilter

  • Seit 2005

    Einrichtung von Umweltzonen in den Städten.

Ab sofort aber geht es im dunkel-holzgetäfelten Saal 2709 um viel mehr - um die Rechte von 80 Millionen Deutschen nämlich, deren Interessen Reschs Umwelthilfe gerne zu vertreten vorgibt und die er durch die Konzerne in Gefahr wähnt.

Es ist Reschs übliche Vorgehensweise. Er muss sich und seine DUH aufladen mit Bedeutung, sie größer und mächtiger machen, als sie eigentlich ist. Zu einem Scheinriesen gewissermaßen. Nur so nämlich, glaubt Resch, kann er gegen die anderen Riesen bestehen, die er bekämpft: die deutsche Autoindustrie. Am vorvergangenen Donnerstag erst konnte er verkünden, auch Opel benutze sogenannte Abschalteinrichtungen, also Anlagen, die dazu führen, dass die Abgasreinigung nur eingeschränkt funktioniert. Bisher hatte Opel bei dem betreffenden Modell gesagt, die Abgasreinigung funktioniere im Bereich von 20 bis 30 Grad vollumfänglich.

Reschs Messungen nun zeigen Ausnahmen. Er nennt sowas: „skandalisieren“. Seine Gegner sagen, er brauche „eine Drohkulisse für seinen Lobbyismus“.

Jürgen Resch ist sowas wie der Berufskläger der Republik. Seit 1986 ist er Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe. In 30 Jahren hat er aus dem Ökoverein aus Radolfzell am Bodensee die wohl mächtigste Umweltlobby der Republik geformt. Als Verbraucherschutzorganisation darf sie Konzerne und Firmen direkt abmahnen, wenn sie Rechte der Konsumenten in Gefahr wähnt. Über zwei Millionen Euro nimmt sie allein dadurch jedes Jahr ein. Die DUH ist zwar nur eine von 78 eingetragenen Verbraucherschutzverbänden beim Bundesjustizministerium. Doch kaum ein Verein klagt häufiger: 1500 Rechtsverfahren strengen Resch und seine Truppe jährlich an, 400 davon landen tatsächlich vor Gericht. Lediglich vier Prozent der Fälle, sagt Resch, gingen verloren.

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