Thyssenkrupp und Bilfinger: Wie sich Cevian in Deutschland verpokert hat

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Thyssenkrupp und Bilfinger: Wie sich Cevian in Deutschland verpokert hat

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Cevian pokert mit thyssenkrupp und Bilfinger.

von Florian Zerfaß, Matthias Kamp, Stephanie Heise, Yvonne Esterházy, Cornelius Welp und Harald Schumacher

Ernüchterung bei Thyssenkrupp, Dauerprobleme bei Bilfinger: Statt fetter Gewinne gab es für Cevian in Deutschland Verluste. Der Finanzinvestor ist dabei, den eigenen Ruf zu zerschlagen.

Als am Donnerstag vorletzter Woche der Aufsichtsrat von Thyssenkrupp tagt, kommt die brisanteste Aussage von einem, der gar nicht dabei ist. Es ist der Tag vor der Hauptversammlung (HV). Während Chefaufseher Ulrich Lehner mit seinen Kollegen den Dividendenvorschlag des Vorstands von 15 Cent je Aktie diskutiert, tickert die Nachrichtenagentur Reuters: Lars Förberg, Partner des schwedischen Finanzinvestors und Großaktionärs Cevian, lehne eine Dividende ab, sie sei „angesichts der finanziellen Lage nicht sinnvoll“. Mitarbeiter geben die Info sofort in die Sitzung, Lehner ist pikiert. Druck machen über die Medien, das gefällt dem früheren Henkel-Chef gar nicht. Cevians Vertreter im Kontrollgremium, Jens Tischendorf, erntet böse Blicke, nicht nur von Lehner.

Tags darauf in der HV hat Cevian keine Chance: Drei Viertel der Aktionäre stimmen für die Dividende, der Investor, der über gut 15 Prozent der Stimmen verfügt, hat kaum Mitstreiter gefunden. Das Anti-Cevian-Bollwerk in Essen steht. Gedankenspiele der Schweden um eine Abspaltung profitabler Bereiche stoßen auf Widerstand. „Wir haben kein Ziel, auch nicht ansatzweise, Thyssenkrupp zu zerschlagen“, sagt Vorstandschef Heinrich Hiesinger auf der HV. Bei Cevian wachse die Ernüchterung, berichten Insider. Denn der aktivistische Investor will maßgeblichen Einfluss auf die Strategie der Unternehmen gewinnen, an denen er sich beteiligt hat.

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Eine Auswahl bisheriger Investitionen des Finanzinvestors Cevian

  • ABB (Schweiz)

    Branche: Energie, Automatisierung

    Einstieg: 2015

    Anteil (Prozent): >5

    Ausstieg: -

    Strategie: operative Verbesserung, Abspaltung mögl.

    Performance: schlecht

    Quelle: Unternehmensangaben , eigene Recherche

  • RSA Insurance (Großbritannien)

    Branche: Versicherung

    Einstieg: 2014

    Anteil (Prozent): 13

    Ausstieg: -

    Strategie: Verkauf (gescheitert)

    Performance: schlecht

  • ThyssenKrupp (Deutschland)

    Branche: Stahl, Technologie

    Einstieg: 2013

    Anteil (Prozent): 15

    Ausstieg: -

    Strategie: operative Verbesserung, Abspaltung

    Performance: schlecht

  • Bilfinger (Deutschland)

    Branche: Dienstleistungen, Bau

    Einstieg: 2011

    Anteil (Prozent): 26

    Ausstieg: -

    Strategie: operative Verbesserung, Abspaltung

    Performance: schlecht

  • Danske Bank (Dänemark)

    Branche: Bank

    Einstieg: 2011

    Anteil (Prozent): 8

    Ausstieg: -

    Strategie: operative Verbesserung

    Performance: gut

  • Cookson (Großbritannien)

    Branche: Mischkonzern

    Einstieg: 2011

    Anteil (Prozent): >20

    Ausstieg: teilweise 2015

    Strategie: Aufspaltung, teilweise Verkauf

    Performance: gut

  • Demag Cranes (Deutschland)

    Branche: Kräne

    Einstieg: 2010

    Anteil (Prozent): 10

    Ausstieg: 2011

    Strategie: Verkauf

    Performance: gut

  • Old Mutual (Großbritannien)

    Branche: Versicherung

    Einstieg: 2009

    Anteil (Prozent): 7

    Ausstieg: teilweise 2014

    Strategie: operative Verbesserung, Abspaltung

    Performance: gut

  • Daimler (Deutschland)

    Branche: Automobile

    Einstieg: 2008

    Anteil (Prozent): <3

    Ausstieg: nicht bekannt

    Strategie: nicht bekannt, vermutlich Abspaltung

    Performance: durchschnittlich

  • Munich Re (Deutschland)

    Branche: Versicherung

    Einstieg: 2007

    Anteil (Prozent): 3

    Ausstieg: 2010

    Strategie: operative Verbesserung

    Performance: durchschnittlich

  • Volvo (Schweden)

    Branche: Lkw

    Einstieg: 2006

    Anteil (Prozent): 8

    Ausstieg: –

    Strategie: operative Verbesserung, Abspaltung

    Performance: durchschnittlich

  • Teliasonera (Schweden)

    Branche: Telekom

    Einstieg: 2006

    Anteil (Prozent): 2

    Ausstieg: 2009

    Strategie: neue Strategie

    Performance: gut

  • Metso (Finnland)

    Branche: Maschinenbau

    Einstieg: 2005

    Anteil (Prozent): 14

    Ausstieg: -

    Strategie: Abspaltung

    Performance: gut

  • Skandia (Schweden)

    Branche: Versicherung

    Einstieg: 2004

    Anteil (Prozent): 7

    Ausstieg: 2006

    Strategie: Verkauf

    Performance: gut

Die Schweden sind berüchtigt dafür, dass sie Vorstände unter Druck setzen, damit diese nach ihren Vorstellungen handeln. Doch ihre Strategien sind in Deutschland nicht aufgegangen. Beim neben Thyssenkrupp zweiten großen Engagement, dem Mannheimer Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger, ist die Misere im fünften Jahr nach dem Einstieg größer denn je. Der Finanzinvestor, der zwölf Milliarden Euro Anlegergeld verwaltet, liegt mit beiden Beteiligungen addiert etwa eine halbe Milliarde Euro im Minus.

Vom Anspruch, das eingesetzte Kapital binnen drei bis fünf Jahren zu verdoppeln, ist man meilenweit entfernt. In Finanzkreisen heißt es, Cevians Geldgeber würden nervös, wollten Resultate sehen. Cevian-Kenner weisen das zurück. Doch der Investor erhöht den Druck bei seinen Beteiligungen. Obwohl die Preise für Investitionsgüterfirmen gefallen sind, drängt Cevian darauf, Bereiche abzuspalten. Kurzfristig könnte das zu Wertsteigerungen führen, langfristig aber die Unternehmen schwächen.

"Cevian hat nichts bewiesen"

Bisher hat Cevian, anders als in anderen europäischen Ländern, in Deutschland viel versprochen und wenig gehalten. „Sie haben in keinem Fall bewiesen, dass sie ein unterbewertetes Unternehmen schnell besser machen und so den Wert deutlich erhöhen können“, sagt ein hochrangiger Frankfurter Investmentbanker über Cevian. „Bilfinger haben sie nicht verstanden und keinen Wertbeitrag geliefert.“ Bei Thyssenkrupp könne sich Cevian nicht durchsetzen. Durchdachte Konzepte für eine angeblich wertsteigernde Neuausrichtung seien nicht in Sicht.

Konzern mit Rekordverlust Bilfinger navigiert im Blindflug

Den am Donnerstag verkündeten Rekordverlust von Bilfinger hatte die Börse schon eingepreist - die Desorientierung und Sprunghaftigkeit des Managements bei der Suche nach einer neuen Strategie hingegen nicht.

Fast eine halbe Milliarde Euro Verlust muss der Bau- und Dienstleisterkonzern für das Jahr 2015 verbuchen. Quelle: dpa

Deshalb will Cevian zu einem vermeintlichen Allheilmittel greifen: Abspaltungen. Bei Thyssenkrupp liebäugelt der ambitionierte Großinvestor nach der zunächst favorisierten Abstoßung der ertragsschwachen Stahlsparte nun damit, die Filetstücke Aufzüge oder Autozulieferung zu Geld zu machen. Bei Bilfinger gilt das Gebäudemanagement als Verkaufskandidat – die einzige Sparte, die aktuell überhaupt funktioniert. Auch beim jüngsten Investment, dem Schweizer Energie- und Automatisierungskonzern ABB, treibt Cevian die Aufspaltung voran.

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