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Knigge: Stilblüten und Fettnäpfchen in den USA

von Andreas Henry (New York)

Auf welche Regeln Sie im Büro, beim Geschäftsessen, im Alltag und beim Dresscode in den USA achten sollten.

Manieren USA
Krawatte muss nicht immer sein, aber zeigen Sie nicht zu viel Haut

Abendtermine Schlagen Sie keine Geschäftstermine am Abend vor. Amerikaner haben zwar kein Problem damit, lange zu arbeiten, doch danach möchten sie schnell nach Hause zur Familie. Abendtermine laufen eher informell mit den Partnern ab.

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Alkohol Halten Sie sich — auch abends — beim Alkoholkonsum zurück. Zum Lunch ist Alkohol sogar nahezu komplett verpönt. Trinken Sie stattdessen Eistee.

Anrede Reden Sie Frauen nicht mit „Miss“ an! Das klingt für die meisten so albern wie für uns das „Fräulein“. Meist stellen sich Amerikaner mit ihrem Vornamen vor. Dann sollte man sie auch so ansprechen. Ansonsten mit „Sir“ oder „Madam“.

Begrüßen Auf das obligatorische „How are you?“ nie mit Elogen über die eigene Befindlichkeiten antworten. „I’m fine, thank you” reicht. Der Händedruck ist fest, aber kurz. Wichtig sind Komplimente — etwa über den Blick aus dem Konferenzraum, die Vorbereitung des Meetings, die Stadt, das nette Hotel. Und jammern Sie nicht über Deutschland! Seien sie positiv, das kommt besser an.

Danken Bedanken Sie sich ständig! Bei den Teilnehmern des Meetings für ihr Kommen, ihre Zeit, ihr Engagement. Beim Assistenten, beim Lieferanten. Stellen Sie Teilnehmer einer kleineren Besprechung einzeln vor und teilen Sie den anderen kurz mit, welchen Beitrag jede Person geleistet hat oder leisten wird.

Dresscode In vielen Branchen — mit Ausnahme der Finanzszene an der Ostküste — geht es tagsüber wenig formal zu. Oft reicht eine Kombination, sogar ohne Schlips. Im Zweifel aber gilt: lieber zu formal als zu lässig, abrüsten geht später immer noch. Für Frauen gilt allerdings überall: nicht zu viel Haut zeigen. Die eher prüden Amerikaner rümpfen darüber die Nase.

Einladungen Wenn Sie privat nach Hause eingeladen werden, bleiben Sie nicht länger als drei Stunden. Bringen Sie Blumen und eine gute Flasche deutschen Wein mit und referieren Sie kurz über das Anbaugebiet. Vergessen Sie keinesfalls die Dankeskarte am nächsten Tag.

Essen Viele Amerikaner schneiden Fleisch oder Fisch erst in mundgerechte Portionen und essen dann mit der rechten Hand, während die linke im Schoß liegt. Unsere beidhändige Variante wird aber akzeptiert.

Komplimente Bitte nie Kommentare zum Aussehen einer Person – weder positive noch negative! Das wird oft als sexuelle Belästigung verstanden und hat schon manchen Job gekostet. Loben Sie lieber Leistung und Teamwork.

Konferenzen Machen Sie auf Stehempfängen die Runde. Es ist normal, sich wildfremden Leuten vorzustellen und sich nach kurzem Augenkontakt zu einer Gruppe zu stellen, um diese in ein Gespräch zu verwickeln: Woher kommen Sie? Was machen Sie? Für wen arbeiten Sie? — Dieses „working the crowd“ gilt nicht als aufdringlich, sondern kontaktfreudig. Wundern Sie sich aber nicht, wenn Sie ihr Gesprächspartner nach wenigen Minuten einfach stehen lässt. Auch er nutzt die Zeit zum Networking.

Kritik Mit offener Kritik können Amerikaner schlecht umgehen. Selbst wenn die Ergebnisse unterdurchschnittlich sind: Geben Sie zu verstehen, dass der andere sein Bestes gab. Loben Sie kleine Fortschritte und versuchen Sie, kritische Anmerkungen positiv zu kleiden: „That was great, but next time we will even be better.“

Pünktlichkeit Seien Sie pünktlich, auch wenn Amerikaner das laxer handhaben – in großen Städten gibt es nun mal Staus und Verspätungen. Aber erscheinen Sie, andererseits, nie zu früh! Das gilt als extrem unhöflich, vor allem bei privaten Einladungen.

Small Talk Niemals den US-Präsidenten kritisieren! Politische Themen sind tabu. Lassen Sie sich auch nicht von Fragen wie „Gibt Ihre Kanzlerin eine gute Figur ab?“ zu politischen Vorträgen provozieren. Die Antwort „Ich glaube, sie hat insgesamt ganz gute Presse“ reicht. Weitere Tabuthemen sind Religion, Rasse und Sex. Vorsicht bei Vorträgen über unseren Fußball (der in den USA Soccer heißt)! Das könnte als despektierliche Äußerung über „American Football“ missverstanden werden.

Visitenkarten Verteilen Sie Ihre Karten nicht einfach. Fragen Sie lieber nach der Business Card des anderen. Sagt der, seine seien ihm ausgegangen, hat er kein Interesse an weiterem Kontakt. Die eigene Karte bieten Sie nur an, wenn Ihr Gespräch über Höflichkeitsfloskeln hinaus ging.

Die wichtigsten Benimm-Regeln im Überblick

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3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 18.01.2009, 09:44 UhrAnonymer Benutzer: adam

    „That was great, but next time we will be 'even' better.“ ist grammatisch korrekt.

  • 16.01.2009, 18:14 UhrAnonymer Benutzer: LOLOLOLO

    „That was great, but next time we will even be better.“ LOL

  • 16.01.2009, 14:59 UhrAnonymer Benutzer: Ric

    Abgesehen davon dass man NiCHT "Madam" sondern "Ma'am" sagt sind die Regeln schon ganz naja annehmbar. Aber so wie es in freier Wildbahn wenige "typische" Deutsche gibt, trotz aller Klischees, so gibt es auch wenige "typische" Amerikaner. ich bin selber Amerikaner und finde mich dort z.T. gar nicht wieder. Es gibt in den USA 300 Mio. individuen, insofern sollte man auch seinen eigenen instinkt benutzen und auf das Gegenüber eingehen. Wenn man in Situationen der Nervosität diese "Regeln" im Hinterkopf hat kann einem das aber Selbstsicherheit geben. Was allerdings stimmt ist dass Amerikaner eine viel stärkere Trennung zwischen Privatem und beruflichem vornehmen. Da sollte man sich nicht davon blenden lassen dass dort die Anrede mit Vornamen üblich ist, im Übrigen "Duzen" sich Amerikaner nicht sondern "Siezen" sich. You mag dem deutschen "Du" phonetisch ähneln, heißt aber wörtlich "ihr". Dass man sich mit Vornamen anspricht rührt eher daher dass das "You" im Grunde genommen sehr formal ist, der Vorname die einzige Möglichkeit ist diese Distanz etwas abzubauen. Dass die Angelsachsen kein "Du" mehr benutzen ist im Übrigen auch der Grund dafür dass Amerikaner und briten auch im privaten Kontext immer wieder das "Sie" benutzen wenn Sie Deutsch reden - so kennen sie es.
    Und lieber 5x öfter Excuse me und Thank you als man Entschuldigen Sie und Danke in Deutschland sagen würde. Mindestens. Auch ein "Thank you so much"/ "You are very welcome" ist kein Geschleime sondern fällt in den bereich der Floskeln die man auch jemand den man eigentlich verachtet mit einem freundlichen Lächeln in's Gesicht sagt. Wer HiER mit "anderen" Verhaltensweisen auffällt der macht sich damit nicht interessant sondern in der Tat unmöglich.

    So, gute Reise!

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