Die Probleme von VW: Was Matthias Müller in den Griff bekommen muss

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Die Probleme von VW: Was Matthias Müller in den Griff bekommen muss

von Stephan Happel, Martin Seiwert und Kerstin Dämon

Martin Winterkorns Rücktritt allein löst die VW-Krise nicht. Sein wahrscheinlicher Nachfolger Matthias Müller wird Probleme lösen müssen, die weit über die Ausmaße der vergangenen Tage mit dem Dieselgate hinausgehen.

Sein Name: Matthias Müller. Seine Aufgabe: kaum zu schaffen. Der Mann, der Martin Winterkorn aller Wahrscheinlichkeit nach als Vorstands-Chef bei Volkswagen folgt, hat eine Herkulesaufgabe vor sich.

Die Abgas-Affäre lastet schwerer denn je auf Europas größtem Autobauer. Längst sind nicht mehr nur die USA sondern auch das weltweite VW-Geschäft betroffen. Der Konzern wird in den kommenden Jahren nicht nur Schäden beseitigen müssen, die in ihrem Ausmaß noch gar nicht abzusehen sind. Er wird sich zugleich um lange aufgeschobene Probleme kümmern müssen, die in ihrer Dringlichkeit im Angesicht der Belastungen an Brisanz gewinnen zunehmen.

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PremiumDossier zum Download Das Ende des Größenwahns bei VW

Auf das Dieselgate folgt der Winterkorn-Rücktritt: Wie das System Volkswagen über Jahre funktionierte, welche Rolle die USA spielen und wie Deutschlands größter Autobauer sich neu erfinden muss.

Dossier VW: Das Ende des Größenwahns

Der Konzernkoloss mit 600.000 Mitarbeitern und zuletzt mehr als 200 Milliarden Euro Umsatz wankt. Das muss Winterkorns Nachfolger anpacken.

Die Personalfragen

Winterkorn verließ sein Amt mit den Worten "Ich tue dies im Interesse des Unternehmens, obwohl ich mir keines Fehlverhaltens bewusst bin". Das Aufsichtsratspräsidium beteuerte Winterkorns unschuldige Unwissenheit. 

Die Frage, wer die Verantwortung für die bewusste Täuschung von Verbrauchern und Behörden im Diesel-Skandal übernehmen muss, bleibt damit unbeantwortet. Vorerst.

Die Erklärungen zu Winterkorns-Rücktritt

  • Das Präsidium des Aufsichtsrats im Wortlaut
  • Winterkorn im Wortlaut

    „Ich bin bestürzt über das, was in den vergangenen Tagen geschehen ist. Vor allem bin ich fassungslos, dass Verfehlungen dieser Tragweite im Volkswagen Konzern möglich waren.

    Als Vorstandsvorsitzender übernehme ich die Verantwortung für die bekannt gewordenen Unregelmäßigkeiten bei Dieselmotoren und habe daher den Aufsichtsrat gebeten, mit mir eine Vereinbarung zur Beendigung meiner Funktion als Vorstandsvorsitzender des Volkswagen Konzerns zu treffen. Ich tue dies im Interesse des Unternehmens, obwohl ich mir keines Fehlverhaltens bewusst bin.
    Volkswagen braucht einen Neuanfang – auch personell. Mit meinem Rücktritt mache ich den Weg dafür frei.
    Mein Antrieb war es immer, dem Unternehmen, vor allem unseren Kunden und Mitarbeitern zu dienen. Volkswagen war, ist und bleibt mein Leben.
    Der eingeschlagene Weg der Aufklärung und Transparenz muss weitergehen. Nur so kann wieder Vertrauen entstehen. Ich bin überzeugt, dass der Volkswagen Konzern und seine Mannschaft diese schwere Krise bewältigen werden."

    Quelle: VW

Dass es weitere Konsequenzen geben wird, hat der stellvertretende Chef im Aufsichtsrats-Präsidium bereits klar gemacht. Es werden weitere Köpfe rollen, auch an der Spitze. "Der Pförtner war's schließlich nicht", spotten sie in der Branche.

Die Entwicklungsvorstände von Audi und Porsche, Ulrich Hackenberg und Wolfgang Hatz,  so wird kolportiert, müssen ihren Hut nehmen. Mehr als bloß gefährdet sind auch VW-Marken-Chef Heinz-Jakob Neußer und der Verantwortliche für das US-Geschäft, Michael - "Wir haben Mist gebaut" - Horn.

Der VW-Abgas-Skandal im Überblick

  • 18. September

    Die US-Umweltbehörde EPA teilt in Washington mit, Volkswagen habe eine spezielle Software eingesetzt, um die Messung des Schadstoffausstoßes bei Abgastests zu manipulieren. In den Tagen darauf wird klar, dass weltweit Fahrzeuge von VW und der Töchter betroffen sind – darunter auch Audi und Porsche. Die VW-Aktie bricht ein.  

  • 23. September

    VW-Chef Martin Winterkorn tritt nach einer Krisensitzung der obersten Aufseher zurück. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig prüft die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen VW. Anlass dafür seien auch eingegangene Strafanzeigen von Bürgern, heißt es.

  • 24. September

    Der VW-Aufsichtsrat tagt. Nach langer Sitzung beruft das Gremium Porsche-Chef Matthias Müller zum neuen Konzernchef und trifft einige weitere Personal- und Strukturentscheidungen. Verantwortliche Motorenentwickler werden beurlaubt.

  • 28. September

    Nach mehreren Strafanzeigen startet die Braunschweiger Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen Betrugsvorwürfen. Entgegen einer ersten Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Braunschweig gibt es keine Ermittlungen gegen Ex-Chef Martin Winterkorn persönlich.

  • 1. Oktober

    Das Aufsichtsrats-Präsidium beschließt, Hans Dieter Pötsch per registergerichtlichen Anordnung in den Aufsichtsrat zu berufen. Das ist möglich, weil mehr als 25 Prozent der Aktionäre Pötsch favorisiert haben. Die Familien Porsche und Piëch, die Pötsch gegen die Bedenken des Landes Niedersachsens und der Arbeitnehmer durchgesetzt haben, halten über die Porsche SE rund 52 Prozent der VW-Anteile. Julia Kuhn-Piëch, die erst dieses Jahr nach dem Rücktritt von Ferdinand und Ursula Piëch in das Kontrollgremium aufgerückt war, verlässt den Aufsichtsrat wieder.

  • 6. Oktober

    Es ist klar, dass die betroffenen VW-Fahrzeuge in die Werkstatt müssen, damit die Schummel-Software verschwindet. Bei einigen Motorenwerden die Techniker selbst Hand anlegen müssen. Eine Rückruf-Aktion, so wird es am nächsten Tag bekannt werden, soll 2016 starten. Die geschäftlichen und finanziellen Folgender Krise sind nicht absehbar. Die Kosten der Abgas-Affäre werden jedoch enorm sein. Der neue Chef muss sparen: "Deshalbstellen wir jetzt alle geplantenInvestitionen nochmal auf denPrüfstand", kündigt Müller an.

  • 15. Oktober

    Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) ordnet einen verpflichtenden Rückruf aller VW-Dieselautos mit der Betrugssoftware an. In ganz Europa müssen 8,5 Millionen, in Deutschland 2,4 Millionen Wagen in die Werkstatt. VW hatte eine freiwillige Lösung angestrebt.

  • 28. Oktober

    Der Skandal beschert dem Konzern im dritten Quartal einen Milliardenverlust. Vor Zinsen und Steuern beläuft sich das Minus auf rund 3,5 Milliarden Euro.

  • 3. November

    Der Skandal erreicht eine neue Dimension. VW muss - nach weiteren Ermittlungen der US-Behörden - einräumen, dass es auch Unregelmäßigkeiten beim Kohlendioxid-Ausstoß (CO2) gibt. Rund 800.000 Fahrzeuge könnten betroffen sein. Die VW-Aktie geht erneut auf Talfahrt.

  • 20. November

    Der Diesel-Skandal in den USA weitet sich aus. Erneut. Es seien mehr Drei-Liter-Diesel der Marken Volkswagen und Audi betroffen, als bislang angenommen, erklärt die US-Umweltbehörde EPA. Die Autobauer bestreiten dies zunächst. Wenige Tage später, am 24. November, müssen sie allerdings  einräumen, ein sogenanntes „Defeat Device“ nicht offengelegt zu haben. Die Software gilt in den USA als illegal.

    Die Auswirkungen des Skandal zwingen VW zudem zum Sparen: VW fährt die Investitionen für das kommende Jahr runter. 2016 sollen die Sachinvestitionen um eine Milliarde Euro verringert werden. „Wir fahren in den kommenden Monaten auf Sicht“, sagt VW-Chef Müller. Weitere Ausgaben bleiben auf dem Prüfstand.

  • 24. November

    Neuer Ärger für Volkswagen: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt nun auch wegen mögliche Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit falschen CO2-Angaben. Die könnten dazu geführt haben, dass zu wenig Kfz-Steuer gezahlt wurde.

  • 25. November

    Zumindest etwas Positives für die Wolfsburger: Zur Nachrüstung der millionenfach manipulierten Dieselmotoren mit 1,6 Litern Hubraum in Europa reicht nach Angaben von Volkswagen ein zusätzliches, wenige Euro teures Bauteil aus. Bei den 2,0-Liter-Motoren genügt ein Software-Update. Das Kraftfahrtbundesamt genehmigt die Maßnahmen. Auch wenn VW keine Angaben zu den Kosten macht – es hätte schlimmer kommen können.

Egal wer und wie viele am Ende verantwortlich gemacht werden: Die "personellen Konsequenzen" werden eine Lücke in den VW-Führungszirkel reißen, die schnellstmöglich gefüllt werden muss.

Fähigen Ersatz für die erfahrenen und durchaus verdienten Manager zu finden, wird nicht leicht. Zudem muss der neue Kapitän das Konzernschiff Volkswagen mit einer vergleichsweise unerfahrenen Mannschaft durch einen Sturm lenken, der noch Jahre anhalten kann.

 

Die Kosten des Skandals

Dass es teuer wird, ist jedem bewusst. Unklar ist, wie sehr. 6,5 Milliarden Euro hat VW beiseitegelegt. Vermutlich ein Tropfen auf den heißen Stein. Wie hoch die finanziellen Schäden sind, hängt von unzähligen Faktoren ab. Zum Beispiel, wie hoch das Bußgeld ausfällt, das die US-Umweltbehörde EPA anmahnen könnte – bis zu 16 Milliarden Euro sind nach ersten Schätzungen drin.  Der Rechtsexperte Carl Tobias von der "Richmond School of Law" geht davon aus, dass die Behörde bis nah an das Höchstmaß gehen wird – um ein Exempel zu statuieren.

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