Libor-Skandal und Co.: Die Sammelklagenspezialistin: Deborah Sturman

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Libor-Skandal und Co.: Knallhart und gewieft - Bankenjäger räumen auf

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Deborah Sturman, 56 - US-Anwältin: Vertritt institutionelle Anleger bei Schadensersatz- und Aktionärsklagen

Die Sammelklagenspezialistin: Deborah Sturman

Der Kampf gegen Betrug und Unrecht zieht sich wie ein roter Faden durch die Anwaltskarriere von Deborah Sturman. „Ich vertrete immer diejenigen, die betrogen wurden, denen Schaden zugefügt wurde“, sagt die 56-jährige Amerikanerin. Diesem Prinzip bleibt sie auch bei ihrem jüngsten Projekt treu. Die Anwältin klagt für Klienten gegen die Banken, die im Verdacht stehen, Referenzzinssätze wie den Libor manipuliert zu haben. Einer der Kläger, die Sturman vertritt, ist die Metzler Investment GmbH – eine Fondsgesellschaft des Frankfurter Bankhauses Metzler. Die Anlagegesellschaft hat sich einer Sammelklage gegen die Deutsche Bank und andere Banken angeschlossen, weil ihre Fonds Produkte enthielten, die an den Libor gekoppelt waren.

Die US-Expertin für Sammelklagen, die fließend Deutsch, Flämisch und Französisch spricht, besetzt eine lukrative Nische: Sie hat sich auf Schadensersatz- und Aktionärsklagen spezialisiert. Anwälte können in den USA dafür Gebühren einstreichen, die bis zu 30 Prozent der Schadenssumme betragen, gehen allerdings leer aus, wenn sie den Fall nicht gewinnen oder einen Vergleich erzielen.

Die Amerikanerin vertritt überwiegend Klienten aus Europa. Ihre Kanzlei Sturman LLC mit Sitz in New York, die acht Anwälte beschäftigt, hat auch ein Büro in Wien.

Besondere Beziehung zu Deutschland

Denn Sturman ist eine Wanderin zwischen vielen Welten, beruflich und privat, mit einer ganz besonderen Beziehung zu Deutschland und zur klassischen Musik. Nach Europa kam die damals 17-Jährige in den Siebzigerjahren der Musik wegen: Die Waldhornspielerin ließ sich in Brüssel ausbilden, wurde später Solistin in Antwerpen, zog 1979 zum WDR-Rundfunkorchester nach Köln und heiratete einen deutschen Juden.

Sie lebte mehrere Jahre in Deutschland, wo die Musikerin nebenbei begann, sich für Menschen zu engagieren, die in der DDR enteignet worden waren.

Sie entschloss sich nach der Geburt ihrer Tochter zur Rückkehr in die USA. Sie studierte Jura an der School of Law der University of California und war in der zweiten Hälfte der Neunzigerjahre wie ihr Kollege Michael Hausfeld an den Sammelklagen der NS-Zwangsarbeiter gegen die deutsche Wirtschaft sowie gegen die Schweizer Banken beteiligt. Später vertrat sie Aktionäre – etwa gegen den holländischen Einzelhandelskonzern Ahold wegen einer Bilanzfälschungsaffäre. Die Sammelklage endete mit einem Vergleich, der Ahold über eine Milliarde Dollar kostete.

Als Bankenjägerin erlitt Sturman auch Niederlagen – etwa bei einer Klage gegen Goldman Sachs, in der es um Missmanagement bei CDOs ging. Die Klage wurde aus prozessrechtlichen Gründen nicht zugelassen.

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