Gamechanger: Eine Notbremse für lebensbedrohliche Erreger
Die Idee
In der Streaming-Serie „The Last of Us“ infiziert in Pilz weltweit Menschen und verwandelt sie in fremdgesteuerte Monster. So schlimm ist die Wirklichkeit nicht – und doch sind Pilzinfektionen auch in der Realität ein wachsendes Gesundheitsproblem. Laut einer Studie der Manchester Fungal Infection Group sterben aktuell pro Jahr 3,8 Millionen Menschen an den Folgen solcher Infektionen, doppelt so viele wie noch 2012. Ein Grund: Pilzstämme, die resistent gegen Medikamente sind, nehmen zu. Infizieren sich Patienten mit stark angegriffenem Immunsystem etwa mit dem Erreger Aspergillus fumigatus, überleben 50 bis 95 Prozent der Betroffenen das nicht. Ärzte suchen darum neue Behandlungsmethoden. Eine vielversprechende Therapie hat nun womöglich ein Team der Universität Würzburg gefunden. Es setzt auf ein Erbmolekül, das schon bei der Bekämpfung der Coronapandemie eine wichtige Rolle gespielt hat: die Ribonukleinsäure, kurz RNA.
Die Köpfe
Die Biologin Yidong Yu forscht am Würzburger Zentrum für Experimentelle Molekulare Medizin und am Universitätsklinikum Würzburg. Für Ihre Arbeit wurde sie mit einem zweijährigen Stipendium der Japan Society for the Promotion of Science (JSPS) ausgezeichnet. Theresa Vogel von der Uni Würzburg beschäftigte sich in ihrer Doktorarbeit mit dem Transport von siRNA, die Forscherin Krystyna Albrecht mit Nanotechnologien.
Die Umsetzung
Für den neuen Therapieansatz setzen die Forscherinnen auf spezielle, kleine RNA-Moleküle, sogenannte siRNA. Sie lassen sich biotechnologisch so herstellen, dass sie sich gezielt an bestimmte RNA-Botenmoleküle (mRNA) in der Zelle anheften und verhindern, dass die Geninformationen der Botenmoleküle in Proteine übersetzt werden. Die Würzburger Forscher nutzen den Mechanismus, um Aspergillus fumigatus anzugreifen – und dabei in Pilzzellen wichtige Gene zu hemmen, die für ihr Wachstum nötig sind. Eine Schwierigkeit lag darin, die siRNA-Moleküle durch die dicke Zellwand in die Pilzzelle zu schleusen.
Die Forscher nutzen dazu winzige, negativ geladene Fettbläschen. Gleichzeitig machen sie mit einem Medikament gegen Pilzinfektionen die Zellwände durchlässiger. Bei Tests mit infizierten Insektenlarven konnten die Forscher das Wachstum des gefährlichen Pilzes stark bremsen. Nun hoffen die Forscher, dass aus dem neuen Ansatz Therapien entstehen, die nicht nur gegen Aspergillus fumigatus, sondern auch andere Pilze helfen.
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