Führung: Warum sich Manager öfter in Demut üben sollten
Und doch erlebe ich im Austausch mit anderen Managern, dass sie die stimmige Unternehmensstrategie oder starke Kennzahlen als weitaus wichtiger ansehen. Dabei braucht, wer langfristig erfolgreich sein will, vor allem Demut, diese Haltung der Bescheidenheit und der Selbstreflexion, des Anerkennens der eigenen Grenzen und des Respekts vor den Fähigkeiten anderer.
Fragen stellen, die noch nie gestellt wurden
Als Unternehmenslenkerin ist es meine Aufgabe, Zweifel zu streuen: Was, wenn wir es komplett neu denken? Braucht es wirklich die Akkuratesse, zum Beispiel ein Auto sieben Jahre lang durchzuqualifizieren, oder reicht vielen Kunden eine weniger ausgereifte Lösung? Die Antwort auf diese Fragen haben die chinesischen Hersteller inzwischen gegeben. Vermutlich gibt es aber in jedem Unternehmen ein Dutzend Themen, bei denen diese Frage noch nie gestellt wurde.
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Zur Demut gehört auch der Respekt im Miteinander. Selbst wenn ich am längeren Hebel sitze, muss ich aus meinem Gegenüber nicht den letzten Euro herausquetschen. Warum gebe ich meinem Lieferanten nicht eine verbindliche Bestellprognose als Ausgleich für ein längeres Zahlungsziel? Ich bin überzeugt: Wertschätzende und faire Beziehungen zu wichtigen Lieferanten und Kunden sind keine Einbahnstraße. Und Demut ist keine veraltete Tugend, sondern eine essenzielle Managementkompetenz.
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