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Wirtschaftsnobelpreis 2025Ohne diese drei Nobelpreisträger wäre die Wachstumsdebatte in der Sackgasse

Handelskonflikte und Zölle wären zwar die relevanteren Themen gewesen. Trotzdem: Die Preisträger 2025 liefern zentrale Erkenntnisse, was nachhaltiges Wachstum sichert.Henrike Adamsen 13.10.2025 - 16:38 Uhr
Die Gewinner des Ökonomie-Nobelpreis 2025: Joel Mokyr, Philippe Aghion und  Peter Howitt (v. l n. r.). Foto: Ill. Niklas Elmehed/Nobel Prize Outreach

Warum geht unser Lebensstandard immer weiter nach oben? Historisch betrachtet ist der Normalzustand schließlich jahrhundertelange Stagnation gewesen – nicht die ein bis zwei Prozent Wirtschaftswachstum im Durchschnitt, die die meisten Länder jedes Jahr verzeichnen.

Und wie kann es sein, dass Innovation dazu führt, dass Gewinnerunternehmen Verlierer aus dem Markt drängen – und trotzdem unter dem Strich Wachstum dabei herauskommt?

Diese Fragen haben der israelisch-amerikanische Ökonom Joel Mokyr, der französische Ökonom Philippe Aghion und der kanadische Ökonom Peter Howitt in ihrer Forschung beantwortet – und sind dafür am Montag mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet worden.

In ihrer Erklärung schreibt die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften: „Wirtschaftliche Stagnation, nicht Wachstum, ist die Norm gewesen in der menschlichen Geschichte, und die Rolle von Wissenschaft, Innovation und kreativer Zerstörung kann nicht genug betont werden in der beispiellosen Wachstumserfahrung seit der Industriellen Revolution.“

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In der Geschichte des Wirtschaftsnobelpreises haben schon viele Wachstumsökonomen die Auszeichnung erhalten. Kein Wunder – die Frage, warum eine Wirtschaft wächst, ist quasi die wichtigste, die die Volkswirtschaftslehre zu klären hat. „Mokyr, Aghion und Howitt sind Pioniere in einer der grundlegendsten Fragen für Wirtschaft und Politik“, betont auch Nicola Fuchs-Schündeln, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB). Nämlich: Wie entsteht Wirtschaftswachstum und was kann die Politik tun, um es anzutreiben?

Klaus Adam, Professor für Volkswirtschaftslehre am University College London (UCL), geht auf den gemeinsamen Kern der drei Forscher ein: „Entdeckungen, die den wirtschaftlichen Fortschritt befördern, führen auch zur Zerstörung von alten Produktionsweisen und damit zur Entwertung von Maschinen und Fähigkeiten – das kann zu gesellschaftlichen Konflikten führen.“ Sowohl diese Konflikte als auch die Anreize zu untersuchen, seien entscheidende Beiträge zur Wachstumstheorie gewesen, erklärt Adam.

Aber ganz konkret: Womit haben sich Mokyr, Aghion und Howitt den Wirtschaftsnobelpreis verdient?

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Wofür die Nobelpreisträger ausgezeichnet wurden

Der Wirtschaftshistoriker Joel Mokyr hat die eine Hälfte des Alfred-Nobel-Gedächtnispreises erhalten. In seiner Forschung hat er es geschafft, eine ziemlich festgefahrene Debatte neu aufzurollen.

Dass die Industrielle Revolution den Weg in ein neues Zeitalter bereitet hat, ist unumstritten. Ökonomen waren sich aber lange nicht einig, warum es überhaupt dazu kam und mit welchen wirtschaftlichen Faktoren die Revolution zu erklären war. Einerseits argumentierten Ökonomen mit relativen Preisen, mit Nachfrage, Investitionen und Exporten, um zu erklären, warum die Industrielle Revolution in England ihren Anfang nahm.

Ein anderes Ökonomenlager, das sich vor allem lange Zeitreihen angeschaut hatte, erwiderte jedoch: So groß sei der Wachstumseffekt durch die Industrielle Revolution gar nicht gewesen. Das sei alles ziemlich langsam abgelaufen.

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1992 veröffentlichte dann Joel Mokyr sein Buch „The levers of riches“ – „Die Hebel des Reichtums“. Der in den Niederlanden geborene Ökonom hatte eine andere These, warum die Industrielle Revolution zum Startpunkt stetigen Wirtschaftswachstums geworden ist. „Mokyr analysiert Bedingungsfaktoren für technologischen Fortschritt“, erklärt Fuchs-Schündeln: Erstens, eine gemeinsame Evolution von Wissenschaft und Technologie. Zweitens, die mechanische Kompetenz, um aus Wissen praktischen Nutzen zu ziehen. Und drittens, die gesellschaftliche Offenheit, Fortschritt zu akzeptieren und die Verlierer dieser Veränderungen zu kompensieren.

Denn es gab auch Perioden des technologischen Wandels, die eben nicht zu nachhaltigem Wachstum geführt haben. „Mokyr beleuchtet, wieso gewisse Gesellschaften von einem Zustand des Fortschritts in einen der Stagnation verfielen“, erklärt Adam. Ein Beispiel ist das antike Rom: In dieser Zeit sei der wissenschaftliche Fortschritt zwar groß gewesen, aber die „mechanische Kompetenz“ hätte gefehlt – das Wissen hätte nicht zu nützlichen Verbesserungen im Alltag geführt.

Gleiches gelte für China. Das Land sei bis zum 14. Jahrhundert technologisch führend gewesen. Aber anstelle einer Industriellen Revolution sei die Innovationsrate langsam abgeflacht. Es fehlte die erste Bedingung: eine offene Wissenschaft, so Mokyr, der als Professor für Volkswirtschaft und Geschichte an der Northwestern University, Illinois, lehrt.

Aghion und Howitt: Wachstum durch „Zerstörung“

Die zweite Hälfte des Alfred-Nobel-Gedächtnispreises geht an das Ökonomen-Duo Philippe Aghion und Peter Howitt. „Die beiden haben eine ganze Literatur begründet“, ordnet UCL-Professor Adam ein. Denn Aghion und Howitt sind Begründer des „Schumpeterschen Wachstumsparadigmas“. Auf den österreichischen Ökonomen Joseph Schumpeter geht die Idee der „kreativen Zerstörung“ zurück: Wettbewerb und Innovation erzeugen auch Verlierer und machen alte Techniken und Maschinen obsolet.

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Anders als Mokyr beziehen sich die beiden auf eine kürzere Zeitleiste, nämlich auf die anhaltende Wachstumsperiode seit dem Zweiten Weltkrieg. „Die Theorie macht interessante Vorhersagen, wie zum Beispiel, dass hohe Innovationsausgaben in der Zukunft die Innovationstätigkeit in der Gegenwart bremsen“, erklärt Adam. Die Logik dahinter: Jetzt getätigte Innovationen könnten durch zukünftige Innovationen schneller obsolet werden.

„Philippe Aghion ist ein absolut brillanter Forscher, der sich auch ganz vehement für eine innovationsfreundliche Politik in Europa einsetzt“, meint WZB-Präsidentin Fuchs-Schündeln, die früher mit dem französischen Ökonomen zusammengearbeitet hat. Dabei verbreite er immer Optimismus, denn er sehe viele mögliche Ansätze, von der Industriepolitik über bessere Kapitalmärkte bis hin zu Handels- und Forschungspolitik. Aghion ist Professor am Collège de France, an der INSEAD in Paris und an der London School of Economics (LSE). Der Kanadier Howitt lehrt an der Brown University in Rhode Island.

In ihrem Paper „A Model of Growth Through Creative Destruction“ – ein Wachstumsmodell durch kreative Zerstörung – von 1992 schaffen es die beiden Ökonomen, einen vermeintlichen Widerspruch zu versöhnen. Denn kreative Zerstörung bedeutet für viele Unternehmen, dass sie ihr Geschäftsmodell aufgeben müssen. Trotzdem führt die Entwicklung insgesamt zu mehr Wachstum. Das Neue im Aufsatz von Aghion und Howitt: ein Wachstumsmodell mit dem Forschungsfeld „Industrielle Organisation“ zu verbinden.

Interessant ist, dass sich die Königlich-Schwedische Akademie für Wissenschaft in diesem Jahr wieder für Wachstumsökonomen entschieden hat. Während die Frage, wie sich wirtschaftlicher Stagnation, wie sie die deutsche Wirtschaft seit bald drei Jahren erlebt, begegnen lässt, zweifellos aktuell ist, wäre ein Schwerpunkt auf Handelsökonomie und Zollpolitik ebenfalls relevant gewesen.

„Die Handelsökonomen stehen ja immer noch auf der Liste und haben weiterhin gute Chancen“, kommentiert UCL-Professor Adam. Die Entscheidungen der Akademie würden schließlich nicht unbedingt an aktuellen Ereignissen festgemacht – vielleicht sind das also die Kandidaten für den Wirtschaftsnobelpreis 2026.

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