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LebensmittelkonzernNeuer Nestlé-Chef streicht 16.000 Stellen

Bei Nestlé deutet sich zwar Erholung an. Der neue Konzernchef Philipp Navratil will aber noch stärker sparen – und streicht Tausende Stellen. 16.10.2025 - 10:16 Uhr
Das Nestlé-Logo. Foto: REUTERS

Der neue Nestlé-Chef Philipp Navratil will den kriselnden Schweizer Nahrungsmittelriesen mit tiefen Einschnitten beim Personal wieder in die Spur bringen. Bis Ende 2027 streicht der Hersteller von Nespresso, Maggi und KitKat rund 16.000 Stellen. Dies entspricht knapp 6 Prozent der Gesamtbelegschaft von rund 277.000 Personen. „Der Personalabbau betrifft in den nächsten zwei Jahren alle Märkte und alle Funktionen weltweit, einschließlich der Nestlé-Zentrale“, erklärte Navratil am Donnerstag bei seinem ersten größeren öffentlichen Auftritt. Von den geplanten Stellenstreichungen beträfen rund 12.000 Büroangestellte.

Das bis Ende 2027 angepeilte Sparziel schraubte der Manager auf 3,0 Milliarden von 2,5 Milliarden Franken hoch. „Die Welt verändert sich, und Nestlé muss sich noch schneller verändern“, erklärte Navratil. „Dazu gehört auch die schwierige, aber notwendige Entscheidung, den Personalbestand in den nächsten zwei Jahren zu reduzieren.“ Im Topmanagement plant Navratil dagegen keine Änderungen. „Ich habe das Glück, eine großartige Geschäftsleitung zu haben, die mich unterstützt und das Unternehmen leitet, sodass diese unverändert bleibt und hier keinerlei Änderungen erforderlich sind.“

Der Nespresso-Leiter war Anfang September auf den Schild gehoben worden, nachdem Konzernchef Laurent Freixe wegen einer verheimlichten romantischen Beziehung zu einer ihm direkt unterstellten Mitarbeiterin entlassen worden war. Doch damit nicht genug; der lange Zeit für seine Stabilität und Berechenbarkeit bekannte Konzern wechselte kurz darauf auch noch seinen Verwaltungsratspräsidenten aus. Um Nestlé wieder auf Kurs zu bringen, ist viel Arbeit nötig. Denn bei Schlüsselindikatoren wie dem Umsatzwachstum und der Aktienpreisentwicklung hinkt der Nahrungsmittelriese, dessen Produktpalette von Fertiggerichten und Tiefkühlprodukten über Süßwaren und Kaffee bis hin zu Vittel-Wasser und Tierfutter reicht, Rivalen wie Danone und Unilever hinterher.

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In den ersten neun Monaten erzielte Nestlé einen Umsatz von 65,9 Milliarden Franken. Bereinigt um Wechselkurseinflüsse sowie Zukäufe und Verkäufe von Geschäftsbereichen erreichte der Konzern damit ein Wachstum von 3,3 Prozent. Damit setzte sich die Beschleunigung im dritten Quartal fort. Navratil bestätigte den Ausblick. So rechnet er in diesem Jahr weiterhin mit einem organischen Umsatzwachstum über den 2,2 Prozent des Vorjahres und einer bereinigten operativen Gewinnmarge von mindestens 16,0 Prozent.

„Verlust von Marktanteilen wird nicht akzeptiert“

Zu seinen weiteren Plänen erklärte Navratil, das Volumenwachstum habe oberste Priorität. „Dazu haben wir unsere Investitionen zielgerichtet gesteigert und dabei schon erste Ergebnisse erzielt. Jetzt müssen wir noch mehr leisten, schneller handeln und unsere Wachstumsdynamik beschleunigen.“ Bei der Ressourcenzuteilung wolle er vor allem auf die Geschäfte mit dem höchsten Renditepotenzial setzen. „Wir werden bei großen Investitionen entschlossener vorgehen und die Innovationskraft erhöhen, um Wachstum und Wertschöpfung zu beschleunigen. Wir fördern eine auf Leistung ausgerichtete Kultur, welche den Verlust von Marktanteilen nicht akzeptiert und Erfolg belohnt.“

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Verschuldung soll sinken

Großaktionäre wie die deutsche Flossbach von Storch hatten zuletzt eine Überprüfung der Strategie und eine Straffung des Markenportfolios gefordert. Zudem müsse die Verschuldung abgebaut werden. „Wir wollen unbedingt, dass unsere Schulden sinken“, erklärte Finanzchefin Anna Manz. „Darauf konzentrieren wir uns sehr.“ Helfen dürften dabei Verkäufe von Teilbereichen. „Aber der wichtigste Weg, unsere Schulden zu reduzieren, ist das Wachstum.“ Es dürfte mehrere Jahre dauern, bis Nestlé die Schulden in gewünschtem Ausmaß reduziert hat.

Die ersten Maßnahmen des Konzernchefs gingen in die richtige Richtung, erklärte Vontobel-Analyst Jean-Philippe Bertschy. „Obwohl die Lage noch sehr fragil ist, glauben wir, dass diese Ergebnisse Nestlé helfen werden, das Vertrauen der Investoren teilweise wiederherzustellen.“ An der Börse schossen die Nestlé-Titel um fast 8 Prozent auf 82 Franken nach oben. Damit notierten die Aktien aber immer noch weit unter dem Höchststand von knapp 130 Franken von Anfang 2022. Das geringe Wachstum, die Führungsprobleme und die hohen Schulden hinterließen zuletzt Bremsspuren.

In den ersten neun Monaten erzielt Nestlé einen Umsatz von 65,9 Milliarden Franken. Bereinigt um Wechselkurseinflüsse sowie Zukäufe und Verkäufe von Geschäftsbereichen erreichte der Hersteller von Nespresso, Maggi und KitKat damit ein Wachstum von 3,3 Prozent. Im Halbjahr lag das organische Wachstum bei 2,9 Prozent. Analysten hatten einer von Nestlé selbst erhobenen Umfrage zufolge für neun Monate ein Plus von 3,2 Prozent geschätzt. Navratil bestätigte den Ausblick. So rechnet er in diesem Jahr weiterhin mit einem organischen Umsatzwachstum über den 2,2 Prozent des Vorjahres und einer bereinigten operativen Gewinnmarge von mindestens 16,0 Prozent.

Zu seinen weiteren Plänen erklärte Navratil bei seinem ersten größeren öffentlichen Auftritt, das Volumenwachstum habe oberste Priorität. „Dazu haben wir unsere Investitionen zielgerichtet gesteigert und dabei schon erste Ergebnisse erzielt. Jetzt müssen wir noch mehr leisten, schneller handeln und unsere Wachstumsdynamik beschleunigen.“

rtr
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