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Serie ArbeitsrechtErniedrigt vor den Augen der Mitarbeiter

Unternehmen greifen immer öfter zu Tricks, wenn sie sich von hochrangigen Mitarbeitern trennen möchten. Blamieren sie beispielsweise eine Führungskraft in großer Runde, kann das eine Methode sein, sie loszuwerden.Claudia Tödtmann, Christoph Abeln 16.09.2015 - 06:00 Uhr

"Ich kündige", sagte die Figur aus dem Spiel Super Mario immer dann, wenn sie Taler einsammelte. Ein Softwareentwickler kündigte, in dem er seinem Chef ein Computerspiel überreichte, in dem die Figur immer wieder diese Worte wiederholte.

Foto: dapd

Normalerweise verraten diese Schilder, Details zu Preisen und Stoffen. Ein Engländer nutzte eines der Etikette, um seinen Chef heftig zu beschimpfen.

Foto: dpa

Er verließ das Flugzeug noch vor der Landung über die Notfallrutsche: Ein Flugbegleiter rutschte nach einer Auseinandersetzung aus dem Flugzeug. Er wurde anschließend verhaftet, spektakulär war sein Abgang mit Sicherheit.

Foto: AP

"Der Designer, den Sie wie den letzten Dreck behandeln, hat unerwartet gekündigt" - diese Fehlermeldung erschien als Kündigung überraschend auf dem Bildschirm eines Chefs.

Foto: AP/dpa

Eine Kündigung auf einem Kuchen - geht nicht? Doch. Ein Brite brachte an seinem Geburtstag einen Kuchen und überreichte diesen zusammen mit der Kündigung direkt seinem Chef. Auf dem Kuchen stand mit schwarzer Glasur das Kündigungsschreiben.

Foto: dpa

Wer von Umstrukturierungen über Sparrunden bis hin zu persönlichen Auseinandersetzungen schon einiges im Berufsleben mitgemacht hat, sollte eigentlich gestählt sein. Doch ein fieser Trick der Unternehmen zieht vielen den Teppich unter den Füßen weg: An den Pranger gestellt und gezielt erniedrigt zu werden - und das auch noch vor Kollegen, Mitarbeitern oder gleich der gesamten Belegschaft.

So hat es etwa eine große Versicherung mit ihrem Bereichsdirektor gemacht. Als der Mann vor dem Bereichsvorstand und mehr als zwei Dutzend seiner eigenen Mitarbeiter präsentierte, machte ihn der Vorstand rund. Während der Mann mit großen Gesten die neuesten Erfolge seines Bereichs präsentierte, wurde er immer wieder mit kritischen Fragen gelöchert. Und dies auf eine sehr geschickte Art: Man hinterfragte nur Aspekte, die er für den Moment nicht wissen konnte – allerdings, ohne dass er dies öffentlich hätte zugeben können.

Für die WiWo klärt Arbeitsrechtler Christoph Abeln über die fiesen Tricks der Unternehmen im Umgang mit Führungskräften auf.

Foto: WirtschaftsWoche

Die Folge: Man führte ihn vor der ganzen Mannschaft vor, machte ihn lächerlich. Und das, als er auf keine Attacke gefasst war, sondern im Gegenteil, Applaus erwartet hatte. Nur eine Steigerung blieb ihm erspart: Auch noch vor den eigenen Kunden herabgesetzt zu werden.

Konstruierte Abmahnungen

Dies war erst der Anfang. Man nahm dem Bereichsdirektor ohne Vorankündigung einfach seinen Titel als Head of Accounting weg, tilgte ihn kurzerhand vom Namensschild an der Bürotür und aus der E-Mail-Signatur. Eine Abmahnung, die ganz offensichtlich konstruiert war, schickte ihm das Unternehmen obendrein: Er habe die Firmenkreditkarte privat genutzt, obwohl er sie nur verwechselt beim Bezahlen einer Taxirechnung verwechselt und den Betrag sofort ersetzt hatte.

Lief er seinen Vorgesetzten über den Weg, ignorierten sie ihn, schauten durch ihn durch und hatten nicht einmal mehr ein "Hallo" oder "Guten Tag" für ihn übrig. Als nächstes wies ihn das Top-Management an, ab sofort im Home-Office zu arbeiten und grenzte ihn damit von seinen Mitarbeitern und Kollegen ab.

Über die Serie
Unternehmen greifen immer öfter zu fiesen Tricks, wenn sie sich von Führungskräften trennen möchten. Oft ist die Strategie nicht gleich erkennbar, aber es gibt Indizien. Die Varianten schildert Christoph Abeln, Fachanwalt für Arbeitsrecht und seit vielen Jahren auf die Vertretung von Managern und leitenden Angestellten spezialisiert. In der neuen WiWo-Serie zeigt der Rechtsanwalt die Methoden auf, die ihm tagtäglich begegnen. Redaktion: Claudia Tödtmann

All das diente nur dem Ziel, es dem Bereichsdirektor möglichst unangenehm im Unternehmen zu machen, damit er seinen Hut nahm. Und dies von sich aus und ohne eine teure Abfindung.

Nicht hinreißen lassen

Führungskräfte müssen in solchen Momenten sehr vorsichtig sein. Denn Unternehmen spekulieren nur darauf, dass sie ihre Nerven verlieren. Wer beispielsweise Mobbing-Vorwürfe gegenüber seinen Vorgesetzten laut werden lässt oder gar im Eifer des Gefechts und ohne Rücksprache mit einem Anwalt mit einer Strafanzeige gegen das Top-Management wegen übler Nachrede droht, tappt in die Falle.

Denn so hat das Unternehmen eine Steilvorlage zur fristlosen Kündigung, die am Ende sogar noch vor Gericht Bestand haben könnte.

Die oberste Devise in dieser Situation: Ruhe bewahren. Tatsächlich handelt es sich in diesen Fällen meist um eine Änderung des Aufgaben- und Verantwortungsbereiches. Und diese lässt sich gut vor Gericht mit dem Ziel überprüfen, dass die Führungskraft so wie zuvor weiter beschäftigt wird.

Außerdem verstoßen Unternehmen, die solche konstruierten Abmahnungen verschicken, womöglich gegen das so genannte Maßregelungsverbot. Oberste Priorität hat in diesen Extremsituationen stets ein strukturiertes Vorgehen. Nur wer den Kopf hier nicht verliert, kann erfolgreich aus der Auseinandersetzung hervorgehen.

Wie dies am Ende aussieht, hängt jeweils von der einzelnen Führungskraft ab. Für manche ist das Verhältnis so zerrüttet, dass sie nur noch mit einer ordentlichen Abfindung aus dem Unternehmen möchten. Für andere geht es darum, ihren Ruf intern wieder hergestellt zu bekommen, um im Betrieb verbleiben zu können.

Auf jeden Fall lässt sich sagen: Diese unwürdige Vorgehensweise findet immer wieder in Unternehmen statt, sie ist kein Einzelfall – und persönlich nehmen sollte man diese Erniedrigung nicht. Sie sind nur Mittel zum Zweck.

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