Nebenjobs: So haben sich Wirtschaftsgrößen ihr Studium finanziert
Hans-Otto Schrader - Kellner und Billardspieler
Hans-Otto Schrader, Vorstandschef des Otto-Konzerns, studierte in Köln und kellnerte nebenbei in einer Kneipe. Dort erhielt er neben einer regionaltypischen Getränkelehre auch eine profunde und praxistaugliche Ausbildung im Billardspiel. Schrader konnte das Erlernte schnell in zusätzliche Erträge ummünzen und spielte fortan Billard gegen Geld. Für jedes gewonnene Spiel gab es 10 Mark, der Verlierer musste zusätzlich eine Runde Kölsch spendieren. Noch heute erinnert ein Billardtisch in Schraders Keller an die Kölner Jugend- und Lehrjahre des Otto-Chefs. Das Spielgerät ersteigerte er übrigens konzernilloyal beim US-Onlineauktionshaus Ebay.
Michael Fuchs - Holzfäller und Katalog-Einpacker
Michael Fuchs (MdB) ist stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion. Nach seinem Abitur studierte er zunächst in Erlangen, später in Bonn Pharmazie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Finanziert hat sich sein Studium der Unternehmer und Politiker als Holzfäller im Hunsrück und bei Quelle als Katalog-Packer.
Bildquelle: Werner Schüring
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Herbert Hainer - Metzger und Kneipier
Noch bis September ist Herbert Hainer Chef des Sportartikelherstellers Adidas. Vor seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender studierte er Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule in Landshut und arbeitete in familiären Metzgerei mit. Außerdem eröffnete er in seiner Heimatstadt Dingolfing eine Bar, die er nach einem Jahr mit Gewinn verkaufte. Den „Gußofen“ gibt es übrigens heute noch.
Loretta Würtenberger - Krawattenhändlerin
Loretta Würtenberger ist promovierte Juristin und gehörte zu den bekanntesten Köpfen der New Economy. Sie gründete das Unternehmen webmiles, das sie innerhalb von zwei Jahren zum europäischen Marktführer für Online-Kundenbindungssysteme ausbaute. Mittlerweile gehört das Unternehmen zum Sammeln von Bonusmeilen zu Bertelsmann und Würtenberger hat sich auf Kunstinvestments verlegt. Begonnen hat sie ihre berufliche Laufbahn allerdings ganz anders: Um die Studentenkasse aufzubessern, importierte und handelte sie mit italienischen Krawatten.
Marijn Dekkers - Tennislehrer
Noch- Bayer-Chef Marijn Dekkers studierte in Nijmegen und Eindhoven Chemie und Chemieingenieurwesen. Das finanzierte er sich unter anderem als Tennislehrer in Emmerich.
Horst Lindhofer - Sänger und Gitarrist
Horst Lindhofer (links) studierte Biologie und gründete nach seiner Promotion die Firma Trion Pharma, die zusammen mit Fresenius Biotech als erste deutsche Biotech-Firma ein Krebsmedikament auf den Markt brachte. Während seiner Schul- und Studienzeit beschäftigte sich Lindhofer außerdem mit Musik und spielte in der Neuen-Deutschen-Welle/Punk-Band United Balls (bekanntester Song „Pogo in Togo“). Dort ist er übrigens immer noch Mitglied und „die Balls“ treten auch noch regelmäßig auf. Anders sein Unternehmen: 2013 musste Lindhofer in München den Insolvenzantrag stellen, 2014 schloss Trion Pharma endgültig die Pforten.
Lindhofer 1982 mit "Pogo in Togo" auf der Bühne. Revival-Auftritt zur Feier des neuen Krebsmittels
Reinhard Clemens - Programmierer
Reinhard Clemens ist seit 2007 CEO der Telekom-Dienstleistungstochter T-Systems. Er studierte Elektrotechnik an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen und arbeitete dort anschließend als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Werkzeugmaschinen. Sein Studium finanzierte er sich, in dem er Software für ein Eheberatungsinstitut schrieb.
Klaus Peter Gushurst - Orangenpflücker und Tabak-Erntehelfer
Klaus Peter Gushurst war von 2010 bis 2013 Deutschlandchef der Strategieberatung Booz & Company (vormals Booz Allen Hamilton). Nachdem PricewaterhouseCoopers (PwC) den Konkurrenten Booz & Company übernahm, wurde er PwC-Tochter Strategy& Leiter des Bereichs Industries & Innovation. Sein Studium finanzierte der promovierte Volkswirt auf vielfältige Weise: Er arbeitete als Kurierfahrer, verdingte sich als Orangenpflücker in Israel und Tabak-Erntehelfer in Kanada und arbeitete in New York in einer Bank.
Bildquelle: Strategy &
Hans-Werner Sinn - Taxifahrer
Hans-Werner Sinn, Ökonom und bis März Präsident des ifo Instituts, hat an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster und an der Universität Mannheim Volkswirtschaftslehre studiert. Finanziert hat er sein Studium unter anderem durch Taxi fahren.
Joschka Fischer - Taxifahrer, Aushilfe, Fließbandarbeiter
Auch Joschka Fischer, ehemaliger Außenminister und Grünenpolitiker und heutiger Unternehmensberater und Lobbyist (unter anderem für Siemens, BMW, RWE) fuhr bereits Taxi. Er arbeitete außerdem als Aushilfe in einem Buchladen und bei Opel Rüsselsheim am Fließband. Nur studiert hat er nie.