Entzauberte Mythen: Zu viel Kontrolle im Job ist fatal
Zeigen Sie Gefühle – in jeder Situation!
Ihr Chef hat Sie fälschlicherweise eines Fehlers bezichtigt oder das aktuelle Projekt geht seiner Meinung nach nicht schnell genug voran? Begehen Sie jetzt nicht den Fehler, die Situation auf sich beruhen zu lassen. Suchen Sie das Vier-Augen-Gespräch und sprechen Sie dosiert, aber konkret Ihre Frustration oder Ihre Enttäuschung an: „Ich bin frustriert / enttäuscht, weil ...“
Foto: FotoliaWürdigen Sie auch die Gefühle Ihres Chefs!
So wenig Sie den Ärger oder das aufbrausende Temperament Ihres Chefs auch verstehen können - versuchen Sie trotzdem, seine Gefühle anzuerkennen. Gehen Sie auf ihn ein! Schon einfache Sätze helfen, die Situation aufzulockern: „Ich verstehe, dass Sie sich ärgern. Auch ich hätte das Projekt gerne früher zum Abschluss gebracht.“ Das schafft Raum für konstruktives Arbeiten.
Foto: FotoliaÄußern Sie Ihren Ärger deutlich!
Vergreift sich Ihr Chef im Umgangston, können, dürfen, ja müssen Sie dies zur Sprache bringen – und zwar wahrnehmbar! Belassen Sie es hier nicht bei Wünschen oder Bitten, sondern sagen Sie klar, was Sie erwarten und fordern. Wenn das nicht hilft, denken Sie darüber nach, sich an den Betriebsrat, eine Vertrauensperson oder den nächsten Vorgesetzten zu wenden.
Foto: FotoliaDrücken Sie sich klar aus!
Vielleicht ist Ihrem Chef bisher nicht bewusst, welche Werte und Verhaltensweisen Ihnen besonders wichtig sind. Kommunizieren Sie diese offensiv und drücken Sie sich klar aus – und zwar nicht erst, wenn eine Situation eskaliert ist: „Mir kommt es darauf an ...“; „Ich lege Wert auf ...“; „Entscheidend ist für mich ...“. Nennen Sie die Dinge beim Namen.
Foto: FotoliaArgumentieren Sie immer leistungsbezogen!
Machen Sie Ihrem Chef im Gespräch deutlich, was Sie sich konkret von ihm wünschen. Normalerweise sind Vorgesetzte empfänglich für Argumente zur Leistungs- und Arbeitsfähigkeit. Steigen Sie beispielsweise folgendermaßen ein: „Mir liegt etwas auf dem Herzen, was mir meine Arbeit momentan sehr erschwert.“
Foto: FotoliaFordern Sie Verbindlichkeit!
Ihnen wurde eine attraktive Weiterbildung zugesagt, aber Ihr Chef hält sich nicht an seine Zusagen? Weisen Sie im Gespräch klar darauf hin, dass Ihnen das Einhalten von getroffenen Vereinbarungen wichtig ist und Sie nur so qualitativ hochwertige Arbeit abliefern können. Wünschen Sie sich höflich, aber bestimmt, verbindliche Zusagen, so zum Beispiel einen neuen Termin für die Weiterbildung.
Foto: FotoliaStellen Sie Fragen bei Unklarheiten!
Ihr Chef gibt häufig unklare oder unvollständige Anweisungen und das Ergebnis ist meist vollkommen anders als gedacht? Selbst Schuld! Achten Sie beim Entgegennehmen der Arbeitsanweisungen auf Klarheit und Vollständigkeit. Stellen Sie „dumme“ Fragen: Wie soll das Ergebnis aussehen? Bis wann muss das Projekt beendet sein? Nur so können Sie die gewünschte Arbeit und die geforderten Ergebnisse garantieren.
Foto: FotoliaWeniger ärgern, mehr wünschen!
Nicht jeder Chef ist ein Choleriker. Auch fehlende Anerkennung kann die Arbeitsmoral senken – gemäß dem schwäbischen Motto „Nicht geschimpft ist gelobt genug“. Zögern Sie nicht und holen Sie sich die Anerkennung, die Sie brauchen! Auch hier hilft eine Mischung aus Nachfragen, ob Ihre Leistung nicht zufriedenstellend war, und direktem Ansprechen, wie wichtig Ihnen Lob ist.
Foto: FotoliaZeigen Sie Ihre Ängste!
Sie wissen einfach nicht, woran Sie sind, Ihr Chef ist emotional unberechenbar: Heute lammfromm, obwohl ein wichtiger Auftrag verloren ging, lässt ihn morgen der stehengebliebene Kaffeebecher in der Küche ausflippen. Zeigen Sie ihm, dass seine Unberechenbarkeit eine Angst oder Unsicherheit bei Ihnen erzeugt. Manche Chefs kommen damit nur schwer zurecht und fangen an, nachzudenken sobald die Angst kommuniziert wird.
Foto: dpa Picture-AllianceSeien Sie konsequent!
Ihre bisherigen Versuche, das Verhalten Ihres Chefs zu ändern, waren erfolglos? Klärende Gespräche hatten nicht den erhofften Effekt? Können Sie unter diesen Umständen gute Arbeit abliefern? Gehen Sie gerne ins Büro? Werden Sie sich Ihrer eigenen Werte bewusst und ziehen Sie die Konsequenzen – auch wenn das einen neuen Job oder eine Versetzung bedeutet.
Foto: FotoliaRobert Frost kannte sich aus. „Das Gehirn ist ein wundervolles Organ“, soll der amerikanische Schriftsteller einmal gesagt haben, „es fängt sofort an zu arbeiten, wenn man morgens aufwacht, und hört nicht auf damit, bis man im Büro ist.“
Zwar ist nicht restlos geklärt, ob der Autor wirklich der Urheber des Zitats ist. Fakt ist aber: Gehirne lassen uns im Berufsalltag genau dann im Stich, wenn es darauf ankommt. Warum sonst kommt der Blackout gerade in einem wichtigen Vortrag? Wieso unterlaufen uns immer dann Fehler, wenn wir unter Beobachtung stehen?
Unser Gehirn braucht zwar ständig Feedback von der Umwelt, doch das kann mitunter auch zu viel werden – vor allem dann, wenn es zu häufig auf uns einprasselt. Wer unter permanentem Beobachtungsdruck steht, macht dabei häufiger Fehler, als wenn er selbstständig vor sich hin arbeitet.
Ständige Kontrolle beeinträchtigt nämlich unterbewusst unsere Leistung. So weiß man von Konzertpianisten, dass diese vor Publikum kräftiger auf die Tasten drücken, als wenn sie alleine spielen. Und wer jemals versucht hat, sich vor einer Gruppe Schaulustiger in eine kleine Parklücke zu zwängen, weiß, dass einen spätestens dann die besten Einparkkünste verlassen. Wohl dem, der eine Einparkhilfe hat.
Unser Gehirn braucht Routinen
Wissenschaftler sind sich bis heute nicht einig, wie sich ein Blackout genau zusammen setzt. Sie benennen nur einzelne "Zutaten", die zum Erlebnis beitragen. "Emotional bedingte Gedächtnisproblematik" oder "Aufmerksamkeits-Fokussierungs-Störung" sind nur zwei der möglichen Faktoren.
Foto: Blumenbüro Holland/dpa/gmsDer erste Schritt, die Leere im Kopf zu umgehen, ist die folgende Erkenntnis: Prüfungsangst ist völlig normal. Ein gesundes Maß an Nervosität ist sogar förderlich. Laut dem Yerkes-Dodson-Gesetz steht die Erregung in direktem Zusammenhang mit der Leistungsfähigkeit. Ein mittleres Erregungsniveau erbringt die beste Prüfungsleistung. Ist die Erregung zu schwach oder zu stark, nimmt die Leistungsfähigkeit stark ab. Gehen Sie also offensiv mit Ihrer Angst um, analysieren Sie die Situation: Was jagt Ihnen am meisten Angst ein? Der Prüfer? Ein möglicher Blackout?
Foto: FotoliaÜberlegen Sie genau, welche Konsequenzen eine schlechte Prüfung wirklich haben könnte. Hängt der Erfolg des ganzen Studiums davon ab? Können Sie die Prüfung gegebenenfalls wiederholen? Eine rationale Analyse relativiert meistens die Konsequenzen und mindert den Leistungsdruck.
Foto: FotoliaGanz wichtig: Schieben Sie die Prüfungsvorbereitung nicht so lange vor sich her. Je besser die Vorbereitung, desto geringer ist das Angstgefühl. Nehmen Sie sich ausreichend Zeit und finden Sie die Lernmethode, die für Sie am besten funktioniert. Setzen Sie sich ein tägliches Lernziel. Vielen Studenten hilft zum Beispiel ein Arbeitsplan, um den Lernprozess besser zu strukturieren.
Foto: FotoliaBelohnen Sie sich während der Vorbereitung auch für kleine Erfolge. Haben Sie ein Themenabschnitt bearbeitet, gönnen Sie sich ein Eis oder eine Kaffeepause. Und verlieren Sie Ihre Fähigkeiten nicht aus dem Blickfeld: Welche Voraussetzungen bringen Sie mit, dass die Prüfung ein Erfolg wird? Beides stärkt das eigene Selbstvertrauen und stimmt Sie zuversichtlich.
Foto: FotoliaMelden Sie sich zum Uni-Sportkurs an. Ganz egal, ob Yoga oder Badminton: die Bewegung bringt Sie auf andere Gedanken. Und die körperliche Fitness hilft Ihnen, mit den seelischen Belastungen besser umzugehen. Denn es ist medizinisch bewiesen, dass der Körper schon bei leichter Bewegung die Stresshormone Adrenalin und Cortisol abbaut. Übermannt Sie die Nervosität ganz plötzlich, gehen Sie an die frische Luft und laufen 20 Minuten um den nächsten Häuserblock
Foto: APTreffen Sie sich mit einem Kommilitonen, der in einer ähnlichen Situation steckt. Simulieren Sie die Prüfungssituation, in dem Sie sich gegenseitig Prüfungsfragen stellen. Je mehr solcher Situationen Sie erfahren, desto besser können Sie damit umgehen.
Foto: APWenn Sie vor ihrem Prüfer stehen und das Gefühl, sich an nichts zu erinnern, nimmt immer stärker zu, atmen Sie tief durch: Die 5-mal-5-Regel hilft, die Atmung zu kontrollieren. Legen Sie die Hand unterhalb des Nabels auf den Bauch und atmen Sie genau dorthin. Durch die Nase einatmen und dabei bis fünf zählen, Luft anhalten und bis fünf Zählen und durch den Mund wieder ausatmen und wieder bis fünf zählen. Der untere Teil der Lunge ist besonders gut durchblutet –die grauen Zellen werden optimal mit Sauerstoff versorgt, wenn Sie an diese Stelle atmen. Die langsame Atmung beruhigt den Kreislauf.
Foto: FotoliaEin Blackout lässt sich auch durch Muskelentspannung abwenden. Unter dem Begriff progressive Muskelrelaxation beschreiben Mediziner die gezielte Anspannung einzelner Muskelpartien: erst die Beine – Zehen, Ferse, Waden, Oberschenkel, Po –, dann die Arme und so langsam weiter von unten nach oben arbeiten. Das lenkt Sie zum einen ab und zum anderen fährt der Wechsel von An- und Entspannung die Produktion der Stresshormone nach unten.
Foto: CLARK/obsUnd vor allem: Schrauben Sie schon im Vorfeld die eigenen Erwartungen auf ein realistisches Maß herunter: Wer auf Biegen und Brechen eine eins schreiben und sein Studium mit Bestnote abschließen will, macht sich deutlich mehr Druck als derjenige, für den auch eine drei keine Katastrophe ist. Die Angst, nicht Jahrgangsbester zu werden, kann sonst schnell zur selbsterfüllenden Prophezeiung werden.
Foto: FotoliaKommt der Blackout trotzdem, sollten Sie den Prüfer darauf ansprechen: "Entschuldigen Sie, ich habe gerade einen Blackout. Könnten Sie die Frage wiederholen?" Außerdem empfehlen Psychologen eine genaue Analyse im Anschluss an die Prüfung: War die Vorbereitung ausreichend? Waren die eigenen Ansprüche zu hoch?
Foto: FotoliaMentale Einparkhilfen gibt es auch in unserem Gehirn. Und zwar in Form von Denkmustern, die wichtige Abläufe routiniert abspulen. Doch diese geistigen Gedankenstützen können durch zu viel Kontrolle gestört werden. Denn sobald das Gehirn bemerkt, dass es von kritischen Beobachtern in seiner Handlung überwacht wird, unterdrückt es messbar die Aktivität jener Regionen, die normalerweise für die konkrete Handlung notwendig sind.
Mit anderen Worten: Eine offensichtliche Kontrolle legt das Gehirn tatsächlich organisch lahm und blockiert eine akkurate Bewegungssteuerung. Selbst eingeschliffene und automatisierte Abläufe können so ins Stocken geraten. Zwar kann man sich gegen einen Vortrags-Blackout schützen, indem man ihn zunächst vor freundlich gesinntem Publikum übt und sich gratis Applaus holt. Doch viele Kontrollsituationen lassen sich nicht so leicht trainieren und blockieren das Gehirn im Ernstfall.
Natürlich ist eine Leistungsüberprüfung und -beobachtung im Arbeitsleben unerlässlich. Controlling und Monitoring mögen dabei gut sein, um Prozessabläufe zu überwachen. Doch wer seine Mitarbeiter ständig überprüft, braucht sich nicht zu wundern, wenn ihre Performance spürbar leidet. Optimale mentale Leistung erreicht man nämlich am besten durch eine End- statt einer Prozesskontrolle. Denn kein Gehirn ist darauf ausgelegt, bei jedem seiner Schritte kontrolliert zu werden.
Geistige Leistungsstärke entsteht vielmehr dann, wenn man dem Gehirn messbare Ziele setzt, anschließend genügend Freiheiten und Möglichkeiten zum Handeln lässt – und erst am Ende das Ergebnis überprüft. Das ist wie auf der Bühne: Gebuht oder applaudiert wird immer zum Schluss.