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Stress im JobDiese Dinge machen uns bei der Arbeit krank

Wenn Mitarbeiter über einen längeren Zeitraum unter großem Druck stehen, ist das Risiko hoch, dass sie krank werden. Elf Faktoren sind dafür ausschlaggebend. Wie Unternehmen ihre Angestellten schützen können.Lisa Oenning 06.05.2016 - 11:50 Uhr

Arbeit kann krank machen.

Foto: Getty Images

Stellen Sie sich einmal Folgendes vor: Sie sind die Marionette Ihres Chefs. Sie machen für „den da oben“ ständig Überstunden. Sie müssen schneller arbeiten, immer mehr Leistung erbringen und natürlich wird Ihre Arbeit niemals anerkannt. So weit, so bekannt?

Weiter im Gedankenspiel: Sie haben keinerlei Entscheidungsspielraum. Ihr Chef hat ganz genaue Vorstellungen davon, wie das Produkt oder die Dienstleistung auszusehen haben. Aus Angst, dass Sie alles falsch machen, gibt es nicht nur genaue Vorschriften für jeden Handgriff – 8.03 Uhr bis 8.17 Uhr: Mails checken und beantworten, 8.17 Uhr bis 8.25 Uhr Reporting schreiben – Ihr Vorgesetzter kontrolliert auch alles, was Sie tun. Kein gutes Gefühl, oder?

Elf Faktoren, die im Job krank machen können

Wenn ein Mensch über einen längeren Zeitraum einer hohen Arbeitsbelastung ausgesetzt ist, kann sich der Stress negativ auf seine Gesundheit auswirken. Die Initiative Gesundheit und Arbeit (IGA) hat in ihrem aktuellen Report untersucht, wozu diese psychischen Belastungen in der Arbeitswelt führen können: Es gebe Hinweise darauf, dass durch die Belastungen nicht nur psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen, sondern auch Muskel- und Herzerkrankungen mitverursacht werden können.

Denn: Wenn der Chef seine Mitarbeiter trotz hoher Arbeitsbelastung nicht auch mal lobt, ihn aber gleichzeitig permanent Überstunden machen lässt, kann das im schlimmsten Fall zu Depressionen, Diabetes oder sogar zu einem Herzinfarkt führen. Und es gibt zahlreiche weitere Faktoren auf der Arbeit, die Mitarbeiter möglicherweise krank machen:

Diese Dinge auf der Arbeit können krank machen
Die Folgen von permanenten Überstunden können Angst, Depressionen, Schlafstörungen, Feindseligkeit, Irritation als auch Herz-Kreislauf-Schwäche sein. Vor allem Schichtarbeit erhöht laut Report das Risiko für einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall. Die Initiative Gesund und Arbeit hat in ihrem Report untersucht, welche Faktoren auf der Arbeit möglicherweise krank machen können.
Wer wenig Handlungsspielraum bei der Arbeit hat, erkrankt laut Untersuchung mit höherer Wahrscheinlichkeit an Bluthochdruck. "Je geringer der Handlungsspielraum, desto höher der systolische Blutdruck", heißt es. Deshalb bewertet die IGA das Fehlen eines Handlungsspielraumes als Gesundheitsrisiko.
Wenn die Arbeitsbelastung über einen längeren Zeitraum enorm stark ausfällt, besteht laut Studie die Gefahr, dass Arbeitnehmer an psychischen Störungen oder Depressionen erkranken. Für somatische Erkrankungen sei kein Risikofaktor nachweisbar gewesen.
Mobbing, aber auch sexuelle Belästigungen führen möglicherweise zu Depressionen und Angstzuständen.
Mit sinkender sozialer Unterstützung steigt laut Report das Risiko für Depressionen.
Wer seine Rolle bei der Arbeit nicht genau kennt – oder aufgrund seiner Arbeitsrolle Konflikte austragen muss, hat laut Studie ein erhöhtes Risiko für Depressionen, Angst und Anspannung.
Dieses Modell beruht auf der Annahme, dass beruflicher Stress insbesondere dann entsteht, wenn der Arbeitnehmer gleichzeitig hohen Anforderungen und geringem Kontroll- und Entscheidungsspielraum ausgesetzt ist. Die Folgen können psychische Erkrankungen, Bluthochdruck, Herzinfarkt und Diabetes sein.
Geforderte Verausgabung ohne Belohnung kann laut Report zu psychischen Beeinträchtigungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen.
Pendler neigen laut Studie eher dazu, gestresst zu sein.
Befristete Verträge sowie Leih- und Zeitarbeit können zu Gesundheitsbeeinträchtigungen führen. Das liegt laut Report daran, dass diese Arbeitnehmer das Leben nicht vorausschauend planen können, sich dem Unternehmen nicht zugehörig fühlen und meistens geringer entlohnt werden als andere Mitarbeiter.
Arbeitsplatzunsicherheit kann laut Untersuchung zu einem signifikant erhöhten Risiko von psychischen Beeinträchtigungen wie Angst, Depressionen und Stresserleben führen sowie zu kardiovaskulären Erkrankungen.

Bislang gibt es keine statistischen Daten darüber, wie viele Arbeitnehmer in den vergangenen Jahren krankfeierten, weil die Arbeitsbelastung zu hoch war. Allerdings erreichte der Krankenstand in Deutschland im vergangenen Jahr den höchsten Wert seit der Jahrtausendwende: 4,1 Prozent der Erwerbstätigen waren 2015 laut dem DAK-Gesundheitsreport durchschnittlich an einem Tag so krank, dass sie arbeitsunfähig waren. Zum Vergleich: 2005 waren es 3,3 Prozent. Mehr als die Hälfte aller Krankheitstage entfielen auf Erkrankungen des Muskel-Skelettsystems, der Atemwege und der Psyche.

Platz 10: Symptome und abnorme klinische Laborbefunde

Im vergangenen Jahr zählten Symptome und abnorme klinische Laborbefunde, die nicht diagnostiziert werden konnten, zu den häufigsten Krankheitsarten, die zu Fehlzeiten am Arbeitsplatz führten. Gemessen an den Arbeitsunfähigkeitstagen (kurz: AU-Tage) landen sie mit durchschnittlich 54,5 Ausfalltagen auf Rang 10 des Rankings. Anteilsmäßig gingen 2015 immerhin 3,8 Prozent aller Fehltage auf das Konto von Symptomen oder Laborbefunden. Aufgeschlüsselt nach Geschlecht sind mehr Frauen (8,7 Prozent) von ungeklärten Symptomen betroffen als ihre männlichen Kollegen (6,1 Prozent).

Die Zahlen stammen aus dem DAK-Gesundheitsreport 2016. Für die Studie der Krankenkasse DAK-Gesundheit wurde der Krankenstand von rund 2,7 Millionen erwerbstätigen Versicherten ausgewertet. Außerdem wurden mehr als 5000 Frauen und Männer zwischen 18 und 65 Jahren durch das Forsa-Institut befragt.

Foto: dpa

Platz 9: Infektiöse und parasitäre Krankheiten

Über 61 Arbeitsunfähigkeitstage waren 2015 auf infektiöse oder parasitäre Krankheiten zurückzuführen. Im Durchschnitt fehlten Arbeitnehmer aufgrund dieser Krankheitsart mindestens fünf Tage pro Infekt. Ob es an schwächeren Abwehrkräften liegt, geht aus der Untersuchung nicht hervor. Fest steht jedoch, dass mehr Frauen von Infektionen betroffen waren als Männer. Während nur knapp 59 AU-Tage auf Männer zurückgehen, sind es bei den Frauen über 64. Insgesamt lag der Anteil von Infektionen und parasitären Krankheiten bei 4,3 Prozent.

Foto: WirtschaftsWoche

Platz 8: Krankheiten des Nervensystems, des Auges und der Ohren

Auch von Krankheiten, die das Nervensystem, die Augen und Ohren betreffen, sind Frauen häufiger betroffen als Männer. Über 67 Arbeitsunfähigkeitstage gehen bei dieser Krankheitsart auf das Konto von betroffenen Frauen, die im Schnitt fast zehn Tage ausfallen. Männer kommen zwar insgesamt auf nur knapp 60 AU-Tage, fallen dafür aber auch bei jedem Krankheitsfall mindestens elf Tage aus. Insgesamt liegt die Ursache von krankheitsbedingten Ausfällen in 4,3 Prozent der Fälle bei dieser Krankheitsart.

Foto: dpa

Platz 7: Kreislaufsystem

Noch etwas häufiger führen Erkrankungen des Kreislaufsystem zu Arbeitsunfähigkeitstagen. 4,4 Prozent aller Fehltage waren im vergangenen Jahr auf diese Krankheitsart zurückzuführen. Zu den häufigsten Herz-Kreislauferkrankungen zählen Bluthochdruck, Diabetes, Schlaganfälle und Herzinfarkte. Was diese Erkrankungen betrifft, ziehen Männer den Kürzeren: Laut DAK-Gesundheitsreport treten Herzkreislauferkrankungen bei ihnen im Erwerbsalter öfter auf. Sie häufen deshalb fast 31 Fehltage mehr (77,1) an als ihre weiblichen Kollegen (47,3). Der Durschnitt der Arbeitnehmer liegt bei 63,4 AU-Tagen.

Foto: dpa

Platz 6: Neubildungen

Auch Neubildungen zählten im vergangenen Jahr zu den häufigsten Krankheitsarten, die zu einer besonders hohen Anzahl an Fehltagen am Arbeitsplatz führten. 38 Tage fielen Arbeitnehmer im Schnitt pro Fall aus. Gemessen an den Arbeitsunfähigkeitstagen landen sie mit durchschnittlich 68,4 Ausfalltagen auf Rang sechs des Rankings. Anteilsmäßig gingen 2015 4,8 Prozent aller Fehltage auf das Konto von Gewebeneubildungen - darunter auch bösartigen, die zu Krebserkrankungen führen. Aufgeschlüsselt nach Geschlecht sind mehr Frauen (5,8 Prozent) von Neubildungen betroffen als ihre männlichen Kollegen (3,8 Prozent).

Foto: dpa

Platz 5: Krankheiten des Verdauungssystems

Insgesamt 79 Tage fehlten Arbeitnehmer aufgrund von Krankheiten des Verdauungssystems im vergangenen Jahr. Knapp 13 Erkrankungsfälle traten pro 100 Versicherte mit einer durchschnittlichen Falldauer von etwa sechs Tagen auf. Im Vergleich zum Vorjahr, in dem der Anteil am Krankheitsstand bei 5,5 Prozent lag, haben Diagnosen dieser Krankheitsart in ihrer Bedeutung für den Gesamtkrankenstand aber leicht abgenommen (5,2 Prozent). Trotz allem zählt diese Krankheitsart zu den häufigsten überhaupt und landet damit auf Platz fünf im Ranking.

Foto: Fotolia

Platz 4: Verletzungen und Vergiftungen

Mit einem Anteil von 12,2 Prozent am Krankheitsstand landen Verletzungen und Vergiftungen auf Rang vier der Diagnosen, aufgrund derer die Deutschen am häufigsten am Arbeitsplatz fehlen. Durchschnittlich 175 Ausfalltage sind auf diese Erkrankungen zurückzuführen. 19 Tage fehlten Arbeitnehmer pro Fall im vergangenen Jahr. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Anzahl der Fehltage um einen Tag an.

Foto: Fotolia

Platz 3: Krankheiten des Atmungssystems

Insbesondere junge Arbeitnehmer sind von Erkrankungen des Atmungssystems betroffen, die in den meisten Fällen durch akute Infektionen an den Atemwegen hervorgerufen werden. Ihr Anteil am Krankstand ist mit 28,6 Prozent am höchsten. Mit den Jahren nimmt ihre Bedeutung jedoch ab. Mehr als 195 Tage fielen Arbeitnehmer wegen dieser Krankheitsart aus, pro Fall im Schnitt sechs Tage. Das ergibt einen Anteil von 13,7 Prozent am Gesamtkrankenstand und Platz drei im Ranking.

Foto: CLARK/obs

Platz 2: Psychische Erkrankungen

Laut aktuellen Studien gehören psychische Erkrankungen zu den häufigsten und auch kostenintensivsten überhaupt. Gemessen an den Arbeitsunfähigkeitstagen sind psychische Erkrankungen jedoch nur Platz zwei im Ranking. Über 243 AU-Tage gehen auf das Konto von Depressionen, Belastungs-, Angst- und neurotischen Störungen. Im Vergleich zum Vorjahr gab es hier einen leichten Anstieg und zwar sowohl was die Fallhäufigkeit (von 6,8 auf 6,9 Fälle pro 100 Versichertenjahre) als auch die Anzahl der Arbeitsunfähigkeitstage betraf (von 237,3 auf 243,7 Tage pro 100 Versichertenjahre). Zudem sind Frauen häufiger betroffen als Männer. Gemessen am Anteil des Gesamtkrankenstandes liegen psychische Erkrankungen in allen Gruppen mit 16,6 Prozent nur knapp hinter dem Spitzenreiter im Ranking.

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Platz 1: Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems

Mit Abstand den größten Anteil an Arbeitsunfähigkeitstagen erzeugten Krankheiten des Muskel-Skelett-System - 2015 waren es fast 325 pro hundert Versichertenjahre. Damit liegt der Anteil dieser Krankheitsart bei 22,7 Prozent des gesamten Krankenstandes. Arbeitnehmer blieben pro Krankheitsfall durchschnittlich 18 Tage zu Hause. Im Vorjahr entfielen mit rund 324,8 Tagen etwas weniger Erkrankungstage auf diese Diagnose

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Unklar ist, wie lange es dauert, bis Stress womöglich gesundheitsgefährdend ist. "Ob ein Arbeitnehmer krank wird, hängt davon ab, wie lange der Stress anhält, wie intensiv er ist und wie ausgeprägt die Stresskompetenzen der Person sind", sagt Patricia Lück, Expertin für betriebliche Gesundheitsförderung beim AOK-Bundesverband. Eine extreme Herausforderung, die über mehrere Wochen anhält, kann ihrer Meinung nach eine ähnliche Wirkung auf die Gesundheit eines Angestellten haben wie eine starke Belastung über mehrere Monate.

Dauerhafte Erreichbarkeit fördert Stress

Diese starken Beanspruchungen sind laut den Experten Lück und Arbeitspsychologe Tim Hagemann ein Phänomen der modernen Arbeitswelt: "Die Digitalisierung führt dazu, dass viele Angestellte scheinbar grenzenlos arbeiten", sagt Lück. Dank Smartphone sind Arbeitnehmer heutzutage quasi zu jeder Uhrzeit und überall erreichbar, selbst nach Feierabend beantworten viele von ihnen E-Mails.

Der letzte Gedanke vorm Einschlafen gilt dann oftmals der Arbeit, weil Arbeitnehmer verlernen, sich eine Auszeit zu gönnen. Gerade weil viele Angestellte unter Zeitdruck arbeiten und versuchen, gleich mehrere Aufgaben gleichzeitig zu erledigen – bei denen sie auch noch ständig unterbrochen werden – ist es laut Hagemann umso wichtiger, dass sie in ihrer Freizeit abschalten, indem sie sich mit Bekannten treffen, Sport machen oder einfach nur faulenzen. Und: "Es bringt einem Arbeitnehmer wenig, wenn er immer nur zwei Tage am Stück Urlaub nimmt. Er braucht lange Urlaubszeiten, zum Beispiel über einen Zeitraum von zwei Wochen, um sich richtig auszuruhen", sagt Lück.

Was bei der Arbeit stresst
Was sorgt im Büro für Stress? Der Personaldienstleister Robert Half hat im höheren Management nach den wichtigsten Gründen gefragt. Dabei gaben 18 Prozent der Befragten zu viel Verantwortung oder ständiges an die-Arbeit-denken auch in der Freizeit als Grund für Stress bei der Arbeit an. Nur in Tschechien können die Beschäftigten außerhalb des Arbeitsplatzes schwerer abschalten - dort gaben 28 Prozent an, dauernd an die Arbeit denken zu müssen. Auf der anderen Seite der Skala ist Luxemburg: nur fünf Prozent haben dort dieses Problem.
Keinen Stress haben dagegen nur sieben Prozent der deutschen Befragten. Genauso niedrig ist der Anteil derer, die ihren aktuellen Job nicht mögen.
Unangemessener Druck vom Chef nannten 27 Prozent der Befragten hierzulande als Stressgrund. In Brasilien sind es dagegen 44 Prozent.
Wenn der Chef sich eher um sein Handicap kümmert, statt ordentlich zu führen: 28 Prozent der Befragten sind mit der Managementfähigkeit des Chefs unglücklich. Das Unvermögen des führenden Managers, das zu Stress führt, scheint in Luxemburg relativ unbekannt zu sein - nur 11 Prozent der Befragten sind dort mit den Befragten unglücklich, in Dubai sind es gar neun Prozent.
Dass unangenehme Kollegen oder fieser Büroklatsch zu Stress führen kann, ist allgemein bekannt. Dementsprechend führen auch 31 Prozent der Befragten das als Stressgrund an - der Anteil derer, die das ähnlich sehen, liegen in allen anderen Ländern fast gleich hoch - außer in Brasilien: 60 Prozent der Befragten geben unangenehme Kollegen und fiesen Büroklatsch als Stressgrund an.
Ein weitere Stressgrund: personelle Unterbesetzung. 41 Prozent der Befragten sehen das als wichtigen Grund für Stress bei der Arbeit an - ein Wert, der fast in allen Ländern ähnlich ist.
Doch am problematischsten, laut der Studie: die hohe Arbeitsbelastung. 51 Prozent der Befragten gaben dies als Stressgrund an. Deutschland liegt damit im Schnitt, auch in den anderen elf Ländern ist ein ähnlich hoher Anteil der gleichen Meinung.

Denn wenn Arbeitnehmer in der Lage sind, sich richtig zu erholen und grundsätzlich Spaß an ihrem Job haben, kann Stress gesundheits- und leistungsfördernd sein, meint Hagemann. Denn wenn der Angestellte unter Druck gerät, schüttet sein Körper Stresshormone aus. Das macht ihn aufmerksamer und er reagiert schneller. Die Ausschüttung des Stresshormons geht allerdings zulasten anderer körperlicher Funktionen wie die des Magendarmtraktes und des Immunsystems. Schließlich sind die Ressourcen des Körpers begrenzt. "Diesen Reflex gab es bereits, als die ersten Menschen einem Säbelzahn-Tiger begegneten. Heute ist es allerdings der Chef, der diese Reaktion hervorrufen kann", sagt Hagemann. In diesen Situationen nutzt der Körper automatisch seine Energie, um die Ursache des Stresses zu bewältigen. Sobald sich die Lage beruhigt hat, werden die Immun- und Darmfunktionen wieder hochgefahren.

Fünf Tipps zur Stressbewältigung
Sagen Sie auch mal „Nein“. Haben Sie gerade keine Kapazitäten für eine neue Aufgabe oder ein Projekt, sagen Sie frühzeitig Bescheid. Selbstverständlich gibt es Situationen, in denen Sie mit „Ja“ antworten müssen. Aber vielleicht hat ein Kollege gerade mehr Zeit oder die Aufgabe ist doch nicht ganz so dringend.
Niemand ist perfekt, stellen Sie daher keine zu hohen und unrealistischen Erwartungen an sich selbst. Damit blockieren Sie sich nur.
Identifizieren Sie die Auslöser. Jeder Mensch gerät durch andere Dinge unter Druck. Um einen Überblick zu behalten, hilft es, sich eine Liste mit seinen persönlichen Stressfaktoren anzulegen. Stört Sie zum Beispiel das ständige „Pling“ eingehender E-Mails, stellen Sie den Computer auf lautlos und bestimmen Sie einen festen Zeitraum, in dem Sie Mails beantworten.
Stress zu unterdrücken, ist auf lange Sicht keine Lösung. Früher oder später wird er wieder hochkommen. Um das zu vermeiden, sprechen Sie darüber mit einem Kollegen und beziehen Sie auch ihren Chef mit ein. Allein das Gefühl, aktiv etwas gegen den Stress zu tun, hilft bei der Bewältigung.
Machen Sie Sport – Bewegung ist eine gute Methode, um Stress entgegenzuwirken, denn durch Sport werden Glückshormone wie Dopamin ausgeschüttet.Im Alltag hilft schon ein kurzer Spaziergang zur Kantine oder morgens eine Station früher auszusteigen und den restlichen Weg zur Arbeit zu laufen. Nehmen Sie die Treppe statt den Aufzug und laufen Sie zum übernächsten Drucker statt zum nächstgelegenen.

Wenn der Druck aber permanent anhält und es immer wieder Ärger mit dem Vorgesetzten gibt, stellt sich beim Arbeitnehmer Unzufriedenheit ein. Die Konsequenz: Er identifiziert sich weniger mit dem Unternehmen und seiner Tätigkeit – und schmeißt leichtfertiger als seine Kollegen das Handtuch. In vielen Fällen ist das reiner Selbstschutz.

Dieser scheinbar natürliche Mechanismus setzt aber bei vielen Arbeitnehmern aus. Trotz Belastung bleiben sie ihrem Arbeitgeber treu und ignorieren typische Warnsignale: Abends finden sie nur schwer in den Schlaf, tagsüber sind sie so müde und erschöpft, dass sich das Unbehagen selbst bei den Kollegen bemerkbar macht. "Stress macht Mitarbeiter auch emotional dünnhäutiger. Sie reagieren dann in scheinbar harmlosen Situationen  gereizt oder aggressiv", sagt Lück. Dann ist es höchste Zeit zu handeln: Denn in dieser Situation ist das Risiko hoch, dass die Angestellten ernsthaft erkranken. Während laut IGA-Report die hohe Arbeitsbelastung und der eingeschränkte Handlungsspielraum vor allem bei Männern häufig zu erhöhtem Blutdruck führen, erhöhen sie insbesondere bei Frauen das Risiko, an Diabetes zu erkranken. Aber auch für psychische Krankheiten wie Depressionen, Burn-out oder Angststörungen werden Arbeitnehmer anfälliger.

Stressbedingter Ausfall ist teuer

Umso wichtiger ist es, dass Unternehmen ihre Mitarbeiter schützen – auch aus wirtschaftlicher Perspektive. Denn durch präventive Maßnahmen haben sie die Möglichkeit, den Krankheitsausfall zu verringern. Denn der kommt der deutschen Wirtschaft teuer zu stehen. Laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz und-medizin verursachten die Krankheitstage 2014 volkswirtschaftliche Produktionsausfälle in Höhe von 57 Milliarden Euro.

Dabei können Chefs ihre Mitarbeiter durch einfache und kostenlose Maßnahmen bei Laune halten. "Es ist wichtig, dass ein Vorgesetzter seine Mitarbeiter wertschätzt, offen ist, ihnen Rückmeldungen gibt, Erfolge sichtbar und die Indikatoren transparent macht, anhand derer er Entscheidungen trifft", sagt Hagemann.

Wenn der Chef allerdings bemerkt, dass ein Mitarbeiter kurz davor ist, krank zu werden, sollte er laut dem Arbeitspsychologen das Einzel-Gespräch suchen. "In dieser Situation ist es ratsam, wenn die Führungskraft ihrem Mitarbeiter Unterstützung anbietet, ihn fragt, ob er Urlaub braucht oder die Arbeitszeit reduzieren will", sagt Hagemann. Oft helfen aber auch Qualifizierungsmaßnahmen, um Arbeitsbelastungen weniger bedrohlich erscheinen zu lassen.

Krankenversicherungen bieten zudem betriebliche Gesundheitsförderungen an: Unternehmen erfahren, wie sie die Arbeitsbedingungen verbessern können und Mitarbeiter lernen, wie sie Stress systematisch abbauen.

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