Cadillac CT6: Was Cadillacs Luxuslimousine alles kann
Die noble GM-Tochter Cadillac bringt ihr Flaggschiff nach Europa. Der 5,18 Meter lange CT6 soll gegen die deutschen Luxuslimousinen antreten.
Der Riesenkonzern General Motors scheiterte stets an seinem Bemühen, den anspruchsvollen Kunden auf unserer Seite des Atlantiks den American Way of Drive schmackhaft zu machen. Zu groß, zu teuer, zu durstig, einfach unpassend für europäische Straßen.
Vielleicht klappt´s ja jetzt. Mit der durchaus spannenden Luxuslimousine CT6, die das Logo der Nobel-Marke Cadillac trägt.
Ob der große Ami als Alternative zu E-Klasse, A6 oder gar einer deutschen Limousine aus der Oberklasse durchgehen kann, soll eine rund einwöchige Testfahrt entlang der US-Ostküste rund um Washington D.C. und durch die Bundesstaaten Maryland und Virginia zeigen.
Hier steht kein US-Straßenkreuzer vergangener Tage. Der CT6 ist zwar immer noch stolze 5,18 Meter lang, wirkt aber dank seiner flachen Bauweise, dem kurzen Überhang vorn und der glatt-geschmeidigen Karosserie sowohl elegant als auch sportlich.
Der CT6 bietet eine klassische Stufenheck-Form ohne Schnörkel, wenn man mal vom LED-Tagfahrlicht absieht, das aus den Scheinwerfern senkrecht nach unten ragt, aber ein Erkennungszeichen der neuen Caddy-Generation ist.
Die Anzeigen im Cockpit erstrahlen standesgemäß mit LCD-Technik, ein großer Touchscreen-Monitor im Zentrum bietet neben dem Navigationssystem diverse andere Bedienmöglichkeiten.
Das volldigitale Instrument bietet klare Farben und eine übersichtliche Darstellung der wichtigsten Informationen für den Fahrer.
Durchaus auffallend aber der Innenraum, vor allem durch eine Neuerung, die derzeit nur Cadillac bietet. Auf Knopfdruck wird das vertraute Bild des Innenspiegels durch das einer hochauflösenden Farbkamera ersetzt. 300 Prozent mehr Sichtfläche, so gestochen scharf, das selbst einzelne Regentropfen sichtbar werden.
Der Dreiliter-Sechszylinder vertraut auf zwei Turbolader, erweist sich auf Autobahn oder Landstraße als überraschend agil. Was vor allem an seiner wuchtigen Durchzugskraft liegt, die frühes Hochschalten erlaubt und so zur besseren Futterverwertung beiträgt.
Hinzu kommt, dass zwei der sechs Zylinder automatisch stillgelegt werden, wenn ihre Kraft nicht benötigt wird.
Ein Blick in die Preisliste offenbart, wie schnell die in Europa entwickelten elektronischen Helfer auch in den USA Einzug halten. Ein Spurhalte-Assistent, der automatisch von der weißen Fahrbahnmarkierung weglenkt, Abstandsradar, Fernlichtautomatik für das LED-Licht, Notbremsfunktion auch beim Rückwärtsfahren (wenn beim Rangieren zum Beispiel ein Einkaufswagen übersehen wurde).
Der Nachtsichtassistent erkennt Menschen und Tiere. Die Elektronik übernimmt auch die Steuerung der Hinterachslenkung (je nach Lenkeinschlag bis zu 3,5 Grad) und die automatische Fahrwerksregelung, die sich blitzschnell auf den jeweiligen Untergrund einstellt.
Die feinsten dieser Details sind allerdings nur beim Spitzenmodell des CT6 zu haben. Das kostet mit 94.500 Euro auch gleich stolze 21.000 Euro mehr als der günstigste US-Riese.
Das Argument, damit immer noch ein paar Tausender unter ähnlich ausgestatteten Edelkarossen aus Süddeutschland zu liegen, vermag nicht zu überzeugen. In dieser Preisklasse kommt es nun mal nicht auf 10.000 Euro mehr oder weniger an.