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Marken in chinesischem BesitzChinesische Autobauer in Europa: Durch die Hintertür zum Erfolg

Nach anfänglichen Startschwierigkeiten fassen die chinesischen Autokonzerne so langsam in Europa Fuß. Allerdings segeln einige Hersteller unter falscher Flagge. Die Strategie geht jedoch nicht immer auf. 02.04.2022 - 15:11 Uhr
Foto: Lotus

Auf den ersten Blick hätte die Veranstaltung britischer kaum sein können: Im Herzen Londons, in einem TV-Studio der BBC hat Lotus diese Woche seinen ersten Geländewagen enthüllt. Lotus-Chef Matt Windle wiederholte gebetsmühlenartig den Slogan „born british, raised globally“, als er von der britischen Geburt des Eletra und seiner globalen Entstehung schwärmte.

Doch die Zeiten, in denen Lotus ein britischer Sportwagenhersteller war, sind längst vorbei: Vor fünf Jahren ist der chinesische Geely-Konzern bei der Sportwagen-Ikone aus Hethel eingestiegen und hat den englischen Konkurrenten mit einer milliardenschweren Finanzspritze kuriert.

Foto: Lotus

So gibt es nicht nur eine modernisierte Fabrik am Stammsitz, wo mit chinesischem Geld jetzt bald der mit Geely-Hilfe auch im Technik-Zentrum in Raunheim am Frankfurter Flughafen entwickelte Elise-Nachfolger Emira vom Band läuft. Es gibt im fernen Wuhan noch ein weiteres Entwicklungszentren für hunderte von Ingenieuren und daneben eine Fabrik mit einer Jahreskapazität von 150.000 Autos – und vor allem einen Plan, wie beides ausgelastet werden soll.

Denn der rund 120.000 Euro teure, 600 PS starke, 260 km/h schnelle und mit einem über 100 kWh großen Akku für mehr als 600 Kilometer Reichweite bestückte Eletre ist nur der Anfang. Ihm folgen bis zur Mitte der Dekade noch ein viertüriges Coupé, ein kleineres SUV und ein Sportwagen, mit denen Lotus zur elektrischen Luxusmarke im Geely-Imperium werden und in Stückzahl-Regionen aufsteigen soll, die für die Briten in ihren ersten 70 Jahren undenkbar waren – schließlich hat Lotus die meisten Jahre im niedrigen vierstelligen Bereich verbracht. 

Foto: Lotus

Die englische Fassade und dezente, aber allmächtige Chinesen im Hintergrund – das ist ein Muster, das mittlerweile seltsam vertraut klingt und sich für die Newcomer aus Fernost als kluge Taktik erweisen könnte. Denn nachdem der erste Anlauf der Chinesen in Europa zur Lachnummer wurde, weil Marken wie Landwind nur billige Kopien hatten und die Träume von Brilliance beim Crashtest zerschellten, versuchen sich viele Konzerne durch die Hintertüre einen Fuß auf den Boden zu bringen. 

Während Start-Ups wie Nio oder Aiways den schweren Weg gehen und ihre eigene Marke aufbauen, ist allen voran Geely auf Shopping-Tour gegangen und hat sich kurzerhand bei zahlreichen europäischen Herstellern eingekauft oder sie gleich ganz übernommen. Das hat bei Volvo begonnen, wurde beim Hersteller des legendären London Taxis fortgesetzt und ist mit Lotus noch lange nicht zu Ende. Nicht umsonst schließlich sind die Chinesen mittlerweile auch der größte einzelne Anteilseigner bei Mercedes und haben bei den Entscheidungen in Stuttgart ein Wörtchen mitzureden. Und bei Smart haben sie neuerdings auch das Sagen.

Foto: MG Motor

Aber Geely ist nicht der einzige chinesische Großkonzern, der auf dem Weg in die neue Welt auf alte Namen setzt: Auch SAIC als größter Autohersteller in China bedient sich dieses Tricks und rollt den Westen mit MG auf. Die Marke, die vor fast 100 Jahren in England gegründet wurde, hat wie fast alle englischen Firmen eine ausgesprochen wechselvolle Geschichte.

(im Bild: der MG EHS)

Foto: MG Motor

MG zählte zwischenzeitlich sogar mal zu BMW und wird seit 2005 von China aus zu neuer Blüte gebracht. Und während MG aus England nie so ganz verschwunden war, erobern die Briten mit dem chinesischen Pass nun als neue Elektromarke für Preisfüchse auch Kontinental-Europa. 

(im Bild: der MG ZS EV)

Foto: Borgward

Doch nicht immer führt der Weg durch die Hintertür für die Chinesen zum Erfolg, mahnt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer und hat gleich auch ein paar Negativ-Beispiele parat: „Saab und Borgward sind Schaubilder des Scheiterns.“ Als Hauptgrund nennt er für beiden die zu geringe Produktsubstanz bei der Neuauflage: „Die neuen Autos bei beiden waren „me too“ Produkte, also Autos, die mit riesigen Versprechungen und Worten angekündigt waren, aber wenig Eigenständiges hatten.“

Foto: Borgward

Zum schwachen Produkt kam dann ein noch schwächerer Vertrieb und langweiliges Marketing, urteilt der Experte: „Solche ausgegrabenen Marken braucht die Welt wirklich nicht. Es gibt zu viele Marken und alter Wein in neuen Schläuchen floppt.“ 

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