US-Börse: Wie ein KI-Bild den US-Leitindex abstürzen ließ
Das Pentagon ist völlig intakt - auch wenn es am Montag kurzzeitig anders wirkte.
Foto: APDer Montag hielt für Anleger einen Schreck parat. Kurz nachdem um 15.30 Uhr deutscher Zeit die US-Börsen geöffnet hatten, sackte der US-Aktienindex S&P 500 binnen Minuten um rund 30 Punkte ab. Rund 500 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung wurden pulverisiert. Zum Glück nur kurzzeitig: Ebenso rasch, wie der Index abgestürzt war, erholte er sich auch wieder. Insgesamt beschloss der US-Markt den Montag mit einem hauchzarten Plus.
Bemerkenswerter als der Mini-Crash selbst ist der Grund dafür: Unbekannte hatten ein von künstlicher Intelligenz (KI) generiertes Bild verbreitet, das dichten schwarzen Rauch über dem Pentagon, dem US-Verteidigungsministerium, zeigt. Offenbar hielten mehrere Onlinemedien das Bild für echt – und viele Anleger ebenfalls. In zahlreichen US-Bürgern dürfte das Fake-Bild das Trauma vom 11. September 2001 wachgerufen haben: Bei den Anschlägen damals steuerte einer der Terroristen ein Flugzeug ins Pentagon und zerstörte Teile des Gebäudes.
Fake-News, die die Märkte bewegen, sind kein neues Phänomen. Immer wieder verbreiten Kriminelle etwa Falschmeldungen über Unternehmen, um deren Aktienkurse zu manipulieren. Mit dem Aufstieg der sozialen Medien in den vergangenen 15 Jahren haben solche Tricks zugenommen. Durch KI bekommen sie nun eine neue Qualität: Die Möglichkeit, News in Echtzeit an ein gewaltiges Publikum zu bringen, trifft auf Fakes, die immer schwerer als solche zu erkennen sind.
Zwischen Programmen, die Fakes erzeugen, und solchen, die gefälschte Bilder oder Videos erkennen sollen, ist ein Wettrüsten entbrannt. Letztere drohen dieses Wettrüsten zu verlieren. Zwar lassen sich KI-generierte Bilder, vor allem solche von Menschen, bisher noch relativ leicht entlarven. Das dürfte sich aber schon bald ändern.
Fact-Checker auf verlorenem Posten
Hinzu kommt, dass auf einigen wichtigen Social-Media-Plattformen inzwischen mehr oder weniger Anarchie herrscht. Das leistet der Verbreitung von Fake-News weiteren Vorschub. Das Pentagon-Bild wurde laut dem Nachrichtensender CNN auf Twitter von zahlreichen Accounts verbreitet, die sich mit einem blauen Haken einen offiziellen Anstrich geben. Darunter war auch ein Account, der vorgab, zum Nachrichtendienst Bloomberg zu gehören. Unter Elon Musk hat Twitter seine Verifizierungspolitik aufgeweicht: Früher gab es den blauen Haken nur für verifizierte Profile mit einer gewissen Reichweite. Heute kann sich jeder dieses einstige Statussymbol kaufen.
Anleger müssen damit rechnen, dass es in Zukunft mehr kapitalmarktrelevante Fakes gibt – und dass diese nicht so rasch entlarvt werden wie das Pentagon-Bild von Montag, dessen Wahrheitsgehalt sich schnell überprüfen ließ. In der Folge könnte es häufiger zu plötzlichen Kurs-Ausreißern kommen. Für langfristig orientierte Anleger mit einem breit aufgestellten Portfolio wäre das kein so großes Problem. Wohl aber für Investoren, die kurzfristige taktische Wetten auf Indizes oder Einzelwerte eingehen. Solche Spekulationen könnten künftig noch schwieriger werden.
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