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Börsenwoche 420: EditorialOhne die Börse lässt sich das Klima nicht retten

Es ist noch nicht zu spät, um die Folgen des Klimawandels abzumildern. Wer die Erde verschmutzt, sollte dafür die Kosten tragen – so geht Kapitalismus. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Jan-Lukas Schmitt 31.07.2023 - 07:38 Uhr
Foto: imago images

Der Klimawandel ist wohl die größte Herausforderung, vor der meine und jüngere Generationen stehen. 197 Staaten haben sich 2015 den Pariser Klimazielen verschrieben, denen zufolge die Erderwärmung idealerweise auf 1,5 Grad beschränkt werden soll. Spoiler: Dieses Ziel wird höchstwahrscheinlich floppen, voraussichtlich in den 30er Jahren, warnen die Autoren des Weltklimaberichts. Die Folgen? Nicht abzusehen.

Allerdings: Zu spät ist es mitnichten. Würden die Treibhausgasemissionen in allen Sektoren bis 2030 global halbiert werden, könnten die Klimaziele eingehalten werden. Dafür müsste aber eine stringente Strategie zur Co2-Senkung verfolgt werden – und das nötige Kapital mobilisiert werden. Dabei gibt es zwei zentrale Probleme.

Zum einen entwickelte sich unser Wirtschaftssystem in einer Zeit, in der Co2-Ausstoß keine Bedeutung und deshalb auch keinen Preis hatte. Dabei handelt es sich um eine negative Externalität: Wer Kohlstoffdioxid ausstößt, verschmutzt damit das Gemeingut Erde und sollte die Kosten tragen. Das wäre theoriekonformer Kapitalismus.

Foto: WirtschaftsWoche

Doch in etablierten Systemen nachzubessern, ist schwierig. Zum anderen unterliegt Politik der Zeitinkonsistenz: Künftige Handlungen, die Teil eines heute entworfenen perfekten Plans sind, erscheinen demnach aus zukünftiger Perspektive nicht mehr optimal – obwohl sich an der Ausgangslage nichts geändert hat. Konkret könnte Klimaschutz Klima-Anpassung weichen.

Aus diesen Umständen und der historischen gewachsenen Unglaubwürdigkeit der Politik resultiert das dritte Problem: Die Unwägbarkeiten bremsen Investments in grüne Technologien. Doch ohne privates Kapital lässt sich Klimaschutz nicht finanzieren. Eine Idee, wie sich diese Probleme lösen und der Klimawandel durch die Kraft des Finanzmarkts doch noch gestoppt werden könnte, präsentierte jüngst Börsenlegende Robert Litterman.

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»Ohne privates Kapital lässt sich das Klima nicht retten«

Mit Co2-gebundenen Anleihen sollen Regierungen dabei einen Zielpreis für Co2 festlegen. Wird er verfehlt, zahlen sie Investoren einen entsprechenden Kupon. Ein enormer Anreiz mit hohem Risiko. Würden Staaten die Emissionserlöse jedoch zielgerecht einsetzen, könnte es ein Schub für den Klimaschutz sein. Als Bemessungsgrundlage schlägt Litterman ein Barometer vor, das die Anreize der Regierung zur CO2-Reduktion messbar macht. Fehlanreize wie Benzinsubventionen würden sich negativ auswirken,

Klimafreundliche Anreize wie Förderung von erneuerbarem Strom positiv. Natürlich gibt es Extremszenarien: Eine Volkswirtschaft könnte je nach Konstruktion der Bonds ihre kompletten Wirtschaftstätigkeiten einfach einstellen und von den dadurch beflügelten Kupons leben. Warum das nicht passieren dürfte, zeigt die Geschichte des Inselstaats Nauru.

Der avancierte in den 1970ern zum reichsten Land der Welt, indem er Vogelkot, der über Jahrhunderte zu Phosphat geworden war, abbaute und verkaufte. Doch die Ressource war endlich, der Staat verarmte. Littermans Konzept ist noch unausgegoren – die Idee aber vielversprechend, zumal sie keine Wettbewerbsnachteile brächte, wenn sie nur national eingeführt wird. Fest steht: Ohne den Markt lässt sich das Klima nicht retten.

Foto: WirtschaftsWoche

Ihr Lukas Schmitt

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